„Klares Zeichen setzen“

Krieg gegen Ukraine: Reiseveranstalter sagen Russland-Reisen ab

Passagiere gehen durch den Sheremetyevo International Airport von Moskau.

Passagiere gehen durch den Sheremetyevo International Airport von Moskau.

Bestürzung, Sorge und Ungewissheit beherrschen die Stimmung in der Tourismusbranche. Russlands Krieg gegen die Ukraine beschäftigt die Reisebranche aber nicht nur emotional, sondern auch operativ. Einige Veranstalter verkünden einen Reiseboykott.

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FTI setzt sein Angebot für Reisen nach Russland bis auf weiteres aus. Für die Ukraine hat der Konzern das bereits Mitte Februar getan“, teilt Ralph Schiller, CEO der FTI Group dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit. Generell sei aber die Nachfrage nach Russland schon seit Längerem aufgrund der Pandemie zurückgegangen und Reisen dorthin wurden weniger gebucht.

Auch DER Touristik hat alle Reisen nach Russland abgesagt. „Der kriegerische Angriff Russlands auf die Ukraine hat uns alle zutiefst erschüttert“, sagte Zentraleuropa-Chef Ingo Burmester am Donnerstag. „Wir beobachten die aktuelle Lage mit Fassungslosigkeit und größter Besorgnis.“ Die Folgen des Kriegs in der Ukraine auf das Reiseverhalten der Menschen seien derzeit noch nicht abschätzbar, sagt Burmester.

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Bis Ende Juni 2022 sagt Lernidee Erlebnisreisen seine Reisen nach Russland ab. Der Veranstalter ist Marktführer im Geschäft mit Reisen auf der Transsibirischen Eisenbahn.

Auch der Trekking-Spezialist Hauser Exkursionen stellt seine Reiseangebote nach Russland mit sofortiger Wirkung ein. Der Münchner Veranstalter kündigt an, keine entsprechenden Buchungen mehr entgegenzunehmen. Wer bereits eine Hauser-Reise nach Russland gebucht hat, werde vom Kundenservice kontaktiert.

„Wir fühlen uns aus ethischen und moralischen Gründen verpflichtet, ein klares Zeichen zu setzen“, sagt Manfred Häupl, Geschäftsführer von „Hauser Exkursionen“. „Wer Völkerrecht absichtlich mit Füßen tritt und zudem militärisch aktiv in ein Nachbarland einmarschiert, darf nicht toleriert werden.“

In einigen Regionen müsse man als Veranstalter stets abwägen, inwieweit der Bevölkerung durch Tourismus Hoffnung und Perspektive erhalten bleiben, ohne dabei das Regime zu unterstützen. Im Falle von Russland verhalte es sich anders – „daher mussten wir diese Entscheidung treffen“, so Häupl. Insgesamt umfasst das Hauser-Portfolio mehr als 400 Reisen in 90 Länder, die sechs Russland-Touren zählen bis auf Weiteres nicht mehr dazu.

Für 2022 seien bislang insgesamt 13 Abreisen geplant gewesen, beginnend mit Abreisen ab Mai, so Häpul gegenüber dem RND. „Sollte die Situation in der Ukraine sich nicht ändern, bleiben wir bei unserer Komplettaussetzung des Programmes“, so der Geschäftsführer.

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Stornierungen von Russland-Reisen

Auch beim Veranstalter Go East aus Hamburg laufen inzwischen Stornierungen auf: „Es stornieren vor allem Kunden, die schon in den kommenden Wochen mit uns nach Russland reisen wollten“, zitiert das Branchenmagazin „FVW“ Veranstalterchef Jochen Szech.

Das Interesse an Reisen nach Russland sei aber schon seit Längerem coronabedingt zurückgegangen und das Land weniger gebucht worden. Eine Einstellung von Russland-Reisen wie „Hauser Exkursionen“ plant „Go East“ aber nicht, weil ein solcher Schritt mit den Guides und Gästefamilien die falschen Personen träfe.

Kreuzfahrtschiffe halten nicht mehr in St. Petersburg

Als erste Reederei hatte Norwegian Cruise Line verkündet, alle Kreuzfahrten nach Russland abgesagt zu haben habe. Bislang gab es jeden Sommer etwa 50 Kreuzfahrt-Abfahrten von St. Petersburg, diese sollen 2022 ausfallen. Die Reederei suche nun nach alternativen Häfen im Ostseeraum, wie die Branchen-Webseite „Skift“ berichtet.

Der Reederei folgten inzwischen etliche weitere: Unter anderem Tui, Aida und MSC Cruises laufen St. Petersburg vorerst nicht mehr an. Auch Atlas Ocean Voyages, Viking Cruises, Saga Cruises und Windstar Cruises streichen Russland von den Reiserouten.

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Reiseverband: „Weitere Herausforderung neben Corona“

Für Reiseveranstalter, die auf Reisen nach Russland und die Ukraine spezialisiert sind, werde der Konflikt eine weitere Herausforderung neben Corona darstellen, teilt der Deutsche Reiseverband (DRV) mit. Mit Blick auf die Reisewirtschaft insgesamt sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig: „Abzuwarten bleibt zum jetzigen Zeitpunkt, ob und inwieweit der von Russland begonnene Krieg in den nächsten Wochen zu einer allgemeinen Verunsicherung führen und damit auch Auswirkungen auf das Buchungs- und Reiseverhalten der Bundesbürger haben wird.“

Die Diplomatie müsse jetzt schnell die Oberhand gewinnen, damit dieser „völkerrechtswidrige Krieg und das zunehmend große Leid der Menschen schnellstmöglich gestoppt“ werden können, so Fiebig.

Auch Michael Buller, Vorstand des Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR), zeigte sich erschüttert und entsetzt darüber, „dass in der heutigen Zeit immer noch Waffen Worte schlagen“. Die Tourismusbranche stehe für Völkerverständigung, für interkulturellen Austausch. Für Menschen, die sich über Ländergrenzen hinweg begegnen, und zwar über Ländergrenzen hinweg. „Sie bekriegen sich nicht, sondern entwickeln Freundschaften“, so Buller.

RND/gei/dpa

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