Lange galt sie als beste Airline der Welt

Qantas – keine Liebe mehr für das fliegende Känguru

Qantas Airways ist die nationale Fluggesellschaft Australiens.

Qantas Airways ist die nationale Fluggesellschaft Australiens.

Über Jahrzehnte pflegte die australische Fluglinie Qantas ein makelloses Image. Im Kinoklassiker „Rain Man“ weigerte sich der autistische Raymond Babbit einst, in irgendein anderes Flugzeug zu steigen. Nur Qantas durfte es sein. Denn: „Qantas ist noch nie abgestürzt.“ Die berühmten Worte, die Dustin Hoffman damals in seiner Rolle sprach, brannten sich weltweit in die Gehirne von Flugreisenden ein.

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Doch von diesem makellosen Image ist im Jahr 2022 zumindest im eigenen Land nicht mehr allzu viel übrig. Vor Kurzem berichtete die „Australian Financial Review“ beispielsweise über den Linkedin-Post eines australischen Managers, in dem dieser sehr sachlich und überzeugend erklärte, warum er nie wieder mit Qantas fliegen werde. Die rund 700 Kommentare dazu gaben ihm weitestgehend recht.

Reisechaos verärgerte Kunden

Zwar hat Qantas nach wie vor eine makellose Sicherheitsbilanz, doch die Beschwerden in jedem anderen Bereich summieren sich: Stornierte und verspätete Flüge, Personalmangel und dadurch verursachte lange Wartezeiten, verlorene Gepäckstücke und IT-Probleme. Qantas-CEO Alan Joyce entschuldigte sich vor Kurzem erst bei den Kundinnen und Kunden für das Chaos der vergangenen Monate in einem Video, das per E-Mail an diese verschickt wurde. „Wir wissen, dass die Rückkehr zum Fliegen nicht reibungslos verlaufen ist“, gestand er darin und gelobte Besserung.

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Doch eine Geste der Versöhnung – Qantas verteilte im August Gutscheine über 50 Australische Dollar (knapp 35 Euro) an seine Stammkundinnen und -kunden – ging ins Leere. Denn als die ihre Gutschrift einlösen wollten, funktionierte zunächst weder die Qantas-App noch die Website des Unternehmens.

Milliardenverluste während der Pandemie

Zugegebenermaßen hat Qantas es aufgrund der geschlossenen Außengrenzen Australiens gepaart mit strengen Lockdowns im Land in den vergangenen zwei Jahren noch mal deutlich schwerer gehabt als viele andere Fluglinien. Letzteres spiegeln auch die hohen Verluste wider, die Joyce auf mehr als 7 Milliarden Australische Dollar oder umgerechnet über 4,8 Milliarden Euro seit Beginn der Pandemie beziffert. Außerdem seien dem Unternehmen Einnahmen von mehr als 25 Milliarden Dollar (über 17 Milliarden Euro) entgangen. „Um das ins rechte Licht zu rücken: Covid hat uns in den letzten drei Jahren mehr Geld gekostet, als wir in den fünf Jahren davor verdient haben“, sagte er vor Kurzem vor Medienvertreterinnen und Medienvertretern.

Eine Maschine von Qantas auf dem Weg zur Startbahn.

Eine Maschine von Qantas auf dem Weg zur Startbahn.

Nicht erwähnt wurden dabei aber die Rettungspakete, die die Fluglinie kassierte. So injizierte die frühere australische Regierung während der Zeit der geschlossenen Grenzen stattliche 2 Milliarden Dollar (1,38 Milliarden Euro) in das Unternehmen: „Die Regierung forderte kein Eigenkapital als Gegenleistung für ihre Großzügigkeit, und das Management von Qantas gab auch keine Zusicherungen – nicht in Bezug auf Arbeitsplätze, Routen, Dienstleistungen oder Qualität“, schrieb eine Kommentatorin in der australischen Ausgabe des „Guardian“ im August.

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Liebesentzug deutet sich seit Jahren an

Statt mit dem Geld Arbeitsplätze zu retten, wurde jedoch das gewerkschaftlich organisierte Bodenpersonal entlassen und dabei geschickt ein Zeitfenster genutzt, in dem die Arbeiterinnen und Arbeiter nicht physisch bei der Arbeit waren und daher nicht verhandeln konnten. Auf diese Weise verloren 2000 Gepäckabfertiger, Reinigungskräfte, Flugzeugschlepper und anderes Bodenpersonal ihre Jobs. Laut dem „Guardian“ verwendete Qantas das Geld stattdessen dazu, die Konkurrenz zu „vernichten“. So habe das Unternehmen seine Flugzeugflotte ersetzt, einen potenziellen Konkurrenten aufgekauft, einen anderen Konkurrenten unterboten und sich aktiv dafür eingesetzt, dass die Regierung Rettungspakete für den Rivalen Virgin zurückhielt.

In einem Land, das auf sein „Fair Go“ stolz ist, kamen diese Praktiken alles andere als gut an. Doch der Liebesentzug der Australierinnen und Australier fing bereits lange vor den schwierigen Jahren der Pandemie an. So lässt er sich mindestens bis ins Jahr 2008 zurückverfolgen, wenn nicht sogar bis in die Anfänge der 1990er, als die Fluglinie privatisiert wurde. 2008 übernahm der Ire Alan Joyce das Ruder – nach einem wahrhaft schwarzen Jahr für die Fluglinie. In nur wenigen Monaten hatten sich damals die Negativmeldungen gehäuft: Technische Probleme, Notlandungen, Verspätungen, Streiks und schließlich sogar eine Rüge der australischen Flugsicherheitsbehörde Casa kratzten am Image der Fluglinie.

Könnte die Fluglinie wieder verstaatlicht werden?

Joyce schaffte es schnell, in Australien zum Haushaltsnamen zu werden. Vor allem ein radikaler Präzedenzfall aus dem Jahr 2011 blieb vielen im Gedächtnis. Um einen Gewerkschaftskonflikt zu lösen, legte der Manager von heute auf morgen die komplette Fluglinie still: Fast zwei Tage dauerte der Flugstopp, 70.000 Passagiere saßen überall auf der Welt fest. Auch während der Pandemie stoppte Joyce sämtliche internationale Flüge, sodass es für viele australische Bürgerinnen und Bürger extrem schwierig wurde, aus dem Ausland nach Hause zurückzukehren.

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Inzwischen ist die Unzufriedenheit sogar so groß, dass sich die Rufe, die Fluglinie wieder zu verstaatlichen, mehren. Vor allem Politiker der Grünen Partei haben in der Vergangenheit immer wieder dafür plädiert, Qantas in den Schoß des Staates zurückzuholen. Als einen der Hauptgründe führen sie dabei die geografische Lage des Landes an: „Ich möchte nicht, dass wir je ein Inselstaat ohne eine voll funktionsfähige Fluggesellschaft werden“, sagte Grünen-Politiker Adam Bandt einst in einem Medieninterview.

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