Rückkehr der Urlauber

So hat sich Mallorcas Tourismus 2022 entwickelt

Playa de Palma auf Mallorca in der Hochsaison. Die Strände waren 2022 oft überfüllt – zum Leidwesen einiger Anwohnerinnen und Anwohner (Archivbild).

Playa de Palma auf Mallorca in der Hochsaison. Die Strände waren 2022 oft überfüllt – zum Leidwesen einiger Anwohnerinnen und Anwohner (Archivbild).

Die Touristen sind wieder da. Mallorca hat sie gebraucht wie ein ausgedörrtes Feld den Regen. „Zurzeit arbeiten wir praktisch dafür, die liegengebliebenen Rechnungen zu bezahlen“, sagt Maria Frontera, die Präsidentin des Mallorquiner Hotelierverbandes FEHM, „und am Ende des Jahres werden wir sehen, was übrigbleibt.“ Aber jetzt ist erstmal der Moment, in guten Zahlen zu schwelgen.

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Das Jahr begann glänzend: Im ersten Halbjahr kamen 5,2 Millionen ausländische Touristen auf die Balearen, das waren mehr als viermal so viele wie ein Jahr zuvor und lediglich 6 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019. Nimmt man noch die spanischen Touristen hinzu, waren es 6,4 Millionen Touristen, und das Minus gegenüber 2019 betrug nur 4 Prozent. Im Juli sind bisher nur die ausländischen Balearenbesucher gezählt worden: Es waren 2,3 Millionen, genauso viele wie im Juli 2019. Kein Minus mehr. Mallorca und die anderen Inseln stehen ungefähr wieder da, wo sie vor der Pandemie standen.

Bürgermeister von Palma wünscht sich mehr Qualitätstourismus

Was sich verändert hat: Die Urlauber bleiben etwas kürzer. Statt 17 Millionen Übernachtungen in den ersten sieben Monaten 2019 haben die Balearen dieses Jahr 15 Millionen Übernachtungen gezählt. Die Touristen geben aber in der kürzeren Zeit etwa genauso viel Geld aus wie früher. Davon haben Spaniens Tourismusplaner immer geträumt. Der Bürgermeister der mallorquinischen Hauptstadt Palma, José Hila, hat das vor ein paar Tagen wieder offen ausgesprochen: Er wünsche sich „Qualitätstourismus“, das heißt: „Die, die kommen, sollen mehr Geld ausgeben“. Das tun sie. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres gut 8,6 Milliarden Euro, fast dreimal so viel wie im Vorjahr und auch etwas mehr als vor drei Jahren (zum Teil allerdings inflationsbedingt).

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Den Segen der Milliarden bekommen die Mallorquiner zu spüren – und sei es, dass sie endlich liegengebliebene Rechnungen bezahlen können. Das Beste ist, dass es auf den Balearen jetzt wieder Arbeit gibt: mehr als 600.000 besetzte Stellen, so viele wie noch nie, seit darüber Buch geführt wird. Nur gerade einmal gut 35.000 Menschen waren arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenrate von 5,5 Prozent ist für spanische Verhältnisse sensationell niedrig.

Menschen nehmen einen Sonnenbad am Strand Cala Pi. statt Massentourismus will Mallorca mehr Qualitätstourismus.

Menschen nehmen einen Sonnenbad am Strand Cala Pi. statt Massentourismus will Mallorca mehr Qualitätstourismus.

Mallorquiner und Touristen klagen über Touristenmassen

Es gibt also keinen Grund zur Klage, nur den, dass es einigen Mallorquinern schon wieder zu viel wird. Manche hatten sich an die Ruhe der vergangenen zwei Jahre auf der Insel gewöhnt. Sie stören sich daran, dass an einem Tag mit Nieselwetter plötzlich die Altstadt von Palma überlaufen ist, weil bei solchem Wetter niemand an den Strand will, oder das bei gutem Wetter an einigen angesagten Stränden wie Es Trenc kein Handtuchbreit mehr Platz ist. Das ist lästig, und Kontrolle beim Zugang zu diesen Stränden täte Not. Die Lokalzeitungen greifen solche Klagen gerne auf, und so kann man leicht den Eindruck bekommen, dass ganz Mallorca mal wieder, wie schon in früheren Jahren, genug vom Massentourismus hat. Zumal auch Touristen gerne über Touristenmassen klagen – und trotzdem im kommenden Jahr nicht zu Hause blieben.

Zu viel Gewicht muss man den Klagen aber nicht geben. „Weniger Touristen? Nein!“, sagte Ende August der Sprecher der auf den Balearen regierenden Sozialisten, Alfonso Rodríguez. Mallorca und die anderen Inseln leben vom Tourismus; der Tourismus hat sie groß gemacht. Die Einwohnerzahl hat sich in den vergangenen 50 Jahren auf heute gut 1,2 Millionen mehr als verdoppelt, und das wäre ohne den Fremdenverkehr nicht geschehen – noch in den 1950er-Jahren verließen die Einheimischen die Inseln, weil sie hier keine Arbeit fanden. Um die Schönheiten der Inseln zu bewahren, sollen es allerdings auch nicht immer mehr Besucher werden; seit Anfang des Jahres gilt ein vorerst vierjähriges Bettenmoratorium, das bedeutet: keine zusätzlichen Übernachtungsplätze.

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Die größere Sorge auf Mallorca ist eine andere: dass sich schon wieder die nächste Krise abzeichnet, diesmal im Gefolge des Ukraine-Krieges. Gut möglich, dass die Insel bald wieder unter zu wenigen und nicht unter zu vielen Touristen leidet.

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