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Auktion

Fußball-Olympiasieger Vladimir Liutyi versteigert Goldmedaille: Jetzt für guten Zweck mitbieten

Er möchte seine Olympia-Goldmedaille von 1988 versteigern: Vladimir Liutyi (60).

Er möchte seine Olympia-Goldmedaille von 1988 versteigern: Vladimir Liutyi (60).

Rostock.Es ist erst wenige Tage her, als Vladimir Liutyi einen Anruf aus Isjum (Ukraine) erhält. Sein Schwager Alexander, der bei einem Unfall vor 20 Jahren ein Auge verlor und trotzdem gegen die russischen Angreifer zur Waffe greift, bittet um Hilfe. Das Auto, ein blauer VW, sei von einem Panzergeschoss zerstört worden, berichtet der Bruder von Liutyis Frau Vira.

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Vladimir Liutyi möchte helfen. Aber wie? So viel Geld hat der 60 Jahre alte Wahl-Rostocker nicht auf der hohen Kante. Andererseits: Vira und Alexander mussten schon am eigenen Leib erfahren, wie gnadenlos Krieg ist. Die Geschwister haben während der Unruhen in Karabach (Aserbaidschan) ihren Vater verloren. „Deswegen habe ich mich entschlossen, meine olympische Goldmedaille zu versteigern“, sagt der Fußball-Olympiasieger von 1988. Sein Wunsch: Ein Erlös von 50 000 Euro.

Hier geht es zur Versteigerung der olympischen Goldmedaille von Vladimir Liutyi

Im Liveticker informieren wir Sie über das aktuelle Höchstgebot:

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Am liebsten möchte sich der Wahl-Rostocker gleich nach dem Saisonfinale des FC Hansa am Sonntag gegen den Hamburger SV (15.30 Uhr) auf die Reise an die ukrainische Grenze machen – mit einem neuen Auto.

Die Trennung von der Medaille fällt ihm nicht leicht. Die Plakette erinnert ihn an seinen ersten großen Titelgewinn. „Sie ist ein Teil meines Lebens und hat mich immer begleitet.“

Endspiel gegen Brasilien vor 74 000 Zuschauern

Liutyi kann sich noch gut an die Sommerspiele 1988 in Südkorea erinnern. Erstmals sind Profifußballer bei Olympia dabei. „Die Vorrunde haben wir in Busan gespielt, das Halbfinale und das Finale in Seoul. Das war eine tolle Zeit.“ Das Team der UdSSR marschiert durchs Turnier – und Liutyi ist mit Ausnahme des Auftaktspiels immer dabei. Die Sbornaja bezwingt im Halbfinale Italien (3:2 nach Verlängerung) und trifft im Endspiel vor 74 000 Zuschauern auf Brasilien. In den Reihen der Südamerikaner stehen Spieler wie Claudio Taffarel, Jorginho, Mazinho, Bebeto oder Romario, die sechs Jahre später Weltmeister werden.

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Russland gewinnt 2:1 nach Verlängerung. „Wir haben die ganze Nacht durchgefeiert“, erzählt Liutyi. Am nächsten Morgen folgt ein Empfang in der sowjetischen Botschaft. Liutyi fliegt von Seoul aus weiter nach Frankreich. Vier Tage nach dem Olympia-Finale ist der Stürmer im UEFA-Pokal mit Dnipr Dnipropetrovsk bei Girondins Bordeaux gefordert.

Die Vorderseite der Olympia-Goldmedaille von 1988.

Die Vorderseite der Olympia-Goldmedaille von 1988.

Dnipro ist die Heimatstadt des WM- (1990) und EM-Teilnehmers (1992). Dort ist Ljutyi aufgewachsen, hat die Schule besucht, studiert und seine Fußballkarriere begonnen. Zehn Jahre spielt er für den Klub, gewinnt zwei Titel, wird zweimal Vize, zweimal Dritter und holt den Pokal. „Ich bin der einzige, der alle Trophäen hat“, berichtet er stolz.

Liutyi über den Krieg: „Das ist grausam!“

Im Dezember vergangenen Jahres besucht er seine kranke Mutter. Als er abreist ist ihm bewusst, dass es kein Wiedersehen gibt. Seine Mutter stirbt im Januar.

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Und jetzt herrscht in seiner Heimat Krieg. Die Menschen müssen die Nächte in Schutzräumen verbringen. Tausende haben ihre Wohnungen und Geschäfte verloren – oder sogar ihr Leben. Vladimir Liutyi ist betroffen. „Das ist grausam. Unfassbar, was dort passiert.“ Die vielen Toten seien nicht nur Zahlen und Statistiken, betont er. „Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte und eine Seele.“

Er spielte ab 1991 für den MSV Duisburg in der Bundesliga: Vladimir Liutyi.

Er spielte ab 1991 für den MSV Duisburg in der Bundesliga: Vladimir Liutyi.

Liutyi bezeichnet Putin als Satanisten und hofft auf Waffen aus dem Westen, damit sich seine Landsleute verteidigen können. „Ich kenne das ukrainische Volk. Wir halten durch“, versichert Liutyi, der 1989 zum Schalke 04 in die 2. Bundesliga wechselt. Zwei Jahre später heuert er beim MSV Duisburg an. Liutyi stürmt an der Seite von Ewald Lienen – auch gegen Bundesliga-Neuling Hansa. „Ich habe sogar getroffen“, sagt er und grinst.

Ausbildung in Kiew zum Fußballlehrer

Nach dem Ende seiner Profikarriere steigt Vladimir Liutyi ins Trainergeschäft ein. Er arbeitet für die russischen Klubs Lok Moskau und FK Rostow, absolviert in Kiew eine Ausbildung zum Fußballlehrer und steht in Deutschland bei mehreren unterklassigen Vereinen an der Seitenlinie.

Er war Anfang Januar 2019 für ein paar Tage Interimscoach des FC Hansa Rostock: Vladimir Liutyi, hier bei der Ankunft im Trainingslager in der Türkei.

Er war Anfang Januar 2019 für ein paar Tage Interimscoach des FC Hansa Rostock: Vladimir Liutyi, hier bei der Ankunft im Trainingslager in der Türkei.

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2018 zieht es Liutyi, der Freunde in der Ukraine und in Russland hat, nach Rostock. Er leitet Hansas Nachwuchsleistungszentrum. Nach dem Aus von Pavel Dotchev übernimmt er im Januar 2019 interimsweise für einige Tage die Profis, bevor Jens Härtel als neuer Chefcoach verpflichtet wird.

Der Vater von sechs Kindern, von denen lediglich die jüngste Tochter Sofiia noch zu Hause wohnt, fühlt sich in Rostock wohl. Die Familie hat sogar russisches Fernsehen. „Aber das hältst du nur zwei Minuten aus. Alles Lügen, Lügen, Lügen“, schimpft Liutyi, der sich als Dolmetscher für seinen Landsmann Danylo Sikan in den Dienst des Koggenklubs stellt. Sikan hat vor wenigen Wochen seine Goldmedaille von der U-20-WM für über 34 000 Euro versteigert. Nun versucht Vladimir Liutyi sein Glück.

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