F1-Kolumne

Thesen zum Formel‑1-Monat mit Norbert Haug: Ferrari verteilt Geschenke, Ratschlag an Mick

Themen der Formel-1-Kolumne in diesem Monat sind die Patzer von Ferrari um Charles Leclerc (links) und die noch punktlose Saison von Mick Schumacher, der in Monaco einen schweren Unfall produzierte.

Themen der Formel-1-Kolumne in diesem Monat sind die Patzer von Ferrari um Charles Leclerc (links) und die noch punktlose Saison von Mick Schumacher, der in Monaco einen schweren Unfall produzierte.

Das Ferrari-Team hat eines der besten Autos im Feld und verfügt mit Charles Leclerc über einen hochtalentierten Fahrer, der in der Fahrer­weltmeisterschaft ein gehöriges Wort mitsprechen könnte – wenn denn beim italienischen Traditionsrennstall alles glattlaufen würde. Das tat es in diesem Monat allerdings nicht. Als WM-Führender in den Mai gestartet, verlor Leclerc im weiteren Verlauf ohne Rennsieg seine Spitzenposition an Titelverteidiger Max Verstappen im Red Bull. In Barcelona streikte beim Monegassen in Führung liegend die Power-Unit (Triebwerk), bei seinem Heim-Grand-Prix brachte Ferrari mit einer schlechten Boxenstrategie Leclerc um einen möglichen Sieg. Es nimmt fast schon groteske Züge an, wie Ferrari mit unzähligen Patzern im Moment die WM an Red Bull verschenkt – oder?

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Das Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) hat dem ehemaligen Mercedes-Motor­sport­chef Norbert Haug diese These vorgelegt – und vier weitere. So äußert sich der 69-Jährige, der die Karrieren der jeweils sieben­maligen (Rekord-)Welt­meister Lewis Hamilton und Michael Schumacher von Beginn an begleitete, beide ab dem Juniorenalter gefördert und mit ihnen als Sport­chef erfolg­reich gearbeitet hat, auch über die noch punktlose Saison von Mick Schumacher. Im Mai crashte der 23-Jährige in den Punkten liegend in Miami mit Landsmann Sebastian Vettel. In Monaco warf der Sohn von Michael Schumacher im zweiten Jahr in Folge das Auto weg.

These eins: Es ist schon fast grotesk, wie Ferrari mit unzähligen Patzern im Moment die WM an Red Bull verschenkt.

Haug: „Was Ferrari am Sonntag in Monaco fabrizierte, wird sicher nicht als Sternstunde der Strategie in die Motorsport­geschichte eingehen, eher schon als ein so unnötiger wie selbst fabrizierter Geniestreich.

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Von außen betrachtet scheint es so, dass intern bei Ferrari so viel Druck herrscht, dass man Entscheidungen besonders gut treffen will – wo vollkommen normale Entscheidungen die viel bessere Wahl wären. Ferrari hat sich in Monaco sicher selbst ein Bein gestellt und so einen sicheren Sieg ihres Titelkandidaten Leclerc in einen vierten Platz verwandelt und dessen Rivalen Verstappen ein vollkommen unnötiges und im schlimmsten Fall am Ende womöglich WM-entscheidendes Geschenk gemacht. Es gehört leider zur Geschichte Ferraris, dass solche Patzer immer mal wieder passieren und so ansonsten glänzende Bilanzen torpedieren. Beim nächsten Rennen wird der Druck auf diese Art nicht geringer.“

These zwei: Bekommt Mercedes das Hoppeln des Autos in den Griff, wie in Barcelona geschehen, kann George Russell um die WM mitfahren – Lewis Hamilton in der aktuellen Form aber nicht.

Haug: „Eines nach dem anderen: Ich möchte sehr gern eine Leistungsfähigkeit wie zuletzt bei Hamilton im vorausgegangenen Rennen von Barcelona sehen, bevor über mögliche Mercedes-WM-Titelchancen nachgedacht wird. Fährt ihr Auto perfekt auf der Leistungshöhe von Ferrari und Red Bull oder gar noch besser, haben sowohl Hamilton wie Russell in dieser Saison WM-Titelchancen. Fabriziert die Konkurrenz dann Schnitzer wie Ferrari in Monaco und siegt Mercedes derweil doppelt, ist der WM-Zug noch nicht abgefahren. Allerdings müssen dann alsbald nicht nur Siege, sondern auch Doppelsiege her.“

These drei: Zu viele Unfälle und Fehler: So empfiehlt sich Mick Schumacher nicht für höhere Aufgaben.

Haug: „Zu viel zu schnell zu wollen ist sicher nicht Mick Schumachers Art. Aber in zwei Jahren Monaco hintereinander zweimal zu crashen führt nicht zu einem positiven Ausrufezeichen in den Notizbüchern der Teamchefs, eher schon zu einem Fragezeichen. Mit weniger wird Mick in Zukunft mehr erreichen, zu viel zu pushen führt nie zu Wunsch­resultaten. Mick ist aber intelligent und talentiert genug, um diese Lektion zu lernen. Ich bin sicher, man wird bald Punkteränge von ihm sehen.“

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These vier: Die Budget­obergrenze ist sinnlos, wenn ihretwegen zum Saisonende sieben von zehn Teams die letzten vier Rennen auslassen müssten, wie Red-Bull-Teamchef Christian Horner zuletzt mahnte.

Haug: „Dazu wird es ganz sicher nicht kommen. Ein finanzieller Ausgleich für drastisch gestiegene Transport- und Logistikkosten ist sicher diskutabel, weitere Gelder und etwaige Lockerungen der Budget­obergrenze aber sicher nicht.

Ein Team, das nicht zu Rennen antreten würde, wäre vertragsbrüchig und würde dementsprechend weniger oder gar keine Gelder vom kommerziellen Rechteinhaber bekommen, was ein viel größerer Schaden für die Teamkasse wäre.“

These fünf: Dschidda, Miami, Monaco und in zwei Wochen Baku: Es gibt mittlerweile zu viele Stadtkurse in der Formel 1.

Haug: „Ganz und gar nicht. Im nächsten Jahr wird Las Vegas dazukommen. Wo in den Achtzigerjahren noch auf dem Parkplatz des Cesars-Palace-Hotels gefahren wurde, startet die Formel 1 jetzt mitten in der Stadt, was die positive Weiterentwicklung der Formel 1 bestens beschreibt. Auch Porsche und Audi haben das erkannt und folgen dem Mercedes-Beispiel, das dort erfolgreich und mediengewaltig ununterbrochen schon seit 30 Jahren praktiziert wird. Mittlerweile wird dort vom Konzern kein Geld ausgegeben, sondern welches verdient.“

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