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Ursula Haselböck: ,,MV ist eine riesige Spielwiese"

Seit 2020 ist Haselböck Intendantin der Festspiele MV. Wie sie den ersten Festspielsommer unter „Normalbedingungen" erlebt, verrät sie im OZ-Interview.

Schwerin. Seit September 2020 ist Ursula Haselböck Intendantin der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Für die gebürtige Wienerin ist es der erste Festspielsommer unter ,,Normalbedingungen". Wie er angelaufen ist, was ihr Sorgen bereitet und welche Neuerungen für die Zukunft geplant sind, verrät sie im OZ-Interview.

Nach der Premiere in Neubrandenburg und den ersten Veranstaltungen - wie ist der Festspielsommer bisher angelaufen?

Seit 2020 Intendantin der Festspiele MV: Ursula Haselböck. FOTO: DIETMAR LILIENTHAL

Das Eröffnungswochenende war wirklich grandios. Ich bin noch immer ganz beseelt. Es hat sich gezeigt, dass Emmanuel Tjeknavorian, unser Preisträger in Residence, eine sehr gute Wahl war, weil er alle in seinen Bann gezogen hat. Und das vor einem vollen Saal - das war für mich als Intendantin auch eine Premiere. Auch beim Kinder- und Familienfest in Hasenwinkel waren rund 2000 Leute vor Ort. Die Kinder sind von Bühne zu Bühne getollt. Es war schön zu sehen, dass alles wieder normal funktioniert. Wir hoffen, dass es auch weiter so bleibt.

Gibt es noch Corona-Nachwehen?

Ja, wie alle Veranstalter spüren auch wir eine große Zurückhaltung beim Kartenverkauf. Zurzeit hinken wir 15 bis 20 Prozent hinterher.

Kriegt man das Problem denn irgendwie aufgebrochen?

Wir hoffen sehr, dass wir das noch aufholen. Zum einen, weil die Festspiele zu 50 Prozent über das Ticket finanziert sind. Das ist eine unglaubliche Zahl, die nur funktioniert, wenn das Publikum so in die Konzerte kommt, wie es vor der Pandemie der Fall war. Zum anderen ist die Atmosphäre in einem vollen Saal um vieles schöner. Wir haben gemerkt, dass die Menschen zurzeit sehr spontan agieren und hoffen, dass viele Gäste noch an die Abendkassen kommen. Es gibt ja für alle Konzerte noch Karten.

Welches sind die gefragtesten Veranstaltungen?

Wir haben natürlich gewisse Stars, die immer gut laufen. Dazu gehört Daniel Hope, der jedes Jahr wiederkommt und immer tolle Programme macht. Da ist der Andrang natürlich groß. Auch sehr gefragt sind die Veranstaltungen rund um die Mozartgeige. Aber auch dafür gibt es noch Karten.

Worauf freuen Sie sich privat am meisten?

am meisten? Ich freue mich auf die Konzerte Emmanuel Tjeknavorian, wie das oder Mozartgeigen-Wochenende Beethovens Tripelkonzert mit dem Konzerthausorchester Berlin in Redefin, aber auch auf die neuen Töne des Festivals. Dazu gehören Max Mutzke und Max Herre, die nicht aus dem klassischen Bereich kommen. Ein besonderes Format ist auch das Detect Classic Festival im wunderschönen Schloss Bröllin, bei dem klassische auf elektronische Musik trifft.

Die Kultur ist ja auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wird das genug erkannt?

Das ist immer die Frage. Wir haben während der Corona-Zeit großen Rückhalt vom Land erfahren. Es gab den Schutzfonds für Veranstalter, den wir hätten abrufen können, wenn wir ihn gebraucht hätten. Wir haben es 2020 und 2021 ohne zusätzliche Landesgelder geschafft - 2021 gab es Bundeshilfen. Wenn 2022 das Publikum so zurückkommt, wie wir es erhoffen, werden wir auch dann keine Landesgelder brauchen. Aber es schaut derzeit noch nicht so aus. Das macht mir Sorgen. Deswegen sind wir froh, dieses Sicherheitsnetz zu haben.

Die Festspiele haben sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie sich mit wechselnden Intendanten und Jahren immer wieder ein Stück neu erfunden haben. Gibt es da schon neue Ideen?

Es ist vollkommen klar, dass jeder Intendant neue Ideen mitbringt und einen anderen Geschmack hat. Ich habe meine Intendanz im September 2020 angetreten - also jeder weiß, dass man sich da nicht so austoben konnte, wie man vielleicht möchte.

Da hat sich also einiges angestaut?

Ja (lacht). Dieses Land ist eine riesige Spielwiese, auf der man viel machen kann. Wir wollen die Musik ins ganze Land und zu allen Spielstätten bringen. Ich selbst lerne diese erst nach und nach kennen und bin mir sicher, dass wir schöne Ideen entwickeln. Für das nächste Jahr haben wir ein großes Festival direkt an der Ostsee geplant. Mehr wollen wir noch nicht verraten.

Gibt es Wunschgäste, die Sie gern zu den Festspielen MV holen würden?

Es gibt schon einige große Orchester, die man umwirbt und schaut, dass es auch terminlich klappt. Ich schiele ja auch auf die nicht ganz klassische Ecke und irgendwann werde ich die Band Wanda hier zum Unplugged-Programm bringen. Daran arbeite ich noch (lacht). Andreas Ebel und Stefanie Büssing