Nach antisemitischen Äußerungen

Ein Ende mit Schrecken: Warum die Trennung von Kanye West für Adidas zur Unzeit kommt

Der US-Rapper Kanye West und Adidas gehen getrennte Wege.

Der US-Rapper Kanye West und Adidas gehen getrennte Wege.

Herzogenaurach. Beim weltweit zweitgrößten Sportartikler Adidas ist derzeit einiges zum Davonlaufen. Prognosen werden in Serie nach unten korrigiert. An der Spitze steht mit Kaspar Rorsted ein Konzernchef mit Verfallsdatum und bisher ohne Nachfolger. Jetzt ist der seit Wochen massive Streit mit Kanye West vollends eskaliert: Adidas trennt sich mit sofortiger Wirkung vom US-Rapper, der sich seit einiger Zeit Ye nennt und nun mit antisemitischen Äußerungen das Fass zum Überlaufen gebracht hat. „Adidas duldet keinen Antisemitismus und keine Hassrede“, erklären die Herzogenauracher zum Abschied. Jüngste Äußerungen von Ye seien inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich. Die Partnerschaft mit ihm werde deshalb beendet, was Adidas teuer zu stehen kommt.

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Die Franken stellen die Produktion der gemeinsamen Marke Yeezy ein und stoppen alle Zahlungen an West sowie seine Unternehmen. Weil dessen Produkte bei Konsumenten ungeachtet der verbalen Ausfälle des Musikers und Modeschöpfers gut ankommen und vor allem in einem vorweihnachtlichen Schlussquartal gern gekauft werden, kostet das plötzliche Ende der Partnerschaft die Herzogenauracher bis zu 250 Millionen Euro. Das wirkt sich entsprechend negativ auf den Nettogewinn von Adidas 2022 aus, wie das Unternehmen einräumte. Pro Jahr bringe die Partnerschaft Adidas über eine Milliarde Euro, hatten Experten zuletzt geschätzt, was aber von den Franken nie offiziell bestätigt wurde.

Für Adidas kommt die Trennung von Kanye West zur Unzeit

Die neuerliche Hiobsbotschaft kommt für die Marke mit den drei Streifen zur Unzeit. Gerade erst wurde der mutmaßliche Jahresgewinn wegen schlecht laufender Geschäfte zum dritten Mal in Folge auf nur noch eine halbe Milliarden Euro nach unten korrigiert. Ursprünglich war 2022 ein Profit von 1,8 Milliarden Euro erwartet worden. Nun steht die vierte Gewinnwarnung an. Konkret will sich Adidas am 9. November zur Vorlage von Quartalszahlen dazu äußern.

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Aber am 45-jährigen konnten die Franken nicht mehr festhalten. Zuletzt hatte auch der Zentralrat der Juden in Deutschland Adidas zur sofortigen Trennung von Ye aufgefordert, nachdem dieser unter anderem über die Macht „jüdischer Medien“ schwadroniert und Schlimmeres von sich gegeben hatte. „Die täglich neuen antisemitischen Entgleisungen des Rappers sind für die Jüdinnen und Juden in Deutschland und in aller Welt unerträglich“, sagte Josef Schuster als Präsident des Zentralrats dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Kayne West hat auch schon den Adidas-Chef für tot erklärt

Andere Unternehmen, die mit West eine Partnerschaft eingegangen waren, hatten sich von ihm schon früher getrennt oder ihn wie die sozialen Netzwerke Twitter und Instagram gesperrt. Adidas dagegen hatte die Zusammenarbeit bislang lediglich auf Eis gelegt, obwohl auch der Konzern selbst und seine Manager direkt vom Rapper angegriffen worden waren. Unter anderem hatte er den zwar scheidenden aber sonst noch recht lebendigen Adidas-Chef Rorsted öffentlich für tot erklärt, Adidas des Ideenklaus bezichtigt und angekündigt, die „Dinge“ für Adidas unerträglich zu machen, weil nun „Kriegszeit“ herrsche.

Dabei hatte sich West wohl als unangreifbar gewähnt. „Ich kann antisemitische Dinge sagen und Adidas kann mich nicht fallenlassen“, meinte der Rapper zuletzt. Nun ist es anders gekommen. Eigentlich wäre der 2015 begonnene Kooperationsvertrag zwischen Adidas und West, der ihm dem Vernehmen nach jährlich Hunderte Millionen Euro bringt, noch bis 2026 gelaufen. Wests Ex-Frau Kim Kardashian zufolge hat der Rapper eine bipolare Störung.

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