Branche mit düsterer Konjunkturprognose

„Ärgerlich und unverständlich“: Gebäudereiniger üben scharfe Kritik an Erhöhung der Midijob-Grenze

Die Stimmung in Deutschlands beschäftigungsstärkstem Handwerk, der Gebäudereinigerbranche, ist laut einer Umfrage deutlich eingetrübt. (Symbolbild)

Die Stimmung in Deutschlands beschäftigungsstärkstem Handwerk, der Gebäudereinigerbranche, ist laut einer Umfrage deutlich eingetrübt. (Symbolbild)

Hannover/Berlin. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) hat mit scharfer Kritik auf die vom Bundeskabinett beschlossene Anhebung der Midijob-Grenze reagiert. „Dieser Schritt trifft die Gebäude­reinigung als Handwerk mit großer Teilzeitquote besonders hart“, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Dietrich dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Während Beschäftigte mit einem Gehalt zwischen 520 und 2000 Euro im Monat künftig entlastet würden, lege die Bundesregierung nun die Kosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro in Form höherer Sozialversicherungsbeiträge auf die Unternehmen um.

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Angesichts der aktuell „historischen Krisenzeiten“, sei es „besonders ärgerlich und unverständlich“, dass die Bundesregierung nun noch „zusätzliche Kosten und Bürokratiebelastungen für die Unternehmen initiiert“, monierte Dietrich weiter. Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch die Anhebung der Obergrenze für soge­nannte Midijobs auf eine Verdienstgrenze von maximal 2000 Euro monatlich beschlossen. Derzeit sind es 1600 Euro. Dies war Teil des dritten Entlastungspakets der Ampelkoalition.

Kostensteigerungen belasten Betriebe

Der BIV‑Vorsitzende nahm in seiner Kritik auch Bezug auf eine Herbstkonjunkturumfrage des Branchen­dachverbands unter ihren 2500 Mitgliedsbetrieben, deren Ergebnisse dem RND exklusiv vorliegen. Diese zeigen, dass sich im Gebäudereiniger-Handwerk die Umsatzerwartungen für das Geschäftsjahr 2022 im Laufe der vergangenen Monate deutlich verschlechtert haben. Grund dafür sind die vielfältigen Kostensteigerungen infolge des russischen Angriffskrieges.

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Während bei einer Umfrage im Frühjahr noch 21,3 Prozent der Betriebe mit sinkenden Umsätzen in diesem Jahr rechneten, gehen inzwischen 38,5 Prozent davon aus. Ein Plus von 17,2 Prozent. Lediglich 31,3 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen, im Frühjahr waren es noch 46 Prozent. Noch düsterer gestaltet sich bei den Betrieben die Prognose für 2023. 38,8 Prozent erwarten einen Umsatzrückgang, lediglich 28,2 Prozent glauben an eine positive Geschäftsentwicklung.

Vor allem die Preisexplosionen in vielen Bereichen um bis zu 30 Prozent empfinden die Betriebe als großen Druckfaktor. Auf einer „Belastungsskala“ (1 bis 10) bewerteten die Unternehmen die teils deutlichen Kostensteigerungen – etwa für Berufskleidung, Reinigungsmaschinen, chemische Produkte, Abfallsäcke oder Hygieneartikel – im Durchschnitt mit einer 7,6. Die steigenden Energiepreise wurden mit einer ähnlich hohen 7,4 bewertet (7,3 im Frühjahr), die Erhöhung der Midijob-Grenze mit 7,0.

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Personalmangel trifft Branche besonders hart

Schwerer wiegt für die Betriebe nur die sich weiter verschärfende Personalknappheit. Im Durchschnitt bewerteten die Unternehmen das Problem mit einer hohen 9,2 auf der „Belastungsskala“. Wie der BIV mitteilt, gaben fast 92 Prozent der Umfrageteilnehmenden an, dass sie akut Beschäftigte suchen und Bewerbern sofort einen Arbeitsplatz anbieten könnten. Im Frühjahr lag dieser Wert noch 3 Prozentpunkte niedriger.

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Mit knapp 700.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelten die Gebäudereiniger als die beschäftigungs­stärkste Handwerksbranche Deutschlands. Der BIV vertritt als Arbeitgeber- und Dachverband die Interessen der knapp 2500 Mitgliedsbetriebe. Diese repräsentieren nach eigenen Angaben rund 85 Prozent des Marktes. An der Online durchgeführten Herbstumfrage haben sich im Zeitraum vom 20. September bis 3. Oktober 2022 deutschlandweit mehr als 430 BIV-Mitgliedsunternehmen beteiligt.

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