Dax 40: Airbus, Porsche, Zalando, Hello Fresh – wer steigt in die erste deutsche Börsenliga auf?

Die Dax-Anzeige im Frankfurter Börsensaal muss verlängert werden.

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Hannover. Der Countdown für den neuen Dax läuft. Am 3. September, einem Freitag, will die Deutsche Börse bekannt geben, welche Unternehmen zusätzlich in die erste Aktienliga aufsteigen. Es wird spät werden, denn vor der Bekanntgabe müssen erst einmal die Börsen in den USA geschlossen haben. Wer darf sich in Zukunft mit dem prestigeträchtigen, aber auch lästigen Etikett „Dax-Konzern“ schmücken?

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Wirecard zwang zum Handeln

Der Wirecard-Skandal zwang die Börse vor gut einem Jahr, sich Gedanken über ihr Aushängeschild zu machen. Der Zahlungsdienstleister war pleite, stand unter Betrugsverdacht und war nach seinem Kurssturz an der Börse nicht mehr viel wert – trug aber noch wochenlang weiter den Titel „Dax-Konzern“. Nach den bisherigen Regeln konnte man die Aktie nicht einfach von heute auf morgen hinauswerfen.

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Großanleger in der Zwickmühle

Das beschädigte nicht nur das sorgsam gepflegte Image des Deutschen Aktienindex, sondern brachte viele Großanleger in die Zwickmühle: Sie waren gezwungen, in ein Zockerpapier zu investieren. Denn viele Aktienfonds orientieren sich an einem bestimmten Index wie dem Dax oder bilden ihn komplett ab. Ist dort ein Skandalunternehmen wie Wirecard gelistet, haben sie keine Wahl: Auch diese Aktie bestimmt über Erfolg und Misserfolg des Fonds.

So wuchs der Druck auf die Deutsche Börse, und nach einigem Zögern legte sie im vergangenen Herbst einen Reformplan auf den Tisch. Einige neue Vorschriften sollen mehr Qualität garantieren – zum Beispiel die Vorgabe, dass Dax-Kandidaten in den vorangegangenen Geschäftsjahren operativ Gewinn gemacht haben müssen. Vor allem aber wird die erste Liga von 30 auf 40 Unternehmen aufgestockt.

Der Wert des Free Float entscheidet

Das Kriterium dafür ist simpel: Es wird täglich für jedes Unternehmen der Wert seiner Aktien zum aktuellen Kurs zusammen­gezählt – das ergibt die Marktkapitalisierung. So geschieht es seit Montag und dauert vier Wochen lang. Gezählt werden allerdings nur Aktien, die tatsächlich frei handelbar sind – der sogenannte Streubesitz oder Free Float. Was sich bei Groß­aktionären in festen Händen befindet, spielt bei dieser Rechnung keine Rolle.

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Seit Monaten rechnen die Profis hin und her, wer nach diesem Kriterium wohl zum künftigen Dax 40 gehören wird. Nach einer am Montag veröffentlichten Analyse sind sich die Experten der Commerzbank bei den meisten Aufsteigern relativ sicher: Airbus und Zalando, Siemens Healthineers (Medizintechnik), Symrise (Aromen), Hello Fresh (Kochboxen), Sartorius (Laborausrüstung), Brenntag (Chemiehandel) und die Porsche-Automobil-Holding SE (VW-Mehrheitsaktionär) rangierten beim aktuellen Kurs unter den 33 wertvollsten Unternehmen.

Eine „gute Chance” habe außerdem der Sportartikelkonzern Puma. Einige Experten sehen auch den Versicherungskonzern Hannover Rück noch im Rennen.

Covestros Platz wackelt

Für abstiegsgefährdet hält das Team um den Analysten Achim Matzke dagegen den aktuellen Dax-Wert Covestro (Chemie). Qiagen (Biotechnologie) könnte den Platz einnehmen, aber auch LEG Immobilien und Beiersdorf wird der Aufstieg aus dem M-Dax zugetraut. Der Hamburger Nivea-Konzern wäre damit nach wenigen Monaten zurück in der Börsenelite.

Schon bald nach der Reform sind allerdings die nächsten Änderungen absehbar: Gelingt die Fusion der beiden Dax-Konzerne Vonovia und Deutsche Wohnen, wird bald wieder ein Platz im Index frei. Bewerben könnte sich ein Lkw-Hersteller: Wenn Daimler wie geplant seine Trucksparte eigenständig an die Börse bringt, dürfte sie Dax-Format haben.

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Die Aufstiegskandidaten sind gefragt

Das Aufstiegsspiel beeinflusst schon jetzt die Kurse, denn viele am Dax orientierte Fonds müssen sich mit den neuen Werten eindecken. Die zehn potenziellen Aufsteiger aus dem M-Dax hätten mit ihrer guten Kursentwicklung maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der M-Dax in den vergangenen Wochen besser entwickelte als der Dax, heißt es in der Commerzbank-Analyse.

„Diese Prozesse sorgen bereits jetzt dafür, dass sich aktuell sechs der zehn Dax-40-Aufnahmekandidaten in technischen Neubewertungen mit neuen All-Time-Highs befinden.“ Vor allem beim Luftfahrtkonzern Airbus, der unter den Kandidaten das größte Gewicht hat, war die Nachfrage stark. Die Puma-Aktie sahen die Analysten zuletzt sogar im „olympischen Sprint“.

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