Ausbau der Erneuerbaren

Windenergie: Deutschland ist nur noch Mittelmaß

24.09.2022, Mecklenburg-Vorpommern, Renzow: Windräder drehen sich vor Sonnenaufgang und werden von roten Warnleuchten markiert. Anders als Schleswig-Holstein will Mecklenburg-Vorpommern die Planungen für einen Windkraftausbau nicht zentralisieren. Auch wenn drei der vier regionalen Planungsverbände bislang keine neuen Gebiete für Windparks ausgewiesen hätten, solle die Zuständigkeit laut Wirtschaftsministerium dort bleiben. Foto: Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

24.09.2022, Mecklenburg-Vorpommern, Renzow: Windräder drehen sich vor Sonnenaufgang und werden von roten Warnleuchten markiert. Anders als Schleswig-Holstein will Mecklenburg-Vorpommern die Planungen für einen Windkraftausbau nicht zentralisieren. Auch wenn drei der vier regionalen Planungsverbände bislang keine neuen Gebiete für Windparks ausgewiesen hätten, solle die Zuständigkeit laut Wirtschaftsministerium dort bleiben. Foto: Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Frankfurt am Main. Deutschland präsentiert sich gerne als Vorreiter beim Ausbau der Erneuerbaren. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar, dass die Ambitionen hierzulande eher mittelmäßig ausfallen – zumindest bei der Windenergie. Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Der Finanzexperte Markus Demary hat analysiert, wie stark in den verschiedenen Ländern der Union die EU-Förderinstrumente genutzt werden. Dies hat er in Relation zur Wirtschaftsleistung der jeweiligen Staaten gesetzt.

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Deutschland landet auf Platz neun von 16 untersuchten Ländern. Die Förderung durch EU-Instrumente ist ein guter Indikator für das Engagement bei den Erneuerbaren, da Investitionen in die Energiewende nicht nur wegen des enormen Einsatzes von Kapital komplex sind. Hinzu kommt, dass es bei vielen dieser Vorhaben eine „hohe Risikostruktur“ gebe, so Demary.

Deshalb werden Garantiegeber benötigt, um privates Geld zu mobilisieren. Diese Funktion haben der Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI) und sein Nachfolger Invest EU. Deren Garantien für Kredite verschieben die Risikoaufteilung zugunsten der privaten Investoren. Förderdarlehen für erneuerbare Projekte werden zudem durch die Europäische Investitionsbank (EIB) vergeben.

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Heimliche Reserve: Ökostromkonto birgt Milliarden

Auf einem Konto zur Förderung erneuerbarer Energien haben sich 17 Milliarden Euro angehäuft.

Hierzulande wurden bislang EIB-Kredite in Höhe von fast 2,2 Milliarden Euro verteilt – zur Finanzierung von sechs Windparks. Weitere öffentliche und private Geldgeber kamen hinzu. „Trotz der hohen Volumina werden in Deutschland für die Finanzierung von Windparks nur durchschnittlich hohe Volumina an europäischen Mitteln gemessen an der Wirtschaftsleistung Deutschlands abgerufen“, schreibt Demary in seiner Studie.

Weniger Atom-, dafür mehr Windkraft

Die Finanzierungsbeiträge der EIB für die Windparks machen nur 0,06 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Der Durchschnittswert liegt mit 0,07 Prozent sogar leicht darüber. Spitzenreiter – und damit eine Art Europameister – ist Belgien. Für drei Windparks wurde eine Fördersumme von insgesamt 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Das macht 0,3 Prozent des belgischen BIP aus. „Die hohen Ambitionen in Belgien für den Ausbau der Windkraft können auch auf den geplanten Atomausstieg zurückzuführen sein sowie das Ziel, bis 2050 vollständig auf fossile Energie zu verzichten“, schreibt Demary.

Der IW-Experte sieht auch für Österreich die „ambitionierten Klimaziele“ als Ursache für die starke Nachfrage nach der Unterstützung durch den EFSI. Die genutzte Unterstützung durch die EU macht 0,2 Prozent des BIP der Alpenrepublik aus. Noch etwas besser – mit 0,28 Prozent – schneidet das kleine EU-Mitglied Zypern ab. Die EU-Hilfe hat dazu beigetragen, dass auf dem Berg Orites ein Windpark errichtet wurde – mit 65 Millionen Euro von der EIB.

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Wenig Ambitionen in Frankreich

Eher schwach präsentieren sich die EU-Größen Frankreich und Italien – mit einem Wert von jeweils 0,04 Prozent. „Ein möglicher Grund für die unterdurchschnittliche Nutzung von europäischen Fördermitteln ist, dass der Schwerpunkt der Energiegewinnung in Frankreich eher auf dem Einsatz von Kernkraft liegt“, so Demary. Das Schlusslicht mit 0,03 Prozent ist Polen.

Demary räumt ein, dass die Nutzung der EU-Förderung natürlich auch mit den jeweiligen Windverhältnissen in einzelnen Regionen zu tun hat. Aber: „Nicht zu vernachlässigen sind die unterschiedlichen politischem Bestrebungen hin zu einer Energiewende, die in Belgien und Österreich deutlich ambitionierter als in Frankreich sind“, betont der IW-Experte.

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