Die Deutsche Bank verlässt das Tal der Tränen

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

Hannover. Die Deutsche Bank macht wieder Milliardengewinne. Im vergangenen Jahr verdiente der Konzern so viel wie seit zehn Jahren nicht – und mehr, als die meisten Experten erwartet hatten. Auch für die Aktionäre markiert das Ergebnis das Ende einer Durststrecke: Nach zwei Nullrunden sollen sie für das vergangene Jahr 20 Cent pro Aktie bekommen. Der Vorstandschef glaubt nun an Aufbruch. „Aus der Abwärts- ist eine Aufwärtsspirale geworden“, sagte Christian Sewing.

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Der Weg nach ganz oben ist allerdings noch weit. In Europa sind Institute wie die französische BNP Paribas oder die spanische Banco Santander dem deutschen Konkurrenten voraus, und die Geldhäuser in den USA spielen ohnehin in einer anderen Liga. Die Deutsche Bank kommt gerade erst aus dem Tal der Tränen: Von den vergangenen zehn Jahren brachten vier Verlust, insgesamt in zweistelliger Milliardenhöhe. Die Gewinne dazwischen hatten meist nur symbolischen Wert.

Der 2018 an die Spitze gerückte Sewing hat Tausende Stellen abgebaut, auch sonst die Kosten gedrückt und Geschäftsfelder neu ausgerichtet. Nun berichtet er von Verbesserungen in allen vier Geschäftsbereichen. Sowohl das Privat- und Firmenkundengeschäft als auch das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung mit der konzerneigenen Fondsgesellschaft DWS hätten die Erträge gesteigert. Der Abbau von Altlasten gehe schneller voran als geplant, die Kapitalausstattung habe sich verbessert.

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Investmentbanking bringt das Geld

Allerdings kommt mehr als die Hälfte des Gewinns weiterhin vom Investmentbanking, das im Konzern eigentlich an Bedeutung verlieren soll. Indirekt wirkten zudem die Corona-Hilfen des Staates: Es gab bisher durch die Pandemie weniger Firmenpleiten als befürchtet und damit auch weniger Kreditausfälle. Insgesamt hat der Konzern seinen Nettogewinn im vergangenen Jahr auf 2,5 Milliarden Euro vervierfacht.

Konzernchef Christian Sewing.

Konzernchef Christian Sewing.

Neben Dividende gibt es einen Aktienrückkauf

Neben der Dividende sollen die Aktionäre auch auf anderem Weg profitieren: Die Bank will an der Börse eigene Aktien für 300 Millionen Euro aufkaufen, was den Wert der verbleibenden Papiere steigert. Vor Steuern verdiente das Institut 3,4 Milliarden Euro, mehr war es zuletzt 2011. In den Jahren davor hatte die Deutsche Bank zwar durchaus das Doppelte geschafft – aber nicht selten mit fragwürdigen Geschäften. Den Preis dafür zahlte sie später in Form von Milliardenstrafen für Rechtsverstöße im Investmentbanking.

Steigende Zinsen helfen

Dieses Kapitel will Sewing nun endgültig hinter sich lassen. „2022 ist das Jahr, in dem wir dem Markt endgültig beweisen können, dass wir nachhaltig profitabel sind“, schrieb Sewing an die Mitarbeiter. Helfen könnten dabei steigende Zinsen, die den Banken das Geldverdienen leichter machen. Deshalb haben sich die Kurse vieler Bankaktien deutlich erholt, seit vor allem die US-Notenbank Fed auf steigende Zinsen zusteuert.

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Aus dem gleichen Grund könnte das Geschäft an anderer Stelle aber schrumpfen: Die lukrativsten Zeiten an den Kapitalmärkten sind wohl vorerst vorbei, der Investmentbank fiele das Geldverdienen damit schwerer. Dennoch hält Sewing die Renditeziele weiter für erreichbar. Viele Experten haben das bezweifelt. Die positive Überraschung ließ den Kurs der Deutschen Bank in einem insgesamt schwachen Markt um rund 5 Prozent steigen.

Wir investieren gezielt in unser Geschäft und haben mehr Geld für unsere variable Vergütung zurückgestellt.

Christian Sewing

, CEO Deutsche Bank

Um seine Leute nach den dürren Jahren bei der Stange zu halten, hat Sewing offenbar bei den Erfolgsboni nachgelegt. „Wir investieren gezielt in unser Geschäft und haben mehr Geld für unsere variable Vergütung zurückgestellt“, schreibt er an die Beschäftigten. „Damit reagieren wir auch auf die aktuelle Gehaltsentwicklung in einigen stark umkämpften Bereichen, in denen sich der Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte erheblich verschärft hat.“

Wachstumsmarkt Nachhaltigkeit

Für dieses Jahr steht noch einmal die Verbesserung der Ertragslage im Strategieplan, von 2023 an wieder Wachstum. Ein Thema dürften dabei auch „grüne“ Geldanlagen sein. Das sogenannte ESG-Segment, wo Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung berücksichtigt werden, wachse rapide. „Zum Jahresende hatten wir 157 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen und Anlagen ermöglicht“, schreibt Sewing. In diesem Jahr sollen es 200 Milliarden werden.

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Rückstand bei Digitalisierung

Abseits der Erfolgsmeldungen steckt die Deutsche Bank allerdings im gleichen Dilemma wie viele traditionelle Finanzhäuser: Sie sind im Rückstand bei der Digitalisierung des Geldgeschäfts. Während junge Finanzunternehmen, so genannte Fintechs, mit viel Geld neue Plattformen aufbauen, müssen die Platzhirsche ihre Verlustjahre verdauen und weiter sparen. Wie er sich die Zukunft des Instituts in den Umwälzungen der Branche vorstellt, will Sewing bei einem Investorentag im März erklären.

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