Die US-Notenbank führt vor, wie das mit der Zinswende geht

Leitet die mächtigste Notenbank der Welt: Jerome Powell.

Skeptisch: Jerome Powell leitet die mächtigste Notenbank der Welt.

Frankfurt. Das war am Donnerstag nicht der befürchtete Tsunami, sondern bestenfalls ein laues Lüftchen an den Finanzmärkten – nachdem Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, Zinserhöhungen angekündigt hatte.

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Der Deutsche Aktienindex (Dax) drehte nach einem schwachen Start am Nachmittag ins Plus. Unter anderem der überraschend hohe Gewinn der Deutschen Bank stabilisierte das wichtigste hiesige Börsenbarometer. Hinzu kamen Meldungen über ein US-Wirtschaftswachstum, das über den Erwartungen lag.

Gut eine Woche lang hatte die anstehende Fed-Entscheidung für ein heftiges Auf und Ab an den Börsen gesorgt. Analysten hatten befürchtet, dass die Notenbank panikartig die Leitzinsen erhöht, wodurch Aktien für Anleger schlagartig an Attraktivität verloren hätten. Fed-Chef Jerome Powell hat am Mittwochabend aber angekündigt, dass eine Erhöhung der Leitzinsen – die erste seit Beginn der Pandemie – „bald angemessen“ sei. Sie wird nun von Experten für Mitte März erwartet, und zwar von nahe null auf bis zu 0,5 Prozent.

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Ein weiteres Drehen an der Zinsschraube schließt er nicht aus, betonte aber zugleich, dass er einen „genauen Zinspfad“ nicht vor Augen habe. Beobachter werteten dies als ein „Fahren auf Sicht“, was im Extremfall auf eine Erhöhung in fünf Schritten auf bis zu 2,5 Prozent führen könnte.

Anzeichen für schrumpfende Inflation

Doch ob es so weit kommt, wird vielfach bezweifelt. Die hohe Inflation als maßgeblicher Grund für Zinserhöhungen werde im Laufe des Jahres verschwinden, weil sich die Lieferengpässe in der Industrie auflösen würden, sagte Seema Shah von Principal Global Investors.

Ähnlich argumentiert Geraldine Sundstrom vom Vermögensverwalter Pimco, der zum Versicherungskonzern Allianz gehört: Staatliche Hilfe- und Konjunkturprogramme würden in den USA bald auslaufen, die Nachfrage der Konsumenten sinke eben wegen der hohen Preise, ferner werde die bereits eingeleitete Straffung der Geldpolitik wirken – so wollen Fed und Europäische Zentralbank (EZB) ihre Kaufprogramme für Anleihen zurückfahren.

Zudem würden im Laufe des Jahres in den USA Basiseffekte wirken, die die Inflation drücken. Das wird für Deutschland schon für den Januar erwartet. Die Dezemberinflation von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war noch geprägt von der Mehrwertsteuersenkung, die Ende 2020 aber auslief. Deshalb wird es bei den Preisen für Januar 2022 ein höheres Ausgangsniveau im Vergleich zum Januar 2021 geben.

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Kleine Schritte der EU

Auch die EZB gibt sich beim Thema Inflation optimistisch. Chefvolkswirt Philip Lane sagte gerade in einem Interview: Zwar gebe es Risiken wegen Omikron, und die Ukraine-Krise treibe die Energiepreise in die Höhe. Dennoch werde die Inflationsrate im Laufe des Jahres sinken und sich wieder dem Zielwert von 2 Prozent nähern – im Dezember waren es noch 5 Prozent gewesen. Lane sieht vor allem keine Gefahr für eine Lohn-Preis-Spirale, wie sie sich in den USA in Gang gesetzt hat. Dafür seien die Lohnanstiege in der Eurozone zu gering.

Die nächste Zinssitzung des EZB-Rats ist für nächsten Donnerstag, 3. Februar, geplant. Laut Finanzdienst Bloomberg wird von den Akteuren am Finanzmarkt derzeit nur ein kleiner Schritt erwartet. Nämlich eine leichte Anhebung des Satzes für Geld, das Banken kurzfristig bei der EZB parken. Derzeit muss dafür ein Negativzins von minus 0,5 Prozent quasi als Gebühr gezahlt werden.

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