RND-Kolumne „Börsen­woche“

Drei Deals auf einmal: Warren Buffett meldet sich zurück

Seit mehr als 60 Jahren ist Warren Buffett als Investor unterwegs.

Seit mehr als 60 Jahren ist Warren Buffett als Investor unterwegs.

Er hat lange gewartet. Stoisch hielt Warren Buffett in den vergangenen Jahren sein Geld zusammen. Unternehmen seien zu teuer, beantwortete der 91-Jährige die immer lauter werdenden Fragen. Buffett sei einfach alt geworden, das Börsen­geschehen und mancher Technologie­trend an ihm vorbei­gegangen, meinten dagegen Kritiker. Und Geschäfts­partner Charlie Munger, der als der risiko­bereitere gilt, stichelte einmal, Buffett könne „einfach auf seinen Händen sitzen und nichts tun, wenn die Preise nicht stimmen. Darin ist er sehr gut“.

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Investition in vertrautes Geschäft

Nun hat das zusammen 189-jährige Milliardärsduo gleich drei Deals auf einen Schlag geliefert. Über ihre Holding Berkshire Hathaway haben sie Aktien­pakete des Ölkonzerns Occidental und des PC- und Drucker­herstellers HP für insgesamt 10 Milliarden Dollar gekauft. Für weitere 11,6 Milliarden übernehmen sie den US-Konzern Alleghany, eine Holding nach dem Berkshire-Muster: Versicherung mit bunt gemischten Beteiligungen.

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Stimmen sie also plötzlich, die Preise? Eigentlich nicht, zumal die Korrektur an der US-Börse noch viel bescheidener ausgefallen ist als in Europa. Aber Buffett hat auch nicht auf die berühmten „Einstiegs­kurse“ gewartet. Bei Occidental, zum Beispiel, wäre er vor einigen Wochen deutlich billiger zum Zug gekommen. Aber da hatte sich der Ölpreis auch noch nicht jenseits der 100 Dollar etabliert. Alleghany wiederum dürfte von der Zinswende profitieren und war gemessen am Buchwert günstig zu haben.

Kritiker wagen die Majestäts­beleidigung

Die alten Herren haben sich zurück­gemeldet. Das war allerdings auch Zeit, denn wer mit seinen Milliarden nichts anzufangen weiß, kann schwerlich als „Investoren­legende“ gelten. Der Ruf hat durchaus gelitten, zuletzt wagten andere große Investoren sogar die Majestäts­beleidigung: Buffett müsse seine seit Jahrzehnten praktizierte Doppel­rolle als CEO und Chairman bei Berkshire Hathaway aufgeben, forderten sie.

Jetzt wird Buffett seinem Ruf als Value-Investor gerecht – als einer, der auf den Substanz­wert achtet und über die lange Strecke geht. Ganz klein im Hinter­kopf hatte er aber vielleicht auch die Ultra­kurz­strecke bis zum nächsten Samstag. In einer Woche hat Berkshire Hathaway nämlich Haupt­versammlung – nach coronabedingter Pause wieder live in Omaha. Über die Jahre ist daraus ein schräges Kapitalisten­happening geworden, und jetzt kann der Star seiner Fangemeinde – und seinen Kritikern – auch noch drei frische Trophäen präsentieren.

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