Ende der Schlacht um Zooplus: Online­händler für Tierfutter geht an Duo

Zwergkaninchen am Futternapf (Symbolfoto).

Zwergkaninchen am Futternapf (Symbolfoto).

München. Es ist eine kostspielige Bieter­schlacht mit überraschendem Ende. Mit den beiden Finanzinvestoren Hellman & Friedman aus den USA und EQT aus Schweden haben zwei Schwer­gewichte ihrer Zunft die Hand nach dem Münchner Online-Tierbedarfshändler Zooplus ausgestreckt und sich in den vergangenen Wochen ein spannendes Wettbieten geliefert.

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Rund 3 Milliarden Euro hatte der US-Interessent Mitte August für das 1999 gegründete Jung­unternehmen geboten. Dann traten die Konkurrenten KKR und EQT auf den Plan, wobei KKR bald preis­bedingt die Segel streichen musste. Nun liegt ein finales Angebot vor, das Zooplus mit 3,7 Milliarden Euro bewertet. Der Sieger ist nicht H & F oder EQT sondern ein seltenes Duett aus beiden Finanz­investoren.

Damit habe man eine Pattsituation aufgelöst, erklärten die Rivalen, aus denen Partner wurden. 480 Euro bietet H & F pro Zooplus-Papier nun und damit 10 Euro mehr als zuletzt. Nach Vollzug eines erfolgreichen Übernahme­angebots werde aber EQT als gemein­schaftlich kontrollierender Partner dem Übernahme­prozess beitreten, erklärte Zooplus in einer Börsen­mitteilung. H & F sowie EQT werden Zooplus paritätisch übernehmen, heißt es hinter den Kulissen. Es könnte nun alles sehr schnell gehen.

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Denn Vorstand und Aufsichtsrat von Zooplus werben bei den jetzigen Eignern für eine Annahme der Offerte, die einen satten Aufschlag von 85 Prozent auf den Kurs der Aktie vor Beginn des Übernahme­pokers bedeutet. „Angesichts des signifikanten Wertzuwachses für unsere Aktionäre, der komplementären Expertise beider Partner sowie ihrer finanziellen und strategischen Verpflichtungen für das Unternehmen bekräftigen wir unsere Empfehlung, das Angebot anzunehmen“, erklärte Zooplus-Chef Cornelius Patt.

Zooplus will der Börse den Rücken kehren

Schon im ersten Anlauf hatte sich H & F unwiderrufliche Andienungs­verpflich­tungen für rund 17 Prozent der Zooplus-Aktien gesichert. Auch damals hatten der Vorstand unter Patt und der Aufsichtsrat für die Übernahme votiert. Schließlich war es das Zooplus-Management selbst, das einen potenten Käufer für das eigene Unternehmen gesucht hatte, um Abschied von der Börse nehmen zu können. Letzteres ist auch das erklärte Ziel von H & F sowie EQT.

Denn Zooplus plant starkes Wachstum, was viel Geld kostet. Man plane mit zusätzlicher Finanzkraft der beiden Finanzinvestoren nun substantielle Investitionen in digitale Exzellenz, Logistik sowie größere Service- und Produkt­angebote, erklärt das Zooplus-Management. Das werde sich nachteilig auf die kurz- und mittelfristige Profita­bilität auswirken.

Würde Zooplus mit der Strategie an der Börse bleiben, würde das unweigerlich den Aktienkurs unter Druck setzen. Teile des Gewinns müssten zudem für eine Dividende reserviert bleiben. Führt das Investoren­duo nun die Übernahme erfolgreich zu Ende, müssten auf solche Bedürfnisse keine Rücksicht mehr genommen werden. Alles Geld könnte in Wachstum fließen.

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Derzeit ist Zooplus europaweit die Nummer eins im Onlinehandel mit Tierbedarf. Insgesamt gesehen liegt aber Konkurrent Fressnapf, der vor allem im stationären Geschäft stark ist, noch vor den Münchnern. Rechnerisch kommt Zooplus in einem europaweit 28 bis 29 Milliarden Euro umfassenden Gesamtmarkt für Tierbedarf mit im Vorjahr gut 1,8 Milliarden Euro Umsatz auf etwa 7 Prozent Marktanteil, den gut 800 Beschäftigte erwirtschaftet haben.

Für das laufende Jahr sind gut 2 Milliarden Euro Erlös geplant. Die familiengeführte Fressnapf-Gruppe aus Krefeld mit ihren europaweit knapp 1700 Läden und rund 12.000 Beschäftigten hat 2020 etwa 2,7 Milliarden Euro umgesetzt.

Der Markt ist noch relativ zersplittert

Mit den beiden Finanz­investoren im Rücken könnten sich die Gewichte aber nun in Richtung Zooplus verschieben. Der Augenblick zu forcierter Expansion ist günstig. Zum einen ist der Markt noch relativ zersplittert. Zum andern hat die Corona-Krise dafür gesorgt, dass sich viele Menschen vor allem Hunde als Seelen­tröster neu angeschafft haben. Menschen sind ihren Vierbeinern zudem vielfach treuer als menschlichen Partnern, was für verlässliche Umsätze mit Tierfutter und Zubehör sorgt.

Bestehende Zooplus-Aktionäre müssen sich nun bis 3. November entscheiden, ob sie das Kaufangebot annehmen. Die beiden Investoren wollen mindestens die Hälfte der Anteile plus eine Aktie haben. Andernfalls erlischt ihre Kaufofferte. Die Börse spekuliert aber offenkundig auf ein Gelingen der Übernahme. Auch Analysten erwarten das. Der Preis der Zooplus-Aktie blieb als Reaktion auf das gemeinsame Vorgehen der Finanz­investoren knapp unterhalb der von ihnen gebotenen 480 Euro je Zooplus-Papier, was diese Sicht stützt.

RND

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