Energiewirtschaft optimistisch

Im Juni wurde gut ein Viertel weniger Gas verbraucht – Potenzial für weitere Einsparungen

Ein Gaszähler zeigt den Verbrauch eines Mehrfamilienhauses an (Symbolbild).

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Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasser­wirtschaft (BDEW) wurde in Deutschland im Juni gut ein Viertel weniger Gas verbraucht als im Vorjahresmonat.

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„Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2022 mit 497 Milliarden Kilowattstunden 14,7 Prozent weniger Erdgas verbraucht als im Vorjahreszeitraum“, schreibt der BDEW in einer Mitteilung auf seiner Internetseite. Besonders deutlich sei der Rückgang im Juni gewesen, heißt es weiter. In jenem Monat sei der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 22,6 Prozent zurückgegangen.

Gasumlage soll zunächst 2,419 Cent pro Kilowattstunde betragen

Privathaushalte müssen sich auf Mehrkosten von mehreren Hundert Euro für ihren Gasverbrauch einstellen.

Der Verband führt die geringere Nachfrage vor allem gesteigerte Preise zurück, aber auch „die wirtschaftliche Eintrübung oder persönlich motivierte Einspareffekte“ könnten ihren Teil dazu beigetragen haben. Zudem sei bereits seit Mitte 2021 weniger Gas zu Strom­erzeugung verbraucht worden, im ersten Halbjahr 2022 hätten Gaskraftwerke gut 12 Prozent weniger Strom generiert.

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Im Juli stieg die Gasverstromung

Im Juli jedoch ist deutlich mehr Strom von Gaskraftwerken produziert worden als im Vorjahresmonat. Lag die erzeugte Strommenge im Juli 2021 bei 3558 Gigawattstunden, waren es ein Jahr später 4036 Gigawattstunden. Das ist ein Plus von 13,5 Prozent, wie aus dem Strommarkt-Datenportal Smard der Bundes­netz­agentur hervorgeht.

„Um gut durch den Winter zu kommen, ist es wichtig, den Gasverbrauch weiter zu senken und den restlichen Sommer über die Gasspeicher so weit wie möglich zu füllen“, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Haupt­geschäfts­führung, laut der Mitteilung. In beinahe jedem Haushalt ließen sich noch immer Maßnahmen ergreifen, um den Gasverbrauch zu mindern. So könne man etwa das Befüllen der Badewanne vermeiden, kürzer duschen und die Heizung professionell überprüfen lassen.

BDEW fordert Senkung der Mehr­wert­steuer für Energie

Angesichts der explodierenden Energiepreise fordert die Energie­wirtschaft eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas und Strom. Die Abgabe auf den Gas- und Strompreis solle ab dem 1. Januar 2023 von 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von 7 Prozent gesenkt werden, heißt es in einem Papier des BDEW, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der ermäßigte Satz solle zunächst für mindestens zwei Jahre gelten, heißt es in dem Papier.

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„Steigende Preise für Gas und Strom aufgrund höherer Beschaffungs­kosten belasten Haushalte und Unternehmen und machen – neben direkten Entlastungen von insbesondere einkommens­schwachen Haushalten – Instrumente mit einer preis­dämpfenden Wirkung unabdingbar“, sagte Andreae.

Die Streichung der EEG-Umlage habe seit Juli 2022 eine gewisse dämpfende Wirkung beim Strompreis erreichen können. Aufgrund der immer weiter steigenden Beschaffungs­kosten seien aber weitere Preis­steigerungen die Folge, die die Senkung weiterer staatlich induzierter Elemente erforderlich machen. „Dies gilt sowohl für den Strompreis als auch insbesondere für den Gaspreis, da neben den enorm gestiegenen Beschaffungs­kosten auch mit der Gasbeschaffungs- und der Gas­speicher­umlage weitere stark ansteigende Preise zu erwarten sind“, sagte sie.

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Debatte um Übergewinnsteuer

Auch eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne steht noch immer zur Diskussion. Laut einer Studie im Auftrag der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung könnte der Staat zwischen 30 und 100 Milliarden Euro jährlich damit einnehmen. Die Macher der Analyse gehen davon aus, dass Konzerne der Gas-, Öl- und Strombranche in Deutschland auf das Jahr gerechnet bis zu 110 Milliarden Euro Übergewinn erzielen.

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„Eine Übergewinnsteuer ist überfällig. Die Studie gibt Zahlen und Argumente für ihre Einführung an die Hand. Wir erleben enorme Extraprofite von Mineralöl- und Strom­konzernen bei zugleich wachsender sozialer Not vieler Menschen“, sagte Daniela Trochowski, Geschäftsführerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Gleichzeitig aber steige der Finanzbedarf des Fiskus, um in der Energie- und Klimakrise gegenzusteuern.

Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken fordert eine solche Übergewinnsteuer. Es gehe um Unternehmen, die ohne eigene Leistung und Innovation übermäßige Gewinne machten, „also eben aus der Krise Profit schöpfen“. Diesen sollte der Staat abschöpfen, um Bürger und auch kleine Unternehmen zu entlasten.

RND/sic mit dpa

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