Fachkräftemangel in vielen Branchen

Experte zu Reisechaos: „Personalmangel ist in Corona-Krise entstanden“

24.06.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Passagiere stehen in einer Schlange von mehreren hundert Metern für die Sicherheitskontrolle am Flughafen Köln-Bonn an. Die Tourismusbeauftragte der Bundesregierung wirft der Luftverkehrsbranche angesichts chaotischer Zustände an deutschen Flughäfen Fehler bei der Personalplanung vor.

Berlin. Nach über zwei Jahren Corona-Krise haben sich viele auf den Sommer gefreut. Sie wollten auf Konzerte und andere Veranstaltungen gehen, wieder häufiger im Lieblingsrestaurant essen und vielleicht in den Urlaub fliegen. Doch ganz so rosig wie erhofft, läuft es nicht. Konzerte fallen aus, das Restaurant hat nicht immer auf und an den Flughäfen herrscht Chaos. All das hat einen gemeinsamen Grund: Es fehlen dort Arbeitskräfte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Chaos an deutschen Flughäfen: Bundesregierung plant Einsatz ausländischer Hilfskräfte

Die Bundesregierung will der Luftfahrt helfen, den Personalengpass an deutschen Airports und damit das Flugchaos abzumildern.

Professor Enzo Weber weiß, warum. Er arbeitet am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg und sagt: „Die Personallücken sind in der Corona-Krise entstanden.“ Es sei zwar nicht so, dass massenweise Menschen aus diesen Berufen weggegangen sind. Doch einige gingen eben doch und arbeiteten dann anderswo, etwa für Lieferdienste oder Supermärkte. Ihre Arbeitsplätze wurden in der Krise nicht wieder aufgefüllt. Es gab erstmal keinen Bedarf.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Jetzt aber machen Restaurants und viele andere wieder richtig auf und alle versuchen, die Personallücken kurzfristig zu füllen“, sagt Enzo Weber. „Aber so schnell geht das einfach nicht.“ Wichtig zu wissen ist auch: Schon vor Corona fehlten in manchen Bereichen aus anderen Gründen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, etwa in Kitas oder in der Pflege.

„Arbeitgeber müssen die Menschen überzeugen, bei ihnen zu arbeiten“

Doch wie kann man das Problem lösen? Für die Situation an den Flughäfen hat die deutsche Regierung nun etwas vorgeschlagen. Denn an vielen Flughäfen müssen Leute zurzeit oft ewig lange warten, weil Personal etwa bei der Sicherheitskontrolle fehlt. Die Regierung will darum Menschen aus anderen Ländern zu uns holen, die an den Flughäfen aushelfen. „Das ist aber eine absolute Notmaßnahme“, sagt Enzo Weber. Wichtig sei eine langfristige Zuwanderung von Menschen, die in Deutschland arbeiten und leben wollen.

Notwendig sei es auch, grundsätzlich etwas an den Arbeitsbedingungen zu verändern. „Arbeitgeber müssen ihr Angebot verbessern und die Menschen überzeugen, bei ihnen zu arbeiten“, sagt Enzo Weber. Das ginge unter anderem über eine bessere Bezahlung oder auch über mehr Mitbestimmung bei den Arbeitszeiten, findet der Professor.

RND/dpa

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Spiele entdecken