Infineon: Chipmangel kann Autobauer bis 2022 betreffen

Ob bei Audi oder Daimler, BMW oder den Ford-Werken in Köln – überall stockt derzeit die sich eigentlich nach dem Coronaschock erholende Autoproduktion, weil Halbleiter fehlen.

Ob bei Audi oder Daimler, BMW oder den Ford-Werken in Köln – überall stockt derzeit die sich eigentlich nach dem Coronaschock erholende Autoproduktion, weil Halbleiter fehlen.

München. Ob bei Audi oder Daimler, BMW oder den Ford-Werken in Köln – überall stockt derzeit die sich eigentlich nach dem Corona-Schock erholende Autoproduktion, weil Halbleiter fehlen. „Bis zur Entspannung wird es noch einige Quartale dauern“, warnt Reinhard Ploss. Es bestehe sogar das Risiko, dass sich die Chipengpässe bis ins Jahr 2022 hineinziehen und die Autoindustrie erst dann jetzt ausfallende Stückzahlen wieder aufholen kann, warnt der Chef des Münchner Chipkonzerns Infineon.

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Was derzeit vor allem fehlt, seien Mikrocontroller, die Infineon aber nicht selbst baut, sondern sich von Auftragsfertigern in Asien zuliefern lässt. „Wir haben Puffer geschaffen, aber die gehen nun zur Neige“, stellt der Manager klar. Dazu kommen Probleme in einem eigenen US-Werk.

Die Infineon-Chipfabrik im texanischen Austin musste wegen eines dortigen Wintersturms mit Stromausfall heruntergefahren werden. Sie läuft zwar wieder, aber weil Infineon überall am Anschlag produziert, könne man die dort ausgefallene Produktion 2021 nicht mehr aufholen, stellt Ploss klar.

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Ifo: 60 Prozent der Autobauer betroffen

Ford in Köln hat sich wegen des allgemeinen Chipmangels bereits bis Mitte August auf gedrosselte Produktion eingestellt. Über 60 Prozent aller Autobauer und ihrer Zulieferer würden derzeit über Engpässe bei der Chipversorgung klagen, hat das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt. Im Juli 2020 hätten nur knapp 6 Prozent entsprechend geklagt. Auch anderen Branchen fehlen Chips. „Dieser Flaschenhals könnte die Erholung der Industrie gefährden“, warnt Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Vor allem in der Autobranche müssen Manager bei der Beschaffung nun umdenken, sagen Experten.

Neue Fabriken brauchen lange Vorlaufzeit

Dort bislang übliche Lieferungen just in time, also ohne Lagerhaltung, werde man zumindest bei Halbleitern nicht mehr weiterführen können, sagt Ploss. „Diese Lektion wird nachhaltig sein“, schätzt er. Bei Infineon liefen bereits Gespräche über neues und langfristigeres Bestellverhalten seitens der Autoindustrie. Zugleich arbeitet die Chipbranche derzeit mit Hochdruck an einer Aufstockung ihrer Kapazitäten weltweit.

Das geht in der unter anderem von extremen Reinraumanforderungen geprägten Branche aber nicht über Nacht. Ein bis eineinhalb Jahre oder noch länger dauere es in der Regel, bis neue Fabriken arbeiten, sagen Infineon-Experten. Die Münchner selbst sind dabei aktuell im Vorteil, weil eine Ausweitung eigener Kapazitäten schon länger geplant war und nun „nur“ beschleunigt werden muss. Im österreichischen Chipwerk Villach kann eine Kapazitätserweiterung um drei Monate auf Herbst 2021 vorgezogen werden. Auch die Dresdner Fabrik wird ausgebaut.

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Erst Computer, dann Autos

Die Autoindustrie leidet besonders unter den Versorgungsengpässen, weil sie vor Jahresfrist unter dem Eindruck der Pandemie ihre Bestellungen bei Chipherstellern erst einmal reduziert hatte. Dann kam die Autonachfrage aber schneller zurück als erwartet. Auf die freien Chipkapazitäten hatten sich inzwischen aber Hersteller von Computern und Smartphones gestürzt, weil deren Produkte in der Pandemie wegen eines anhaltenden Digitalisierungsschubs stark gefragt sind.

Verglichen mit Computer- und Handyherstellern sind Autobauer relativ kleine Abnehmer der Chipbranche. Etwa 8 Prozent aller weltweit produzierten Halbleiter wandern in Autos. So viel verbaut allein der US-Technologieriese Apple. Nun muss sich die Autobranche erst mal hinten anstellen, was sie nicht gewohnt ist.

Umsatz wäre ohne Lieferprobleme fast zwanzigmal höher

Infineon indessen erhöht trotz des zeitweisen Produktionsausfalls in Austin und eigener Zulieferprobleme mit Auftragsfertigern die Prognosen für das zum 30. September endende Geschäftsjahr 2020/2021 leicht. Die Bayern gehen nun von rund 11 Milliarden Euro Jahresumsatz aus. Bis zu 200 Millionen Euro mehr könnten es ohne die Lieferprobleme sein. Zum Halbjahr wurde zudem ein Überschuss von 460 (Vorjahreszeitraum 387) Millionen Euro erreicht.

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