Hitze, Trockenheit, Starkregen

Wie Bauministerin Geywitz Städte für den Klimawandel fit machen will

Bundesministerin Klara Geywitz während eines Pressestatements.

Bundesministerin Klara Geywitz während eines Pressestatements.

Potsdam. Einen eindrucksvolleren Tag, um über das Klima zu reden, hätte es kaum geben können: Als Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) am Dienstag ihr Programm zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel vorstellte, hatten die Temperaturen im Potsdamer Park Babelsberg schon längst die 30-Grad-Marke überschritten. Das alleine macht zwar noch keinen Klimawandel, doch Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass solche und noch heißere Tage deutlich zunehmen werden.

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Um Städte und Gemeinden dafür fit zu machen, hat die Bundesregierung das Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ ins Leben gerufen. Es soll einen Beitrag zur „klimagerechten Stadtentwicklung“ leisten, wie es seitens des Bauministeriums heißt. Bis 2025 stehen jetzt weitere 176 Millionen Euro für Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel in Kommunen zur Verfügung.

Ministerin Geywitz spricht von Herausforderung

Bis zum Herbst können sich Städte und Gemeinden dafür mit einer Projektidee bewerben, die dann durch das Ministerium Förderung erhalten kann. Das Bundesprogramm wurde 2020 erstmals aufgelegt. Es wird finanziert aus Mitteln des Klima-und Transformationsfonds, einem Sondervermögen des Bundes.

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„Ich glaube, an so heißen Tagen wie heute ist klar, dass wir eine Herausforderung haben, was Hitze anbelangt“, sagte Geywitz dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Das gelte auch für Starkregenereignisse. „Und natürlich sind auch unsere innerstädtischen Parks unter Stress“, so die Ministerin, die sich durch den historischen Park im Potsdamer Stadtteil Babelsberg führen ließ.

Mehr Frischluftschneisen, Wasser und Grün

„Die Bäume leiden unter Trockenheit und das kann man hier im Park Babelsberg besonders gut sehen“, sagte Geywitz, die sich zuvor nach der Beschaffenheit der Bäume und nach Plänen des Parks erkundigt hatte, wie er sich künftig aufstellen will. Die Bäume seien bis zu 150 Jahre alt und würden unter den jetzigen klimatischen Verhältnissen ganz besonders leiden, so die SPD-Politikerin.

Bayerische Landwirte klagen wegen Dürre über schlechten Ertrag

Hitze, Dürre oder Fluten haben bis 2021 mindestens 145 Milliarden Euro an Schäden verursacht, teilten Klima- und Umweltministerium am Montag mit.

Das Bundesprogramm könne nun helfen, für Bewässerungsanlagen zu sorgen. Geywitz betonte am Dienstag auch, dass Städte mehr Frischluftschneisen, mehr Wasser und mehr Grün bräuchten. Wo das vorhanden sei, sei auch die Umgebung kühler.

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Park- und Grünanlagen fit für Klimawandel machen

Aus dem ganzen Bundesgebiet sind Städte und Gemeinden nun angehalten, ihre Vorschläge einzubringen. Gefördert werden beispielsweise Projekte, um Park- und Grünanlagen resilienter und fit für die Folgen des Klimawandels zu machen oder die Biodiversität in den Kommunen zu stärken. Ebenfalls förderberechtigt sind Schritte zur Entsiegelung oder zur Begrünung von freien Flächen und Verkehrsflächen. Mehr Grün und mehr Wasser: Durch das Programm soll Phänomenen wie Trockenheit, Hitze, Starkregen und Stürmen etwas entgegengesetzt werden.

Nur ein Grad kühler: Vor der Madrider Hitze floh RND-Spanienkorrespondent Martin Dahms in das kastilische Dorf Barbadillo del Mercado in die Provinz Burgos. Im Hintergrund scheint die Sierra de la Demanda auf - in der Gegend wurde die Schlussszene aus Sergio Leones Kultwestern "Zwei glorreiche Halunken" alias "The Good, the Bad and the Ugly" gedreht. Hier ist das Leben derzeit trotz ähnlich hoher Tagestemperaturen wie in Madrid deutlich erträglicher.

Nichts wie weg – das Leben mit der „historischen“ Hitze in Madrid

Auch Spanien ächzt unter der Hitze. Der RND-Spanienkorrespondent Martin Dahms, der seit fast 30 Jahren in Madrid lebt, nennt die Hitzewelle dieses Sommers „historisch“ und ist vor ihr aufs Land geflohen. Die anstehenden zwei deutschen Hitzetage, so sagt er am Telefon, mag er trotzdem nicht geringschätzig belächeln.

Und das ist auch nach Ansicht des Handelsverbands dringend nötig: „Die Innenstädte dürfen nicht die heißesten Zonen innerhalb eines Stadtgebietes sein, sondern Orte, die zum Verweilen auch bei hohen Temperaturen einladen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp dem RND. „Hier sind die Kommunen gefragt, für mehr Grün und mehr offene Wasserflächen in den Innenstädten zu sorgen.“

Projekt soll helfen, Klimaschutzziele zu erreichen

Das gehe natürlich auch nur, wenn es entsprechende Förderprogramme gebe. Erfahrungsgemäß würden bei großer Hitze weniger Kundinnen und Kunden in die Innenstädte kommen. Auch Umweltverbände wie der Nabu verweisen regelmäßig auf die Notwendigkeit, in Städten Maßnahmen gegen den Klimawandel in die Wege zu leiten.

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Die Mindestsumme zur Förderung beträgt eine Million Euro. So will das Ministerium besonders „große, innovative“ Projekte unterstützen, die beispielgebend eine Vorreiterrolle übernehmen können. Auch ist die Idee, dass sie dadurch einen Beitrag leisten, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Mindestens 10 Prozent der Kosten trägt die Kommune selbst. Ob ein Projekt gefördert wird, entscheidet sich nach Ablauf der Frist im Oktober dann im Haushaltsausschuss des Bundestages.

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