Energieverbrauch deutlich reduziert

Mit neuer Technologie: Wie man Schwimmbädern ihren Energiehunger austreibt

Schwimmbäder haben einen enormen Energieverbrauch: Mit einer neuen Technologie lässt sich der aber deutlich reduzieren.

Schwimmbäder haben einen enormen Energieverbrauch: Mit einer neuen Technologie lässt sich der aber deutlich reduzieren.

München. Das Schwimmbad im niedersächsischen Saterland ist wie alle deutschen Hallenbäder ein Energiefresser. „Der elektrische Energie­verbrauch der Entfeuchtungs­geräte betrug jährlich etwa 40.000, der thermische etwa 140.000 Kilowatt­stunden“, weiß Matthias Lamping.

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Der Geschäftsleiter des Mittelständlers Hansa Klimasysteme spricht in der Vergangenheit, weil der Energie­bedarf des Freizeitbads mittlerweile um gut ein Fünftel gedrosselt ist. Das liegt nicht daran, dass dort wie in anderen Schwimmbädern zum Energiesparen die Temperaturen gesenkt wurden oder die kommunale Einrichtung gleich ganz geschlossen wurde. „Es ist uns gelungen, mit künstlicher Intelligenz eine energie­effiziente Klimaregelung zu realisieren“, sagt Lamping.

Energiesparen ist das Gebot der Stunde – auch bei Hallenbädern

Weil Energiesparen ohne Verzicht nicht erst seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und damit einher­gehenden Preisexplosionen für Strom, Gas und Heizöl ein Gebot der Stunde ist, hat sich der Mittelständler aus Saterland schon 2017 Gedanken gemacht, wie man den enormen Verbräuchen in Schwimmbädern zu Leibe rücken kann. Das örtliche Freizeitbad wurde als Präzedenzfall auserkoren. „Die Raumtemperatur sollte angenehm sein, während andererseits die Luftfeuchtigkeit so niedrig gehalten werden muss, dass eventuelle Bauschäden am Gebäude vermieden werden“, erklärt Hörg Schlösser als Schwimm­meister der Anlage die Aufgabenstellung. Das sei nicht trivial, wenn bei Wasser­temperaturen um die 30 Grad Celsius je Quadratmeter Wasser­oberfläche 0,4 Liter Wasser pro Stunde verdunsteten.

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Wenn man aber wüsste, wann wie viele Menschen im Bad sind oder wie sich die Außen­­temperaturen entwickeln, könnte die Klimasteuerung voraus­schauend reagieren und unnötige Energie­bedarfe vermeiden. Ist der Besuch schwach, muss zum Beispiel die Luft seltener ausgetauscht und dabei wieder energiereich erwärmt werden. Als Lüftungs- und Klimaspezialist hat Hansa mit Unterstützung der Hochschule Emden mittels Sensoren und Messgeräten über ein Jahr hinweg viele Daten gesammelt, um ein intelligentes Regelungs­system zu entwickeln. „Irgendwann war klar, dass wir einen Partner brauchen“, erinnert sich Lamping. Das war der Augenblick, als Siemens mit Industrie-PCs und Spezial­software mit ins Spiel kam.

Dann kam aber auch die Corona-Pandemie, Bäder mussten bundesweit ihre Pforten schließen und das Projekt lag erst einmal still. Mittlerweile haben sich nicht nur die Pandemie­bedingungen geändert. Energie sparen ist auch wichtiger denn je geworden und die Idee, in Schwimmbädern ohne Verzicht Energie­verbräuche zu senken, auch andernorts auf Widerhall gestoßen.

Eine Lösung für fast alle 3000 Hallenbäder Deutschlands

„Unser System läuft jetzt bei drei weiteren kommunalen Bädern in Niedersachsen, bei einem Bad in Berlin arbeiten wir daran, und weitere fünf bis sechs Bäder sind bis Jahresende in Planung“, beschreibt Lamping die Nachfrageentwicklung. Auch Siemens glaubt an die Zukunft der Technologie, weil sie sich praktisch für alle 2795 deutschen Hallenbäder eigne. „Die Lösung lässt sich problemlos in Bestandsanlagen einbauen“, sagt der mit dem Projekt befasste Siemens-Digital­experte Thorsten Wolf. Der Aufwand sei zudem überschaubar.

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Das gute Fünftel an eingesparter Energie sei ein über das Jahr gemittelter Durchschnitts­wert, in kalten Monaten habe man in der Spitze sogar Reduzierungen von 60 Prozent erreicht, betont Lamping. Die rund 10.000 Euro an Investitionsbedarf pro Durchschnittsbad für eine solche intelligente Regelung hätten sich binnen drei Monaten amortisiert, wobei diese Daten noch vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine ermittelt wurden. Bei aktuellen Energiepreisen rechnet sich das System deutlich früher.

Bei Schwimmbädern müsse zudem nicht Schluss sein, sagen Hansa und Siemens. Übertragen lasse sich die Technologie auch auf Büros, Konzertsäle oder große Kinos. So große Effekte wie bei Schwimmbädern erwartet das Firmenduo dabei aber nicht, weil Bäder einzigartig seien. Aber über ein Zehntel weniger Energie­verbrauch sei auch bei ausgewählten anderen Gebäudearten drin, ohne dass jemand frieren muss.

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