647 Millionen Euro Jahresverlust

Siemens Energy: tiefrote Zahlen – und trotzdem gute Nachrichten für die Börse

Einer der größten Windpark-Entwickler Deutschlands kritisiert die Landesregierung in Schwerin scharf.

Das Geschäft mit der Windkraft ist derzeit das Sorgenkind des Kraftwerksbauers Siemens Energy.

München. Wenn ein Konzern 647 Millionen Euro Jahresverlust verbucht und seine Aktie im Dax dennoch mit gut 5 Prozent so stark zulegt wie keine andere, ist das erklärungsbedürftig. Der Fall war das jetzt beim Kraftwerksbauer Siemens Energy, der im Geschäftsjahr 2021/2022 (zum 30. September) noch einmal knapp 100 Millionen Euro tiefer in die roten Zahlen gerutscht ist als im Jahr davor.

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Aber Börsianer hatten noch Schlimmeres erwartet. Zudem hat Konzernchef Christian Bruch nun einen Fahrplan in die Gewinnzone. 2022/2023 werde noch einmal, wenn auch stark reduzierte, Verluste bringen, kündigte er in München zur Bilanzvorlage an. 2023/2024 sollen dann schwarze Zahlen in der Bilanz stehen und 2024/2025 auch das marode Geschäft mit der Windkraft profitabel sein.

Siemens-Abspaltung musste zuletzt mehrere Prognosen nach unten korrigieren

Das kommt an der Börse an, wenn es denn diesmal wahr wird. Denn die Siemens-Abspaltung musste in jüngster Vergangenheit mehrmals Prognosen nach unten korrigieren. Das lag an der spanischen Windkrafttochter Siemens Gamesa, die bislang nur zu zwei Dritteln im Besitz der Bayern ist und nun mutmaßlich vollständig übernommen wird. Ein bis zu 4 Milliarden Euro teures Übernahmeangebot dazu läuft bis Mitte Dezember. Schafft Siemens Energy mindestens drei Viertel der Anteile zu erwerben, kann Bruch durchregieren.

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„Es war ein Jahr mit einem perfekten Sturm“, erklärt er die jüngste Verlustbilanz. Die Pandemie habe Lieferkettenprobleme beschert, der russische Angriffskrieg in der Ukraine einen 200 Millionen Euro teuren Rückzug aus Russland erzwungen und die Inflation enorme Kostensteigerungen mit sich gebracht. Der Manager übt auch Selbstkritik.

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„Selbstverständlich ist das meine Verantwortung, heute würde ich die Schwerpunkte anders setzen“, sagt er über den eigenen Beitrag zur Misere. Als Schwachpunkt des Portfolios hatte er bei der Abspaltung vom Mutterkonzern Siemens das traditionelle Geschäft mit Gaskraftwerken ausgemacht und dort den Sanierungshebel angesetzt. Der Bereich läuft heute gut. Sorgenkind ist das Zukunftsgeschäft mit der Windkraft bei Siemens Gamesa, das allein für die roten Zahlen verantwortlich ist.

Der Windkraft soll die Zukunft gehören

Mindestens von der spanischen Börse nehmen will Bruch den Sanierungsfall nach erfolgreichem Übernahmeangebot. Am liebsten wäre ihm ein völliges Herausdrängen anderer Aktionäre. „Wenn man an ein Geschäft glaubt, hat man es zu 100 Prozent“, stellt der an die Windkraft glaubende Bruch klar. Sie steht für ein Drittel des 97 Milliarden Euro umfassenden Rekordauftragsbestands von Siemens Energy. Die anderen zwei Drittel entfallen auf traditionelle Gasturbinen und Übertragungsnetze.

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Anlass zur Freude ist das Auftragspolster aber nur, wenn es werthaltig ist, was bei Windkraft bislang nicht immer der Fall war. „Ich schließe bei älteren Aufträgen keine Überraschung aus“, räumt Bruch ein. Neue Aufträge, die es 2021/2022 dort im Umfang von 11,6 Milliarden Euro gab, seien aber solide und nicht verlustträchtig.

ARCHIV - 11.06.2019, USA, Permbecken: Ein Pumpe arbeitet in einem Ölfeld. Angesichts rasant gestiegener Energiepreise hat US-Präsident Joe Biden die Freigabe von 50 Millionen Barrel Öl aus der strategischen Reserve angeordnet. (zu dpa "Biden öffnet wegen gestiegener Ölpreise strategische Reserven") Foto: Jacob Ford/Odessa American/AP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

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An der grundsätzlich zentralen Bedeutung seines Konzerns für die Umsetzung der Energiewende zweifelt Bruch ohnehin nicht. Noch nie sei der Ausstoß an Treibhausgasen global so hoch gewesen wie 2021. Siemens Energy könne das mit seinem Portfolio ändern. Das gelte auch für neue Gasturbinen, die Wasserstoff verarbeiten können. Hier sieht Bruch allerdings die Gefahr, dass Produktionskapazitäten dafür branchenweit in die USA wandern, weil die neue Technologie dort anders als bislang in Europa intelligent und unkompliziert gefördert werde.

In den nächsten ein bis zwei Jahren werde es sich entscheiden, wo die Kraftwerksindustrie neue Kapazitäten zur Wasserstoffwirtschaft ansiedelt. „Wenn wir nichts tun, werden die in den USA entstehen“, warnt Bruch die europäische Politik. Bei Windkraft wiederum fürchtet er neue und staatlich gestützte Billigkonkurrenz aus China. Wenn Aufträge im Westen nur nach dem Preis vergeben würden ohne Blick auf lokale Wertschöpfung, werde die europäische und US-Windindustrie nicht überleben, warnt Bruch. Dann drohe dort ein Schicksal wie bei Solarzellen, wo China heute den Markt beherrscht.

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