Stuttgart 21 wird wohl noch später fertig – und teurer

Verzögerung am Bau: Stuttgart 21 soll nun erst Ende 2024 fertig werden.

Verzögerung am Bau: Stuttgart 21 soll nun erst Ende 2024 fertig werden.

Stuttgart. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 soll deutlich teurer werden als bisher geplant. Die Deutsche Bahn erwartet nach einem Bericht der Deutschen Presseagentur nun eine Erhöhung des Kostenrahmens von 6,5 Milliarden auf 7,6 Milliarden Euro. Das soll auf einer Sondersitzung des Kontrollgremiums Ende Januar beschlossen werden. Zuvor hatte die BILD am Sonntag berichtet, der Bahnhof würde später fertig als erwartet. Statt des für 2023 geplanten Abschlusses, rechne die Bahn demnach mit einer Verzögerung bis Ende 2024.

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Als Gründe für die höheren Kosten und die spätere Fertigstellung wurden in den Aufsichtsratskreisen unter anderem gestiegene Baukosten, Verzögerungen in den Planungsverfahren und die restriktiven Regeln beim Artenschutz genannt. Die Bahn wollte die Berichte auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies auf eine kommende Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember. Man wolle dieser „nicht vorweggreifen“.

Im Zuge des hoch umstrittenen Projekts Stuttgart soll aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof ein Tiefbahnhof werden. An dem Bahnhof wird seit Februar 2010 gebaut, der Grundstein für den Neubau wurde im September 2016 gelegt. Der Bundesrechnungshof etwa hatte bis zu 9 Milliarden Euro Kosten vorausgesagt.

Grüne: „Land beteiligt sich nicht an Mehrkosten“

Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz zeigte sich empört über die Kostensteigerung. Er machte noch einmal klar, dass das Land Baden-Württemberg keine Mehrkosten tragen wird. „Es bleibt ohne Wenn und Aber beim Kostendeckel“, teilte Schwarz am Mittwoch in Stuttgart mit. „Das Land beteiligt sich höchstens mit 930 Millionen Euro an dem Projekt. Darauf haben sich Grüne und CDU im Koalitionsvertrag verbindlich geeinigt.“ Schwarz verlangte von der Bahn Aufklärung und Transparenz. „Sie muss jetzt schonungslos Rechenschaft über die Kosten und weitere Risiken ablegen.“

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Die bundeseigene Deutsche Bahn hatte Ende Oktober nach einer Sitzung des Lenkungskreises angekündigt, die Kosten und den Zeitplan für das Großprojekt nochmals von Gutachtern überprüfen zu lassen. Nun liegt das Ergebnis der Expertise mit den neuen Zahlen vor. Dem Lenkungskreis gehören außer Bahn und Land auch Stadt und Region Stuttgart sowie der Stuttgarter Flughafen an.

Kosten 2013 noch auf 4,5 Milliarden festgelegt

Bis zuletzt hatte das Staatsunternehmen immer erklärt, dass es an dem Ziel festhalte, Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm im Dezember 2021 in Betrieb zu nehmen. Im Oktober wurde eine Verzögerung im Projekt von 24 Monaten genannt, also bis Ende 2023.

Der bisher genannte Kostenrahmen von 6,5 Milliarden Euro für den neuen Tiefbahnhof und die Tunnelstrecken in und um Stuttgart basierte auf einem Gutachten für den Bahn-Aufsichtsrat. Das Kontrollgremium hatte 2013 eine Kostensteigerung von 4,5 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro genehmigt.

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Mappus räumt Fehler ein

Baden-Württembergs früherer Regierungschef Stefan Mappus (CDU) hatte zuvor Ratlosigkeit und Fehler beim Umgang mit dem umstrittenen Bahnprojekt eingeräumt. „Stuttgart 21 hätte von Anfang an viel besser kommuniziert werden müssen, sei es durch Veranstaltungen, Mediation oder Liveübertragungen“, sagte Mappus nach einem Bericht von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ bei einer Veranstaltung in Stuttgart. „Das haben wir bei Stuttgart 21 nicht gemacht und auch nicht hinbekommen.“ Auf dem Höhepunkt der Proteste im August und September 2010 sei die von ihm geführte Landesregierung „ziemlich ratlos“ gewesen.

Bei der Räumung des Schlossgartens für das Bahnprojekt waren am 30. September 2010, dem „Schwarzen Donnerstag“, Polizisten mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Demonstranten vorgegangen. Zu dem harten Polizeieinsatz gegen Stuttgart-21-Gegner gab es sogar zwei Untersuchungsausschüsse im Landtag. Ein möglicher Einfluss von Mappus blieb aber umstritten.

Von RND/sag/dpa

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