Ultrabrutal und erfolgreich: Netflix verdient kräftig mit der Serie „Squid Game“

Squid Game: Aus einem harmlosen Hüpfspiel für Kinder wird in der gleichnamigen Netflix-Serie tödlicher Ernst.

Squid Game: Aus einem harmlosen Hüpfspiel für Kinder wird in der gleichnamigen Netflix-Serie tödlicher Ernst.

Frankfurt. Kinderspiele mit tödlichem Ausgang: Damit hat der weltweit führende Streamingdienst Netflix im dritten Quartal Millionen neue Kunden gewonnen. Zugleich konnte der US-Konzern seinen Gewinn deutlich steigern. Im vierten Quartal könnte es mit vielen neuen Filmen noch einmal deutlich nach oben gehen. Und die Manager denken schon weiter: Videospiele im Abo sollen die Zukunft langfristig sichern.

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Die Erfolgsserie heißt „Squid Game“. Sie spielt in Südkorea und gehört zum Genre der Breakout-Dramen. Die erwachsenen Akteure müssen tun, was Kinder machen. Wie das Tintenfischspiel, das mit dem hiesigen Hüpfspiel verwandt ist, das als „Himmel und Hölle“ bekannt ist.

Nur: Wer bei der Netflix-Variante einen Fehler macht, wird sofort erschossen. Die Zuschauer werden Zeugen eines gigantischen Gemetzels, das mittels einer speziellen Ästhetik, die an Comics erinnert, für den Zuschauer einigermaßen erträglich gemacht wird.

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Netflix teilte gerade mit, dass „Squid Game“ schon in den ersten vier Wochen nach dem Start von weltweit 142 Millionen Nutzerkonten abgerufen wurde, was das Tintenfischspiel zum bislang erfolgreichsten Produkt des Unternehmens macht. Großen Zuspruch gab es auch für die neuen Folgen von „Haus des Geldes“ und „Sex Education“. Insgesamt stieg die Zahl der Abonnenten auf der ganzen Welt um 4,4 Millionen auf jetzt fast 214 Millionen.

Wall-Street-Analysten hatten mit einem erheblich geringeren Plus gerechnet. Der US-Konzern widerlegt mit den aktuellen Zahlen auch Beobachter, die die These vertreten, dass die Streamingdienste bereits ihre Zukunft hinter sich haben und mit einem stagnierenden Markt zurecht kommen müssen. Der Zwischenbericht zeigt zugleich, wie stark die Anbieter von einem permanenten Zufluss neuer Inhalte abhängig sind.

Pandemie hat Dreharbeiten gebremst

Die Entwicklung von Netflix hat in den vergangenen gut anderthalb Jahren einen erstaunlich kurvigen Weg genommen. Mit dem Beginn der Pandemie schossen die Nutzerzahlen zunächst sprunghaft in die Höhe. Die Lockdowns in vielen Ländern machten Millionen von Verbrauchern zu Streamingabonnenten. Doch die Beschränkungen hatten auch zur Folge, dass Dreharbeiten abgeblasen werden mussten. Deshalb mangelte es monatelang an frischer Unterhaltungsware auf der Netflix-Seite. Und entsprechend ging es mit den Neuzugängen massiv zurück.

Die Talfahrt ist überwunden. Das Management meldete nun für die drei Sommermonate eine Steigerung des Nettogewinns im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 80 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar (1,25 Milliarden Euro). Im vierten Quartal will das Management nun noch einmal nachlegen. 8,5 Millionen Nutzer sollen hinzukommen.

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Dank einer „beispiellosen Liste“ von Filmen und Serien mit zahlreichen großen Namen. Etwa der schwarzen Komödie „Don‘t look up“ im Dezember. In den Hauptrollen Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence. Das Drama „The Power of the Dog“ von der vielfach preisgekrönten Regisseurin Jane Campion wartet mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle auf. Und in der Actionkomödie „Red Notice“ sind Dwayne Johnson und Ryan Reynolds zu sehen. Hinzu kommen neue Staffeln bewährter Hits wie „The Witcher“ und „Cobra Kai“.

Netflix-Mitgründer Reed Hastings räumte ein, dass niemand sich wirklich sicher kein könne, ob das Abowachstum auf das Niveau von vor der Pandemie zurückkehren könne. Aber zumindest für die nähere Zukunft sei man sich seiner Sache ziemlich sicher.

Wobei das Management das theoretische Potenzial von Netflix auf 450 Millionen Kunden weltweit taxiert. Trotz heftiger Konkurrenz wie Sky, Apple, Disney oder Amazon. Hinzu kommen viele lokale Angebote wie hierzulande die Mediatheken der privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Anbieter.

Wachsen ist im Streaminggeschäft der alles entscheidende Faktor. Steigt die Nutzerbasis, kommt mehr Cash in die Kasse, was es wiederum erlaubt, mehr eigene exklusive Filme und Serien anzubieten. Das bringt mehr Kunden (siehe „Squid Game“) und so weiter.

Asien und Afrika im Fokus

Allerdings wird die Expansion immer schwieriger. Auf dem Heimatmarkt USA ist derzeit für Netflix nicht mehr viel zu holen. Das Management konzentriert sich zunehmend auf Länder wie Südkorea, Indien, Japan und den afrikanischen Kontinent. Und für diese Märkte sollen verstärkt Originale in den jeweiligen Ländern produziert werden, zugleich ist eine globale Vermarktung wie beim „Squid Game“ vorgesehen. Wie lange das noch trägt, ist unklar.

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Deshalb plant Netflix schon das nächste große Ding: Videospiele. Sie sollen ohne Werbung und ohne In-App-Käufe, was zusätzlichen Kosten für die Nutzer bedeuten würde, vermarktet werden. Ein erster großer Schritt wurde Ende September gemacht mit dem Kauf des US-Spieleentwicklers Night School Studio. Das Unternehmen ist durch das Mysteryabenteuerspiel „Oxenfree“ bekannt geworden, in dem es um übernatürliche Phänomene geht.

Ganz bodenständig will Netflix-Manager Mike Verdu auf der ganzen Welt Talente einzusammeln, um eine „große Spielesammlung“ aufzubauen. Wann die ersten abgerufen werden können, ist noch nicht klar. Indes sehen viele Insider, so wie auch Amazon-Chef Andy Jassy, in Videospielen das künftige Leitmedium, das eines Tages Filme und Serien ablösen wird.

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