Kolumne „Greenformation“

Wird die Wärmepumpe zur Wunderwaffe?

Wärmepumpen können unter bestimmten Umständen sehr effizient zum Heizen benutzt werden.

Wärmepumpen können unter bestimmten Umständen sehr effizient zum Heizen benutzt werden.

Frankfurt am Main. Für manche sind sie eine Art Wunderwaffe. So forderte der US-Umweltaktivist Bill McKibben unmittelbar nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine: „Wärmepumpen für Frieden und Freiheit.“ Tatsächlich haben die Aggregate eine erstaunliche Wirkung. Sie können unter günstigen Umständen aus einer Kilowattstunde elektrischer Energie rund drei Kilowattstunden Wärmeenergie erzeugen. Indem sie Umgebungswärme zu Lande (Erdreich), zu Wasser und in der Luft nutzen. Sie sind theoretisch so effizient, dass sie im rechnerischen Durchschnitt auch dann noch weniger CO₂ als konventionelle Gasheizungen erzeugen, wenn der Strom, den sie benötigen, komplett in Gaskraftwerken hergestellt würde. Wärmepumpen kehren einfach das Prinzip des Kühlschranks um.

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Was passiert, wenn uns das Gas ausgeht?

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Apropos kühl: Wenn es aber im Winter eisig wird, verliert die Wärmepumpe einen Großteil ihrer Zauberkraft. Dann wird sie zu einer reinen E-Heizung, die riesige Mengen Strom aus der Leitung saugt. So viel, dass es bei Spitzenlasten zu Mangellagen bei elektrischer Energie kommen könnte.

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Das bedeutet: Eine bedingungslose Unabhängigkeitserklärung von fossiler Energie dürfte selbst in 20 Jahren noch eine Illusion sein. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass die Bundesregierung immer weiter vom vermeintlichen Wärmepumpenzwang und vom Gasheizungsverbot abrückt.

Technik ausgereift: Die Lüftungsanlage einer Wärmepumpe steht vor einem Wohnhaus.

Wärmepumpe als Alternative: So will der Bund den Umstieg einleiten

Durch Russlands Angriffskrieg droht in Deutschland das Gas knapp zu werden – das könnte zu Problemen beim Heizen führen. Die Bundesregierung setzt deshalb auf eine Alternative: Wärmepumpen.

Jetzt haben Bau- und Wirtschaftsministerium ein Papier vorgelegt, wonach „möglichst“ schon ab Januar 2024 neue Heizungen zu 65 Prozent mit Erneuerbaren arbeiten sollen. Wobei im Kleingedruckten steht, dass dies bereits als erfüllt gilt, wenn die Wärmepumpe 30 Prozent der Leistung der Heizanlage trägt. Die übrigen 70 Prozent kann ein Öl- oder Gasbrenner abdecken. Nach diesem Prinzip werden wohl künftig die neuen Hybridheizungen konfiguriert und „nebenbei“ Lastspitzen beim Strom verhindert. Eine Niederlage für den Klimaschutz? Das ist die falsche Frage. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass so wunderbar einfache Gleichungen wie Wärmewende = Wärmepumpe = Wunderwaffe für Frieden und Freiheit leider nicht aufgehen.

Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschafts­korrespondent in Frankfurt am Main und Energie-Experte des RND. Er schreibt an dieser Stelle im wöchentlichen Wechsel mit Claudia Kemfert, Holger Krawinkel und Kerstin Andreae über den grünen Umbau der Wirtschaft.

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