Bodypositivity: Billie Eilish und Rapperin Lizzo im Kampf für mehr Selbstliebe

Sängerin Billie Eilish (links) und Rapperin Lizzo (rechts) bei den Grammy-Verleihungen Ende Januar.

Sängerin Billie Eilish (links) und Rapperin Lizzo (rechts) bei den Grammy-Verleihungen Ende Januar.

Hannover. Sie war die große Siegerin bei der diesjährigen Grammy-Verleihung in Los Angeles: Popsängerin Billie Eilish („Bad Guy“) räumte in vier Hauptkategorien ab, darunter auch in jener für das „Album des Jahres“, für die auch Rapperin Lizzo („Good as Hell“) nominiert war. Ihr waren in gleich acht Sparten Chancen auf den wichtigsten Musikpreis der USA eingeräumt worden. Am Ende gewann sie drei Preise und zählt damit neben Eilish zu den derzeit erfolgreichsten Newcomerinnen im Musikgeschäft.

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Gegensätzlicher könnten die Konkurrentinnen kaum sein – zumindest musikalisch betrachtet. Ihre Botschaft ist dagegen ähnlich. Sowohl die 18-jährige Eilish mit ihrer zarten, eindringlichen Flüsterstimme als auch die 31-jährige kraftvolle Vocal-Performerin Lizzo eint das Thema Bodyshaming, also Diskriminierung aufgrund des Äußeren beziehungsweise Bodypositivity, die grundsätzlich positive Haltung zum eigenen Körper. Das bringen die US-Musikerinnen nicht nur in Songs und Interviews, sondern vor allem mit ihren Outfits zum Ausdruck.

Grammy-Verleihung: Lizzo setzt auf Freizügigkeit, Eilish gibt sich zugeknöpft

Was sie tragen, steht bei ihren Fans mindestens genauso stark im Fokus wie das, was sie vortragen. Zur Preisverleihung in Los Angeles blieben beide ihrem bisherigen Stil treu: Eilish erschien im neongrün schimmernden, wallenden Lagenlook von Gucci, Lizzo sorgte auf dem roten Teppich in einer weißen, extrem figurbetonten Versace-Robe für Furore. In der Musikszene zählen Lizzo, die mit bürgerlichem Namen Melissa Viviane Jefferson heißt, und Eilish derzeit zu den bedeutendsten Aufsteigerinnen. Doch auch in modischer Hinsicht ist ihr Einfluss immens. Eilish betreibt mit Blohsh ihre eigene Marke und geht regelmäßig Designkooperationen wie etwa jüngst mit H&M ein. Lizzo macht auch ohne eigene Kollektionen Schlagzeilen mit ihren aufsehenerregenden Looks. Beide Künstlerinnen zierten bereits die Cover großer Modemagazine.

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Sängerin Billie Eilish bei der Grammy-Verleihung 2020 zugeknöpft in Gucci.

Sängerin Billie Eilish bei der Grammy-Verleihung 2020 zugeknöpft in Gucci.

Rapperin Lizzo bei der Grammy-Verleihung Ende Januar. Mit ihrer weißen, extrem figurbetonten Versace-Robe sorgte die 31-Jährige für Aufsehen.

Rapperin Lizzo bei der Grammy-Verleihung Ende Januar. Mit ihrer weißen, extrem figurbetonten Versace-Robe sorgte die 31-Jährige für Aufsehen.

Laut und selbstbewusst: Rapperin Lizzo rebelliert gegen das Bodyshaming

Doch anders als ihre Kolleginnen Taylor Swift oder Beyoncé verkörpern Eilish und Lizzo keine makellosen Vertreterinnen gängiger Schönheitsideale. In Zeiten von Optimierungswahn schlagen sie eine andere Richtung ein. Lizzo mit ihren Plus-Size-Maßen geht offensiv mit ihrer Weiblichkeit um, posiert nackt für Fotos und tritt in Dessous auf. Laut und selbstbewusst rebelliert sie nicht nur optisch gegen Körpernormen. Nachdem die Sängerin jahrelang darunter litt, dass Manager und Kollegen ihr sagten, sie habe ja eine tolle Stimme und ein hübsches Gesicht, müsse aber etwas gegen ihre Pfunde tun, beschloss sie nach einem Schlüsselerlebnis, nicht mehr unglücklich mit ihrem Aussehen zu sein. Ein Sturz, bei dem sie sich die Haut abschürfte, inspirierte Lizzo zu dem 2015 veröffentlichten Song „My Skin“. Es ist eine Hommage an ihren Körper, den sie als „schönes schwarzes Meisterwerk“ feiert. Dafür bekommt sie weltweit viel Beifall – doch es hagelt auch Kritik. Ihre aufreizenden Outfits haben ihr auch den Vorwurf eingebracht, sie sei alles andere als eine Feministin.

Lizzo hält dagegen, dass es ihr nicht darum gehe, Sexualisierung abzulehnen, sondern zu beherrschen. „Ich mache das alles, damit kleine Mädchen sich in Zukunft nicht mehr mit Bodyshaming herumschlagen müssen“, sagte sie in einem Interview mit dem „Rolling Stone“. Und der „Vogue“ versicherte sie, sich nicht anderen verkaufen zu wollen, sondern ihren Fans dabei zu helfen, sich selbst zu akzeptieren.

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Bodypositivity: Billie Eilish setzt auf Kleidung, die nicht auf Blicke von Männern abzielt

Da ist sie ganz auf der Linie von Billie Eilish, die ebenfalls das Ziel verfolgt, dass sich vor allem ihre weiblichen Fans nicht wegen ihres Aussehens oder ihres Körpers schämen. Für ihren Feldzug gegen Bodyshaming und mehr Körperpositivität setzt Eilish jedoch auf eine umgekehrte Strategie. Statt ihre Figur zu zeigen, versteckt sie sie unter einem Zwiebellook aus schlabbrigen Sweat­shorts, weiten T-Shirts, Trikots und XXL-Hoodies – alles übrigens nicht auf H&M-Niveau, sondern von Luxuslabels wie Gucci und Burberry maßgeschneidert. Eilishs Stil lässt sich dennoch für Teenies leicht kopieren und kommt gut an, weil er geschlechtsneutral ist oder, wie das amerikanische „V-Magazine“ einmal schrieb, Post-Male-Gaze. Das bedeutet, dass das, was Eilish anzieht, nicht darauf abzielt, männliche Blicke auf sich zu ziehen.

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Billie Eilish spürt Konsequenzen des Kampfes für mehr Selbstliebe

Doch der lockere Baggy-Style täuscht darüber hinweg, wie die Sängerin mittlerweile selbst gefangen ist in ihrem eigenen Kleiderschrank. Sie kann nicht ausbrechen und plötzlich mit Dekolleté auftreten, ohne ihre Fans zu vergrätzen oder genau die Reaktion hervorzurufen, die sie doch eigentlich vermeiden wollte: dass sie zum Objekt wird. Der US-amerikanischen „Elle“ gestand Eilish im vergangenen September: „Ich muss große Shirts tragen, damit niemand sich unwohl wegen meiner Brüste fühlt.“

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Als sie bei einer Tour einmal den Bus in einem Tanktop verließ, sorgte ein Schnappschuss davon auf Twitter für Riesenaufregung im Netz. „Jeder hat über meine Brüste geschrieben“, empörte sich Eilish. Ihr bisheriges Image macht es ihr nicht leicht, sich als Frau in Szene zu setzen: Drehte sie ein Video, in dem sie begehrenswert aussähe, würden die Leute ihrer Meinung nach den Respekt vor ihr verlieren, glaubt sie. Lizzo, die sich kürzlich von Twitter verabschiedete, weil ihr wegen ihres Auftretens zu viele Anfeindungen entgegenschlugen, könnte davon ein Lied singen.

RND

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