Abwehrtest im Weltall

Szenario Kollisionskurs: Nasa lässt „Dart“-Sonde erfolgreich in Asteroiden krachen

In diesem in der Nacht zu Dienstag entstandenen Videostandbild aus einem NASA-Livestream stürzt die Raumsonde „Dart“ auf den Asteroiden Dimorphos.

In diesem in der Nacht zu Dienstag entstandenen Videostandbild aus einem NASA-Livestream stürzt die Raumsonde „Dart“ auf den Asteroiden Dimorphos.

Cape Canaveral. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat eine Sonde mit voller Wucht in einen Asteroiden krachen lassen - als erste Probe für das Szenario eines kosmischen Gesteinsbrockens auf Kollisionskurs mit der Erde. Wie geplant schlug die Sonde „Dart“ („Double Asteroid Redirection Test“) in der Nacht zum Dienstag mit einer Geschwindigkeit von 22.500 Kilometern pro Stunde auf dem rund 11,3 Millionen Kilometer entfernten Asteroiden namens Dimorphos ein.

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Dieser hat einen Durchmesser von 160 Metern und ist eine Art Mond von Didymos, einem fünf Mal so großen Asteroiden, aus dessen Materie sich der kleinere Begleiter einst bildete. Das Duo umkreist seit Urzeiten die Sonne, ohne eine Gefahr für die Erde darzustellen. Dies machte Dimorphos zum idealen Testkandidaten.

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Mit der 325 Millionen Dollar (337 Millionen Euro) teuren Mission erprobte die Nasa erstmals, wie sich die Position eines Asteroiden oder eines anderen Objekts aus dem All zur Rettung der Menschheit ändern lassen könnte.

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„Dart“-Sonde schickte sekündlich Bilder

Die „Dart“-Sonde von der Größe eines Warenautomaten war im November mithilfe einer Rakete ins All gestartet. Ihren Weg zum Ziel fand sie dank einer neuen Technologie, die vom Labor für angewandte Physik an der Johns Hopkins University im Staat Maryland entwickelt wurde. Dort wurde auch die Sonde selbst konstruiert, das Team aus Ingenieuren und Technikern in dem Labor begleitete zudem die Mission.

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Herzstück des Navigationssystems von „Dart“ ist die Kamera, die den Asteroiden etwa eine Stunde vor dem Einschlag einfangen konnte. Während die Sonde sekündlich Bilder zur Erde sendete, verfolgten die federführende Systemingenieurin Elena Adams und andere Mitglieder der Bodenkontrolle mit wachsender Begeisterung, wie Dimorphos neben seinem größeren Bruder im Sichtfeld immer größer wurde. Binnen Minuten war nur Dimorphos zu sehen, der wie eine gigantische graue Zitrone wirkte. Beim letzten Bild fror der Bildschirm ein, als die Funkverbindung abbrach.

Bestimmung erfüllt - „nun beginnt die Wissenschaft“

Jubel brandete im Kontrollraum auf, die Techniker lagen sich in den Armen und klatschten einander ab. Die Trauer um die zerschellte Sonde hielt sich in Grenzen. Ihre Bestimmung habe sich erfüllt, sagte Betsy Congdon, Chefmechanikerin im Labor der Johns Hopkins University, über das Ende von „Dart“. Nasa-Wissenschaftler Tom Statler ergänzte, dass Funkstille bei einem Raumschiff eigentlich etwas sehr Schlechtes sei. „Doch in diesem Fall war es das ideale Ergebnis.“ Seine Kollegin Carolyn Ernst von der Johns Hopkins University sagte, dass die Sonde nun definitiv „kaputt“ sei. Es sei gut möglich, dass deren Überreste im frisch aufgerissenen Krater gelandet seien oder mit Materie, die sich vom Asteroiden gelöst habe, ins All katapultiert worden seien.

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Zerstört habe „Dart“ Dimorphos aber nicht, betonten die Forscher. Schließlich wiege die Sonde zwar 570 Kilogramm, der Asteroid dafür fünf Milliarden Kilogramm. Der Aufprall sollte jedoch ausgereicht haben, um dessen Umlaufbahn zu ändern. Die erwartete Verschiebung um ein Prozent möge sich nicht nach besonders viel anhören, doch werde dies im Laufe der Jahre erhebliche Auswirkungen haben, erklärten die Wissenschaftler. Ob und inwiefern sich die Umlaufbahn des Asteroiden verändert hat, dürfte aber erst in Tagen oder gar Wochen bekannt sein. „Nun beginnt die Wissenschaft“, sagte Lori Glaze, Leiterin der Abteilung für Planetenforschung bei Nasa. „Jetzt werden wir wirklich sehen, wie effektiv wir waren.“

Später sagte Systemingenieurin Adams auf einer Pressekonferenz, dass der erste Planetenverteidigungstest nach allem, was man bisher wisse, ein Erfolg gewesen sei. „Ich denke, dass die Erdlinge jetzt besser schlafen sollten. Ich werde es definitiv.“ Am Montag hatte Nasa-Chef Bill Nelson an den ernsten Hintergrund des Tests erinnert. „Nein, das ist keine Filmhandlung“, betonte er auf Twitter - und fügte in einer Videobotschaft hinzu: „Wir alle haben es in Filmen wie ‚Armageddon‘ gesehen, aber im echten Leben steht viel auf dem Spiel.“

RND/AP

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