„Die Klimakrise ist auch eine psychologische Krise“

Viele vorwiegend junge Menschen sorgen sich um das Klima und ihre Zukunft. Auch Psychologen werden immer öfter mit Klimaangst konfrontiert.

Der Klimawandel macht vielen Menschen Angst, laut einer in 14 Industrienationen durchgeführten Studie vom Pew Research Center haben sogar mehr Menschen Angst vor dem Klimawandel als vor Pandemien. Im RND-Podcast „Klima und wir“ sprechen Lea Dohm und Katharina van Bronswijk, die Gründerin und die Pressesprecherin der Psychologists for Future, über Klimaangst und darüber, wie man sie bewältigen kann und warum der Schlüssel zum Verständnis der Klimakrise in der menschlichen Psyche liegt.

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Bei der Klimakrise haben wir es doch eigentlich mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu tun. Wie passt da die Psychologie ins Bild?

Katharina van Bronswijk: Die Klimakrise ist auch eine psychologische Krise, weil sie menschengemacht ist. Immer wenn Menschen beteiligt sind, ist etwas auch relevant für die Psychologie. Wie man die Krise erlebt, hängt davon ab, wie stark man betroffen ist oder sich betroffen fühlt. Zum einen kann es sein, dass man selbst Extremwetterereignisse erfährt und als traumatisch wahrnimmt.

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Wie man die Krise erlebt, hängt davon ab, wie stark man betroffen ist oder sich betroffen fühlt.

Katharina van Bronswijk

Wir können uns aber auch in unserer Empathie angesprochen fühlen und mit anderen Leuten mitfühlen. Das erzeugt natürlich auch eine Handlungsnotwendigkeit: Wir haben das Bedürfnis, zu helfen oder etwas zu verändern, damit es nicht noch mal passiert.

Die Krise vor unserer Haustür

Trotzdem verdrängen viele die Krise. Welche Widerstände halten uns denn vom Handeln ab?

Van Bronswijk: Am einfachsten ist es, sich mit dem Problem nicht zu beschäftigen, weil es unangenehm ist. Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen die Klimakrise noch nicht als akut bedrohlich wahrnehmen. Psychologische Nähe entsteht erst, wenn sich etwas zeitlich, räumlich und persönlich nah an uns dran anfühlt. Das ist etwas, was wir bei der Klimakrise erst in den vergangenen Jahre erleben – dass sie eben schon vor unserer Haustür angekommen ist.

Als Menschen haben wir leider nur einen begrenzten Pool an Aufmerksamkeit. Gerade jetzt in der Corona-Krise droht die Klimakrise wieder hintenüber zufallen.

Lea Dohm

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Lea Dohm: Als Menschen haben wir leider nur einen begrenzten Pool an Aufmerksamkeit. Gerade jetzt in der Corona-Krise droht die Klimakrise wieder hintenüber zufallen, weil sie sich mitunter wie etwas anfühlen mag, das sich aufschieben ließe. Das ist aber nicht der Fall.

Die Psychologinnen Lea Dohm (links) und Katharina van Bronswijk beraten bei den Psychologists for Future Aktivistinnen und Aktivisten mit Klimaangst.

Die Psychologinnen Lea Dohm (links) und Katharina van Bronswijk beraten bei den Psychologists for Future Aktivistinnen und Aktivisten mit Klimaangst.

Wie kommen wir aus diesem Dilemma wieder raus?

Dohm: Wir müssen uns immer wieder Brücken in den Alltag schlagen und uns fragen: Was bedeutet es für mich, für meine Kinder, für Versicherung, Finanzplanung, Altersvorsorge etc.? Wenn wir es dann wagen, anzufangen und auf der individuellen Ebene etwas zu verändern, tun sich oft enorme Nachahmereffekte auf. Aber dafür braucht es auch ein bisschen Mut.

Van Bronswijk: Es geht aber nicht nur darum, dass wir uns als Einzelpersonen mit dem Thema beschäftigen. Eine Stärke von uns Menschen ist, dass wir uns in einem politischen System organisieren, und da gehört die Klimakrise hin.

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Dohm: Richtig. In unseren gesellschaftlichen Rahmenbedingungen CO₂-frei zu leben ist sehr schwierig, wenn man sich nicht in eine Außenseiterposition katapultieren will. Ohnehin ist das Handeln, das viele bereits versuchen, oft unzureichend. In der Psychologie nennt man dieses Phänomen Single Action Bias: Eine einzelne Handlung reicht aus, um uns besser zu fühlen – zum Beispiel dienstags kein Fleisch mehr zu essen. Das ist natürlich aller Ehren wert, wird der Dimension des Problems aber nicht gerecht.

Einzelne Handlungen reichen nicht aus

Die Psychologists for Future sind da der bessere Weg?

Dohm: Als Psychologinnen for Future klären wir über diese menschliche Neigung auf und machen deutlich, dass wir ein breites kollektives Handeln brauchen, das nicht auf einzelne Tage oder Wochen beschränkt ist, sondern ab sofort beginnt und dauerhaft erhalten bleibt.

Sie wollen mehr erfahren über die Psychologie der Klimakrise, den Unterschied von Verdrängen und Leugnen – und wie der Kampf fürs Klima trotzdem funktionieren kann?

Das Interview in voller Länge hören Sie im RND-Podcast „Klima und wir“ auf Spotify und überall da, wo es Podcasts gibt. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Dienstag. Weitere Informationen finden sie auch auf unserem „Klima und wir“-Instagram-Kanal.

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