Ein Nachteil für Radler ist ihre Überheblichkeit

Wladimir Kaminer ist Schriftsteller in Berlin. Sein jüngstes Buch heißt „Goodbye, Moskau: Betrachtungen über Russland“. Er schreibt zudem regelmäßig als Kolumnist für das RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Wladimir Kaminer ist Schriftsteller in Berlin. Sein jüngstes Buch heißt „Goodbye, Moskau: Betrachtungen über Russland“. Er schreibt zudem regelmäßig als Kolumnist für das RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Berlin. Das Fahrrad ist ein perfektes Fortbewegungsmittel für die Großstadt. Die Radfahrer stehen nicht im Stau, sie können jederzeit auf den Bürgersteig wechseln und müssen die Ampel nicht so genau beachten. Außerdem brauchen sie nicht zu tanken, und die verzweifelte Suche nach einem Parkplatz bleibt dem Radfahrer auch erspart. Man kann das Rad unter jeden Baum, jeder Straßenlaterne parken. So dachte ich, als ich vor über 20 Jahren nach Berlin kam. Inzwischen habe ich die Nachteile des Radfahrens kennengelernt.

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Der erste Nachteil ist der Autofahrer, der natürliche Feind des Radfahrers. Er weiß nicht, dass die Radfahrer nach eigenen liberalen Verkehrsregeln fahren. Sie können jederzeit die Spur wechseln oder plötzlich stehen bleiben, um nach dem Kind im Anhänger zu schauen – ob es noch da ist.

Unter Alkoholeinfluss lässt es sich besser radeln

Der zweite Nachteil ist die Überheblichkeit der Radler. Viele denken, dass sie unter Alkoholeinfluss noch viel besser als nüchtern in die Pedale treten können. Das wäre bei einem Dreirad sicher der Fall, bei einem Zweirad aber können sie das Gleichgewicht nicht halten und fallen um. In der Regel tragen sie keinen Helm (wer will schon wie eine komische Playmobil-Figur aussehen?), die Haare sollen beim Fahren im Wind flattern. Ergebnis: kaputte Knochen, Krankenhaus, Gips. Die meisten vergipsten Berliner sind vom Fahrrad gefallen.

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Und dann ist da noch der Fahrraddieb. Kaum ein Rad bleibt länger als ein Jahr beim gleichen Besitzer. Egal, wie dick das Schloss ist, niemand kann sich sicher sein, dass er morgens sein Rad findet. Eine Ausnahme ist mein Sohn. Er liebt sein Fahrrad so sehr, dass er es überall mit hinträgt. Wenn er Freunde besucht, wissen sie, dass er nicht allein kommt, sondern mit seinem Rad auf der Schulter. Er traut keinem Schloss. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sagt er.

Von Wladimir Kaminer/RND

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