EU warnt vor mehr multiresistenten Keimen

Die EU warnt davor zu viele Antibiotika unkontrolliert einzunehmen.

Die EU warnt davor zu viele Antibiotika unkontrolliert einzunehmen.

Brüssel. Die EU-Kommission warnt eindringlich vor der Zunahme gefährlicher Erreger, gegen die gleich mehrere Antibiotika nicht mehr wirken. „Angesichts von 25.000 Toten pro Jahr und 1,5 Milliarden Euro an Gesundheitskosten und Produktionseinbußen in der EU, brauchen wir eine robuste Informationskampagne mehr denn je“, erklärte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis am Mittwoch. Anlass war der zehnte europäische Antibiotika-Aktionstag.

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Keime könnten tödlicher werden als Krebs

Da Keime zunehmend sogar gegen Reserve-Antibiotika resistent seien, drohe eine Zukunft, in der große Operationen oder Organverpflanzungen nicht mehr möglich sein könnten. Im Jahr 2050 könnte dies alle drei Sekunden einen Menschen töten und damit häufiger als Krebs, hieß es weiter. Diese „unvorstellbare Zukunft“ müsse abgewendet werden.

Wie das Europäische Präventionszentrum ECDC mitteilte, nahmen sogenannte Multiresistenzen zwischen 2013 und 2016 unter anderem bei dem weit verbreiteten Darmkeim Escherichia coli zu. Die Entwicklung sei besorgniserregend, weil es für Patienten, die mit solchen Keimen infiziert sind, kaum noch Behandlungsoptionen gebe.

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Woher kommen die multiresistenten Keime?

Als Ursache von Resistenzen gilt, dass bakterienbekämpfende Antibiotika zu häufig und oft falsch eingesetzt werden. Durch Genmutationen entwickeln sich die Keime so weiter, dass ihnen die Medikamente nichts mehr anhaben können. Multiresistent heißt, dass mehrere unterschiedliche Mittel nicht mehr wirken, in einigen Fällen sogar fast keine der verfügbaren Antibiotika.

Wissenschaftler mahnen deshalb seit Jahren, die Mittel nur sparsam und gezielt einzusetzen und nicht etwa flächendeckend zur Vorbeugung in der Viehzucht. Patienten wird geraten, Antibiotika wie verordnet bis zum Schluss zu nehmen, um bei einer Krankheit wirklich alle schädlichen Bakterien abzutöten. Gleichwohl sehen die Wissenschaftler auch Lichtblicke. Bei dem weit verbreiteten Bakterium Klebsiella pneumoniae, das Atem- und Harnwegserkrankungen auslösen kann, stabilisiere sich beispielsweise die Lage.

Von Verena Schmitt/dpa/RND

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