Gegen das Artensterben: Vogelgezwitscher stürmt australische Albumcharts

In Australien sind mehr als 200 Vogelarten vom Aussterben bedroht – unter anderem der Laubenvogel. Das Projekt „Songs of Disappearance“ will darauf aufmerksam machen.

53 zwitschernde Vogelarten machen derzeit Stars wie The Weeknd und Michael Bublé Konkurrenz: Ein Album voller Vogelgesänge ist auf Platz eins der Albumcharts in Australien gelandet. Laut Australian Recording Industry Association (ARIA), die die Musikcharts in Australien ermittelt, ist das Album in den internationalen Charts derzeit auf Platz drei. Damit haben die Vögel bekannte Musikerinnen und Musiker wie ABBA, Justin Biber und Taylor Swift bereits überholt. Stürzen sie auch Ed Sheeran und Adele von der Spitze?

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Bereits am 3. Dezember ist das Album „Songs of Disappearance“ erschienen und bekommt immer mehr Aufmerksamkeit. 53 in Australien bedrohte Vogelarten sind darauf zu hören: vom australischen Palmkakadu, dem südlichen Borkenkauz bis hin zum purpurköpfigen Feenzaunkönig. Das Projekt war in Zusammenarbeit mit dem Naturfotografen David Stewart von Nature Sound, dem Bowerbird Collective, der Vogelschutzorganisation BirdLife Australia, der Charles Darwin University und Mervyn Street von Mangkaja Arts entstanden.

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Eine von sechs Vogelarten in Australien bedroht

David Stewart hat als Tontechniker für Wildtiere in den vergangenen 36 Jahren Australien bereist, um natürliche Vogel-, Frosch- und Säugetiergeräusche aufzunehmen. Die Songs daraus hat Anthony Albrecht produziert, der an der Charles Darwin University in Australien promoviert und mit dem Bowerbird Collective klassische Musik mit Vogelgeräuschen komponiert. Mit dem Projekt wollen sie dem „Aktionsplan für Australische Vögel 2020“, den BirdLife Australia und die Charles Darwin University herausgegeben hatten, Aufmerksamkeit verschaffen. Die Studie zeigt, dass es heute 216 bedrohte Vogelarten in Australien gibt. Vor etwa zehn Jahren waren es noch 195 gewesen.

„Die australische Öffentlichkeit muss auf die katastrophale Situation aufmerksam gemacht werden, in der sich unsere einzigartige Tierwelt befindet. Mit ‚Songs of Disappearance‘ stellen wir die Stimmen von Arten vor, die bald für immer verschwinden könnten“, so Anthony Albrecht. Einer der besonderen Rufe ist laut Albrecht der Nachtpapagei, weil er so selten aufgenommen worden sei. „Nur wenige Menschen haben je eine dieser Vogelstimmen gehört.“ Das Album enthält 54 Lieder mit 53 unterschiedlichen Vogelarten. Im Titeltrack, den Simone Slattery von Bowerbird Collective arrangierte, sind alle 53 Vogelarten der CD zu hören.

Inspiriert waren die Initiatoren nach eigenen Angaben unter anderem von „Let Nature Sing“ aus dem Jahr 2019. Auch bei diesem Projekt war Musik mit dem Aktivismus für Vogelschutz kombiniert worden. Die zweieinhalbminütige Komposition aus Vogelgeräuschen hatte damals Platz eins der Charts in Großbritannien und Nordirland erreicht.

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Mit ihrem Projekt haben Albrecht, Stewart und Co. bald noch größeren Erfolg. Ein wichtiger Faktor: Vor allem durch die Nutzung von sozialen Netzwerken hatte die Aktion viel Aufmerksamkeit erlangt. Auf Twitter gab BirdLife Australia derweil bekannt, dass alle CDs bereits ausverkauft seien. Allerdings ist das Album auf der Website songsofdisappearance.com zum Download verfügbar. Die Erlöse sollen in den Vogelschutz fließen.

Auch in Deutschland verändert sich der Vogelgesang

Laut einer im November 2021 erschienen Studie geht aufgrund der veränderten Landnutzung und der Klimakrise auch in Europa und Nordamerika die Zahl der Vögel zurück. Ein internationales Forscherteam, an dem auch die Universität Göttingen vertreten war, kombinierte weltweit führende Daten aus der Vogelbeobachtung durch Bürgerwissenschaftler mit Tonaufnahmen einzelner Arten in freier Wildbahn. Daraus erstellten sie sogenannte Klanglandschaften von mehr als 200.000 Orten in den letzten 25 Jahren.

Die Studie zeigt, dass sich die Geräusche des Frühlings verändern: Die Chöre in der Morgendämmerung werden in Nordamerika und Europa leiser und weniger abwechslungsreich. Professor Johannes Kamp, Leiter der Abteilung Naturschutzbiologie an der Universität Göttingen, erklärt: „In Deutschland haben wir große Populationen von Arten mit charakteristischen Stimmen wie der Feldlerche und dem Kiebitz verloren, Klänge, die die Freude am Frühling symbolisieren.“

Die Forscher aus Göttingen arbeiten eng mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) zusammen. Der DDA ist der Zusammenschluss aller landesweiten und regionalen ornithologischen Verbände in Deutschland. Er vertritt damit etwa 11.000 Feldornithologen und Vogelbeobachter.

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„Wir müssen den Rückgang der Vogelpopulationen stoppen“, sagt Sven Trautmann vom DDA. Die heutigen verarmten Klanglandschaften würden, so Trautmann, von der jüngeren Generation bereits als normal empfunden. „Wir können eine weitere Verschlechterung nicht zulassen, ohne negative Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit zu riskieren.“

Der positive Effekt von Geräuschen aus der Natur

Denn, das haben zahlreiche Studien bereits gezeigt, Naturgeräusche wie Vogelgesang können sich positiv auf die menschliche Psyche auswirken. So kam etwa eine Studie aus dem Jahr 2017 zu dem Ergebnis, dass Naturerlebnisse, insbesondere dabei die Vegetation und Vogelgeräusche am Nachmittag, zu einer geringeren Häufigkeit von Depressionen, Ängsten und Stress führten.

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2018 beschäftigte sich umfassend damit, inwiefern verschiedene Vogelstimmen mit Erholung von Stress und Müdigkeit in Verbindung gebracht werden. Probandinnen und Probanden bewerteten 50 Vogelstimmen nach ästhetischen Eigenschaften und schätzten ein, wie gut sie sich durch die Geräusche erholen können. Demnach hatten Schallpegel, Obertöne und Frequenzen sowie die Wahrnehmung von der Komplexität des Geräusches, die Vertrautheit und bestimmte Muster erheblichen Einfluss auf die Bewertung der Töne.

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Ob das den Erfolg der kleinen „Zwitscherboxen“ erklärt, die sich inzwischen in immer mehr Toiletten und Badezimmern in deutschen Haushalten finden? Per Bewegungsmelder wird der Gesang von Vögeln aus den kleinen Boxen ausgelöst, der etwa zwei Minuten anhält.

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RND

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