„Geniales Werkzeug“: Deutscher Benjamin List erhält Chemie-Nobelpreis

Die Illustration zeigt Benjamin List (l.) und David W. C. MacMillan. Der Nobelpreis für Chemie geht an sie für Methoden zur Beschleunigung chemischer Reaktionen.

Die Illustration zeigt Benjamin List (l.) und David W. C. MacMillan. Der Nobelpreis für Chemie geht an sie für Methoden zur Beschleunigung chemischer Reaktionen.

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Deutschen Benjamin List und den in Schottland geborenen US-Forscher David W.C. MacMillan für Methoden zur Beschleunigung chemischer Reaktionen. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit.

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Die Chemiepreisträger des Jahres hätten ein neues und „geniales Werkzeug“ für den Aufbau von Molekülen entwickelt, die Organokatalyse, hieß es. Sie werde für die Erforschung neuer Arzneimittel eingesetzt und habe auch dazu beigetragen, die Chemie umweltfreundlicher zu machen. Die Organokatalyse habe sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit entwickelt. Mithilfe dieser Reaktionen könnten Forscher nun vieles effizienter herstellen, von neuen Arzneimitteln bis hin zu Molekülen, die Licht in Solarzellen einfangen können.

2021: Gleich zwei Nobelpreise für deutsche Forschende

Benjamin List, 53 Jahre alt, ist der Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr und stammt aus Frankfurt am Main. Die Forschungsgemeinschaft beglückwünschte den Wissenschaftler direkt nach der Verkündung:

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List und MacMillan haben der MPG zufolge in ihren Arbeiten zur asymmetrischen Katalyse erstmals festgestellt, dass sich kleine organische Moleküle als Vermittler chemischer Reaktionen eignen. Zuvor ging die Wissenschaft davon aus, dass ausschließlich Enzyme und Metalle, darunter oft giftige Schwermetalle oder teure und seltene Edelmetalle chemische Reaktionen beschleunigen und in eine gewünschte Richtung lenken können.

List ist schon der zweite deutsche Wissenschaftler unter den bisher verkündeten Nobelpreisträgern: Der Hamburger Meteorologe Klaus Hasselmann teilt sich in diesem Jahr die eine Hälfte des Physik-Nobelpreises mit dem in Japan geborenen US-Amerikaner Syukuro Manabe, die andere Hälfte geht an den Italiener Giorgio Parisi. Sie werden für ihre Beiträge zur Erforschung des Klimas und anderer komplexer Systeme ausgezeichnet.

„Ich fühle mich zutiefst geehrt“, sagte Benjamin List, den das Schwedische Komitee direkt telefonisch erreichen und zur Verkündung des Preises zuschalten konnte. Er sei gerade mit seiner Frau im Urlaub und dabei gewesen zu frühstücken, als der Anruf aus Schweden kam. „Ich dachte, jemand macht einen Witz“, sagte er. Das sei eine Überraschung gewesen.

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Dotiert sind die Nobelpreise in diesem Jahr erneut mit 10 Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) pro Kategorie. Vergangenes Jahr hatten sich die in Berlin arbeitende Französin Emmanuelle Charpentier und die US-Amerikanerin Jennifer A. Doudna den Chemie-Nobelpreis geteilt. Sie waren für die Entwicklung einer Genschere zur gezielten Erbgutveränderung ausgezeichnet worden.

Nobelpreis-Woche ist noch nicht zu Ende

Schon am Montag war ebenfalls in Stockholm bekannt gegeben worden, dass der Medizin-Nobelpreis an David Julius aus den USA und den im Libanon geborenen Ardem Patapoutian geht. Die beiden Forscher haben Zellrezeptoren entdeckt, über die Menschen Temperaturen und Berührungen wahrnehmen. Der Nobelpreis für die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe ist damit in diesem Jahr ausgeblieben.

Nach Medizin, Physik und Chemie folgen am Donnerstag und Freitag noch die Nobelpreis-Bekanntgaben in den Kategorien Literatur und Frieden. Am Montag werden dann zum Abschluss die Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften verkündet. Verliehen werden die Nobelpreise allesamt traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamiterfinder Alfred Nobel (1833–1896).

RND/she/dpa

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