„Ihr fehlt uns!”: Was macht einen guten Lehrer (in Corona-Zeiten) aus?

Möglich ist einiges: Beim Homeschooling ist die Kreativität der Lehrer gefragt, um den persönlichen Kontakt zu den Schülern zu halten, wie hier im Videochat.

Möglich ist einiges: Beim Homeschooling ist die Kreativität der Lehrer gefragt, um den persönlichen Kontakt zu den Schülern zu halten, wie hier im Videochat.

Die ersten Wochen nach der Schulschließung hörte Elena gar nichts von ihren Lehrern. Anfangs freute sich die 15-Jährige. Schließlich wusste sie, dass Freunde von anderen Schulen bereits jede Menge Aufgaben bekommen hatten. Doch dann war sie enttäuscht. „Auf Mathe und Französisch kann ich gut verzichten“, sagt sie, „aber so gar nichts von meinen Lehrern zu hören, nicht mal von meiner Klassenlehrerin, das fand ich krass. Sie hätten doch mal eine Mail oder WhatsApp schreiben können, fragen, wie es uns geht oder so“, sagt Elena.

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„Recht hat sie“, sagt Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) e.V., dem Fachverband der Erziehungs- und Familienberatung in Deutschland in Fürth. „Lernen ist Beziehungsarbeit“, so der Sozialpädagoge. „Lehrer müssen sich gerade jetzt in diesen Zeiten überlegen, wie sie eine persönliche Ansprache hinbekommen, wenn sie die Kinder mitnehmen wollen.“

Ein guter Lehrer muss Kinder gern haben, er muss für sein Fach brennen und seine Schüler begeistern können. Daran hat auch die Pandemie nichts geändert.

Ulric Ritzer-Sachs, Sozialpädagoge bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke)

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Kreativität ist gefragt

Kreativität und Ideenreichtum sind dabei keine Grenzen gesetzt – und es gibt zahlreiche positive Beispiele: Der Mathelehrer schreibt seinen Schülern ein paar aufmunternde Worte und legt seinen Briefen (postalisch!) ein Täfelchen Schokolade als Nervennahrung bei, die Erdkundelehrerin wird nicht müde, ihre Klasse dafür zu loben, wie toll sich diese unter ihrer fernmündlichen Anleitung, aber eben doch auch ganz eigenständig Erdbeben und Vulkane erarbeitet hat, und die Dorfschullehrerin macht sich auf, um an den Türen ihrer Schüler zu klingeln und einen kurzen, persönlichen Klönschnack auf Distanz zu halten. „Das kann man von Lehrern an großen, weiterführenden Schule so nicht erwarten“, findet Ritzer-Sachs, „aber die Schüler nacheinander anzurufen und sich zu erkundigen, wie es ihnen so ergeht, das kann doch eigentlich jeder Klassenlehrer leisten.“

Schüler brauchen den persönlichen Zuspruch - gerade jetzt!

Den persönlichen Kontakt zu halten, sollte also jeder Klassenlehrer leisten können. Es macht aber nicht jeder. Benjamins Mathelehrer brauchte vier Tage, um ihm auf seine Mail zu antworten, als es bei der Lösung einer linearen Gleichung hakte. Der Schüler berichtet das so schulterzuckend wie gleichmütig, als hätte er nichts anderes erwartet. Und so ist es in Zeiten der Corona-Pandemie nicht anders als es immer war: Es gibt engagierte Lehrer und weniger engagierte. Der Unterschied ist nur, dass Kinder und Jugendliche Ansprache, Zuspruch, Lob, Verlässlichkeit und auch Optimismus und Zuversicht ihrer Lehrer mehr benötigen als vorher. Denn das Verhältnis zu Geschwistern und Eltern ist oft angespannt. Das berichtet auch Ritzer-Sachs aus seiner Online-Beratung für Jugendliche ab 14 Jahren. „Die meisten wären heilfroh, wieder zur Schule gehen zu können“, berichtet der Sozialpädagoge. „Dieses enge Aufeinandersitzen, die 100-prozentige Kontrolle der Eltern, das macht es schwierig.“

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Wie schön ist es da, wenn ein digitaler, musikalischer Videogruß ins Haus flattert, wie es die Schüler der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover erlebt haben. Ihre Lehrer spielten für sie Zuhause den Song „Something like this“ des DJ-Duos Chainsmokers, featuring Coldplay. Die Botschaft der Gesamtschullehrer an Gitarre, Schlagzeug und Mikrofon: „Wir bereiten uns kreativ darauf vor, Euch bald wiederzusehen. Ihr fehlt uns. Bliebt gesund.“

Geht doch: Ein musikalischer Lehrer-Video-Gruß an die SchülerInnen

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Neuer Unterricht kann Schüler sogar stärken

„Ihr fehlt uns“ - solche Sätze verbinden und spornen an. Und darum geht es in der Lehrer-Schüler-Beziehung. Erst recht in einsamen Stunden am Schreibtisch. Denn das Homeschooling verlangt den Schülern einiges ab: Sie müssen sich ihren Tag strukturieren, sich disziplinieren und deutlich selbstständiger als bisher Themen erarbeiten. Gelingt es Lehrern, die Freude am Lernen auch aus der Ferne zu erzeugen, so kann der neue Unterricht Schüler sogar stärken. Doch das scheint eher die Ausnahme. Einer aktuellen Befragung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge verbringen trotz der Bereitstellung von digitalem Lehrmaterialien mehr als ein Drittel der Schüler der gymnasialen Oberstufen täglich weniger als zwei Stunden mit dem digitalen Unterricht Zuhause.

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Schulcloud, W-LAN, Videokonferenzen: Die viel diskutierte Qualität der digitalen Tools, mit denen Unterricht auf Distanz gestaltet wird, ist ohne Frage wichtig. Entscheidender als die strukturellen Rahmenbedingungen sind aber die Lehrer selbst. Das wissen Eltern und Schüler nicht erst seit der renommierte neuseeländische Bildungsforscher John Hattie 2009 in einer großen Studie aus mehr als 800 Metaanalysen herausfand: „Auf den Lehrer kommt es an.“

Eigentlich ist es ganz einfach, sagt Ritzer-Sachs: „Ein guter Lehrer muss Kinder gern haben, er muss für sein Fach brennen und seine Schüler begeistern können. Daran hat auch die Pandemie nichts geändert."

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