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Kolumne „Von oben gesehen“

Kein Platz im All? Warum Weltraumtouristen kein Problem, sondern eine Chance sind

Noch bis vor einigen Jahren galt der kommerzielle Besuch des Weltraums als Utopie. Das hat sich nun geändert.

Als leidenschaftliche Raumfahrtbegeisterte habe ich es mir in den letzten Jahren zur Gewohnheit gemacht, einen Überblick zu haben, wer sich aktuell im All befindet. Seit einigen Monaten fällt mir aber auf, dass ich vor lauter kommerziellen Missionen, sei es suborbital oder noch höher hinaus, nicht mal mehr grob weiß, wie viele Menschen bereits im All waren. Ein Flug jagt den nächsten, und eines ist klar: In den kommenden Jahren werde ich meine Gewohnheit nicht aufrechterhalten können. Droht das Weltall dank der Kommerzialisierung zu überlaufen?

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Dass es jetzt neue Möglichkeiten gibt, den bisher nur einigen wenigen privilegierten Menschen zugänglichen Weltraum zu erreichen, ist absolut begrüßenswert. Hayley Arceneaux, die mit einer kommerziellen Crew über SpaceX ins All geflogen ist, wäre mit ihrer früheren Krebserkrankung sicher nicht durch ein Bewerbungsverfahren der klassischen Raumfahrtagenturen gekommen. Und auch die Pilotin Wally Funk, die schon in den 1960ern als Teil der Mercury 13 das Ziel Weltall ins Auge fasste, aber nie als Teil der Nasa ins All fliegen durfte, konnte sich auf einem Suborbitalflug den Lebenstraum erfüllen: einmal die Erde von oben sehen – und gleichzeitig mit ihren 82 Jahren den Rekord für den ältesten Menschen im All knacken.

Touristinnen und Touristen brauchen Betreuung auf der ISS

Natürlich gehen mit der zunehmenden Kommerzialisierung einige neue Herausforderungen einher: So brauchen Besucher und Besucherinnen auf der Raumstation eine gewisse Begleitung – das hat auch Esa-Astronaut Maurer nach dem Besuch der AX-1-Mission im April deutlich betont: „Im Endeffekt mussten wir sie sehr stark unterstützen, das hat natürlich für uns bedeutet: Unsere Arbeit blieb liegen“, sagte er auf einer Pressekonferenz nach seiner Rückkehr zur Erde.

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Die Nasa hat deshalb bereits die Preise für kommerzielle Besuche auf der Raumstation erhöht: Wer in Zukunft auf der Raumstation nicht nur Purzelbäume schlagen will, sondern Experimente durchführen möchte, wird für die Einbindung in die bestehenden Arbeitsabläufe zahlen müssen. Umgekehrt ist dann die Betreuung durch die bestehende Besatzung ganz einfach eine zu erbringende Dienstleistung der Berufsastronauten und -astronautinnen. Der Alltag eines Berufsastronauten oder einer Berufsastronautin, in Zukunft also weniger McGyver, mehr Mary Poppins? Es wäre nicht der erste Beruf, der sich im Laufe der Zeit verändert. Und zum Glück sind Astronautinnen und Astronauten ja auch qua Beruf sehr anpassungsfähig.

Kommerzielle Wissenschaftsmissionen auf der Raumstation werden zukünftig ein fester Bestandteil der astronautischen Raumfahrt sein. Auch ich trainiere aktuell als kommerzielle Wissenschaftsastronautin, mit dem Ziel, eine zweiwöchige Forschungsmission auf der Raumstation zu absolvieren.

Vielfältige Chancen für Innovationen

Aber kann man auch während eines zehnminütigen Suborbitalflugs wissenschaftlich arbeiten? Forschen unter Weltraumbedingungen kann man sogar hier auf der Erde: Im 146 Meter hohen Fallturm in Bremen nutzen Forschende 4,74 Sekunden, auf Parabelflügen sind es immerhin schon 20 Sekunden pro Parabel. Ein Suborbitalflug ermöglicht also eine deutliche Steigerung – und auf den unbesetzten Testflügen einiger suborbitalen Anbieter sind sogar schon wissenschaftliche Projekte geflogen. Auch hier bieten sich in Zukunft also vielfältige Chancen für Innovationen.

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Selbst wenn es also in den kommenden Jahren voller wird im All: Die kommerziellen Entwicklungen in der astronautischen Raumfahrt sind also nicht nur eine neue Spielwiese für Milliardärinnen und Millardäre. Und auch dann, wenn sich ein Milliardär oder eine Milliardärin „einfach so“ einen Platz auf einem Suborbitalflug kauft, anstatt wie Berufsastronautinnen und -astronauten jahrelang für einen sechsmonatigen Aufenthalt zu trainieren – letztendlich gibt es doch eine große Gemeinsamkeit: die Sehnsucht nach dem Unbekannten.

Insa Thiele-Eich ist Meteorologin und forscht an der Universität Bonn an den Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Gesundheit. Seit 2017 trainiert sie im Rahmen der Initiative „Die Astronautin“ als Wissenschaftsastronautin für eine zweiwöchige Mission auf der Internationalen Raumstation – und wäre damit die erste deutsche Frau im All. Hier schreibt sie alle zwei Wochen über Raumfahrt, den Klimawandel und die faszinierende Welt der Wissenschaft.

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