Mehr als 90 Prozent der Riffe betroffen

„Es ist noch nicht zu spät“: Kann das Great Barrier Reef noch gerettet werden?

Korallen stehen auf Felsen des Great Barrier Reef vor Australien (Aufnahmedatum unbekannt). Immer mehr Korallenbänke mutieren zu einer Art unterseeischem Geisterwald.

Korallen stehen auf Felsen des Great Barrier Reef vor Australien (Aufnahmedatum unbekannt). Immer mehr Korallenbänke mutieren zu einer Art unterseeischem Geisterwald.

Brisbane. Wer in den Ozean vor der Nordostküste Australiens eintaucht, erlebt sprichwörtlich sein blaues Wunder: Ob tropische Fischschwärme, Buckel- und Zwergwale, Meeresschildkröten, Haie, Rochen, bunte Korallen oder sanft schwingende Seeanemonen - das Great Barrier Reef gilt mit seiner Vielfalt an faszinierenden Lebewesen als eines der atemberaubendsten Naturwunder des Planeten. Aber immer mehr Korallenbänke mutieren zu einer Art unterseeischem Geisterwald: Statt sich in ihrer Farbenpracht gegenseitig zu übertrumpfen, verlieren die Nesseltiere plötzlich ihre Couleur und stehen fahl und weiß da.

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Das weltgrößte Riff, das sogar aus dem Weltraum zu sehen ist, ist wegen der Meereserwärmung zunehmend in Gefahr - und immer häufiger von extremen Korallenbleichen betroffen. „Die Zukunft des Great Barrier Reef steht auf Messers Schneide, aber es ist noch nicht zu spät, es zu retten“, sagte Anna Marsden, Direktorin der Stiftung „Great Barrier Reef Foundation“, anlässlich des Welttags der Ozeane am 8. Juni.

Weiß verblichene Korallen stehen auf einem Felsen des Great Barrier Reef vor Australien (Aufnahmedatum unbekannt).

Weiß verblichene Korallen stehen auf einem Felsen des Great Barrier Reef vor Australien (Aufnahmedatum unbekannt).

Opfer und zeitgleich größte Hoffnung

Die Erde ist zu 70 Prozent mit Wasser bedeckt. Für das Überleben der Menschheit sind die Meere von immenser Bedeutung: Sie produzieren nicht nur viel Sauerstoff, sondern sind auch Quelle für Nahrung, Rohstoffe und Energie. Gleichzeitig leiden sie extrem unter dem Klimawandel, wie das Beispiel Great Barrier Reef zeigt. „Die Ozeane sind Opfer der Erderwärmung und gleichzeitig unsere größte Hoffnung“, schreibt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

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Schon im März warnten Expertinnen und Experten angesichts wärmerer Meerestemperaturen vor einer erneuten schweren Korallenbleiche am Great Barrier Reef. Seit Mai ist klar: Mehr als 90 Prozent der Riffe sind bereits betroffen. Es ist die vierte massive Bleiche seit 2016.

Direktorin: „Sie leben noch“

„Korallenbleichen wurden in allen drei Regionen des Riffs gemeldet, und das Ausmaß reicht von mäßig bis schwer“, sagte Stiftungsleiterin Marsden der Deutschen Presse-Agentur. Die Korallen stoßen bei schwierigen Bedingungen die für die Färbung sorgenden Algen ab, mit denen sie sonst zusammenleben. Gebleichte Korallen sind extrem gestresst, aber - und das ist die gute Nachricht - sie leben noch. „Wenn die Ursache ihres Stresses beseitigt wird und es beispielsweise kühler wird, ist es Korallen möglich, sich zu erholen.“

Der Klimawandel ist die mit Abstand größte Bedrohung für das Great Barrier Reef und die Korallenriffe weltweit. Oft kommen aber noch andere Faktoren hinzu - so auch in Australien. „Schlechte Wasserqualität, korallenfressende Dornenkronen-Seesterne sowie Wirbelstürme und Unwetter sind ebenfalls Teil einer wachsenden Kombination von Bedrohungen“, so Marsden.

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Hitzetoleranz, Kühlung und Probiotika

Expertinnen und Experten suchen intensiv nach Lösungen. „Wir können das Great Barrier Reef für kommende Generationen retten, und wir bringen die klügsten Köpfe und die beste Wissenschaft zusammen, um genau das zu tun“, betonte Marsden. Dabei seien bereits Erfolge erzielt worden. Unter anderem zu Wegen, hitzetolerantere Korallen zu züchten und Korallenbleichen durch Kühlung und Beschattung zu verhindern. Außerdem weisen Studien darauf hin, dass Korallen durch das Verabreichen von Probiotika widerstandsfähiger gegen Umweltbelastungen gemacht werden könnten.

Das Great Barrier Reef sei zwar stark in Mitleidenschaft gezogen, aber noch lange nicht tot, betont die Marineparkbehörde (GBRMPA). „Berichte, die sich darauf konzentrieren, „wie viel vom Riff gestorben ist“, implizieren Endgültigkeit“, heißt es auf der Webseite. Es handele sich aber um rund 3000 Riffe, die sich über 14 Breitengrade verteilten - und somit nicht um ein einzelnes Lebewesen, sondern ein enormes Ökosystem. „Das Gebiet ist größer als Großbritannien, die Schweiz und die Niederlande zusammen.“

RND/dpa

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