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„Quallenblüten im Mittelmeer immer öfter und stärker“

Quallenplagen in Europa: Vor diesen Arten müssen Sie sich in Acht nehmen

Die Lungenqualle tritt immer wieder massenhaft vor Norditaliens Stränden auf.

Im norditalienischen Triest hat in diesem Frühjahr eine Quallenplage den Feriengästen das Badevergnügen verdorben: Riesige Lungenquallen von mehr als einem halben Meter Durchmesser überschwemmten das Hafenbecken und sammelten sich vor den Stränden. Seit einiger Zeit werden an der Adria immer wieder Tausende Medusen angetrieben.

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An solche Quallenblüten, wie man das massenhafte Auftreten der Tiere auch nennt, müssen sich Europas Urlaubsländer gewöhnen. Schuld hieran ist auch die Erwärmung der Meere. Die allermeisten Arten, die in Europa vorkommen, sind dabei zwar nicht wirklich gefährlich. Auch die Berührung einer Lungenqualle führt meist nur zu leichteren Hautirritationen. Einige Quallen können Badenden jedoch auch schmerzhafte Verletzungen zufügen.

Mit Qualleninvasionen müssen wir in Zukunft häufiger rechnen, sagt Philipp Kanstinger, Meeresbiologe und Fischereiexperte bei der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF). „Es gibt insgesamt erst wenige gute Langzeitwerte. Aber was das Mittelmeer angeht, hat sich in den letzten 30 bis 50 Jahren gezeigt, dass Quallenblüten dort immer öfter vorkommen und stärker ausfallen“, sagt Kanstinger.

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Steigende Wassertemperatur führt zur Ausbreitung von Quallen

Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel sei hierbei wahrscheinlich. So könnten sich im Mittelmeer durch steigende Wassertemperaturen solche Quallenarten stärker ausbreiten, die warme Gewässer bevorzugen. Aber auch die Überfischung der Meere und die Umweltverschmutzung könnten Quallenblüten begünstigen: „Wenn es weniger Fressfeinde wie Thunfische gibt, können sich Quallen leichter vermehren. Weil es insgesamt weniger Fische gibt, gibt es außerdem weniger Wettbewerb um die Nahrungsquelle der Quallen, das Plankton“, erklärt der Meeresbiologe.

Eine Feuerqualle schwimmt in der Ostsee vor dem Strand in Markgrafenheide.

Eine Feuerqualle schwimmt in der Ostsee vor dem Strand in Markgrafenheide.

Zudem förderten Dünger und Abwässer an einigen Stellen das Algenwachstum im Meer. Die Algen werden am Meeresboden von Bakterien zersetzt, die dabei Sauerstoff verbrauchen. Das Resultat seien sauerstoffarme „Todeszonen“, die es zum Beispiel in der Ostsee gebe. „Fische können dort nicht überleben“, erklärt Kanstinger. „Die Quallen hingegen schon.“ Eine weitere Theorie sei, dass Plastikmüll und von Menschen errichtete Bauten wie Hafenanlagen mehr Lebensraum für Polypen bieten, Zwischenstadien im Lebenszyklus der Quallen.

Quallen in Deutschland

Die häufigste in Deutschland vorkommende Quallenart ist die harmlose Ohrenqualle, die häufig an den Stränden von Nord- oder Ostsee zu sehen ist. Ihr Name stammt von den vier Ringen im Schirm der Qualle, deren Aussehen an Ohren erinnert.

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Ebenfalls in der Nordsee und der westlichen Ostsee sowie im Atlantik und Ärmelkanal ist die gelbe Nesselqualle (auch Löwenmähnenqualle oder gelbe Haarqualle genannt) heimisch. Sie ist rötlich bis gelb gefärbt und kann bis zu einen Meter Durchmesser haben. Die Berührung mit ihren langen Tentakeln löst brennende Schmerzen aus. Umgangssprachlich wird die gelbe Nesselqualle auch als Feuerqualle bezeichnet, das gleiche gilt für eine weitere Art, die mit etwa zwölf Zentimetern Durchmesser deutlich kleinere Leuchtqualle.

Die Leuchtqualle bevorzugt eher warme Gewässer wie das Mittelmeer, kommt aber auch vor den britischen Inseln vor. Sie ist daran zu erkennen, dass ihr Schirm und Tentakel mit violett bis bräunlichen Warzen gesprenkelt sind, die Giftnesseln tragen. Im Dunkeln entwickelt sie bei Erschütterung ein schwaches Leuchten. Die Berührung der Leuchtqualle schmerzt und ihr Gift löst Hautrötungen und starken Juckreiz aus. In seltenen Fällen kann es auch zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen kommen.

Die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca) ist im Mittelmeer weitverbreitet.

Die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca) ist im Mittelmeer weitverbreitet.

Massenaufkommen von Leuchtquallen

Im Mitteleer gibt es seit einigen Jahren immer wieder Massenaufkommen von Leuchtquallen, was nicht nur dem Tourismus schadet, weil Strände gesperrt werden müssen. Es kann zum Beispiel auch eine Gefahr für die Fischzucht sein. Eine Invasion von Feuerquallen soll vor einigen Jahren mehr als 100.000 Lachse in einer Aquakultur getötet haben, den gesamten Bestand einer schottischen Zuchtanlage.

Weitere in Europa heimische, giftige Arten, sind zum Beispiel die Kompassqualle, die nach ihrer auffälligen braunen Musterung benannt ist oder die blaue Nesselqualle. Beide können auch in der Nordsee vorkommen. Für all diese Quallen gilt allerdings: Der Kontakt mit ihnen kann zwar schmerzhaft sein, führt aber nur sehr selten zu ernsteren Komplikationen, etwa wenn Menschen allergische Reaktionen entwickeln.

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Gefährlichste Quallenart Europas: portugiesische Galeere

Die wohl gefährlichste Quallenart, die auch in Europa vorkommt, ist die portugiesische Galeere. Die portugiesische Galeere ist keine Qualle im eigentlichen Sinn, sondern eine Kolonie von Polypen. Ihr Gift kann Atemnot und bei geschwächten Menschen einen im schlimmsten Fall tödlich verlaufendem Schock auslösen. Allerdings kommt die portugiesische Galeere in Europa nicht sehr häufig vor, sie ist vor allem im Pazifik anzufinden und zum Teil vor der Küste Portugals und vor den Kanaren. Auf Mallorca mussten in einzelnen Fällen bereits Strände gesperrt werden, als dort portugiesische Galeeren aufgetaucht waren.

Die Kompassqualle ist an ihrer typischen braunen Musterung zu erkennen.

Die Kompassqualle ist an ihrer typischen braunen Musterung zu erkennen.

Quallen könnten künftig durch Suezkanal ins Mittelmeer gelangen

Grundsätzlich ist es auch möglich dass in Zukunft neue, giftige Quallenarten vor den Küsten Europas auftreten, sagt WWF-Experte Kanstinger. Durch den Suezkanal könnten diese aus dem roten Meer ins Mittelmeer gelangen und sich bei für sie günstigen Umweltbedingung auch sprunghaft vermehren. So komme mit der Nomadenqualle bereits heute eine Art im Mittelmeer vor, die ursprünglich in tropischen Regionen heimisch war und deren Berührung zu unangenehmen Verletzungen führt.

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Auch harmlosere Quallenarten können allerdings den Urlaub vermiesen, wenn sie in Schwärmen auftreten und das Baden unmöglich machen. In beliebten Badestellen wird das Vorkommen von Quallen überwacht. Schon vor dem Strandbesuch ist es heute meist möglich, sich im Internet darüber zu informieren, ob und wie oft Quallen in den vergangenen Tagen gesichtet wurden.

Was tun bei eine Quallenverletzung?

Nach dem Kontakt mit einer giftigen Qualle ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und am besten das Wasser zu verlassen. Das Gift der Quallen steckt in Nesselkapseln, die sich beim Hautkontakt entleeren. Oft befinden sich noch ungeöffnete Nesselkapsel auf der Haut, daher sollte man die betroffene Stelle nicht reiben oder berühren, sondern nur vorsichtig versuchen, sie mit etwas Salzwasser zu spülen.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) empfiehlt, die Stelle mit Sand oder Rasierschaum zu bedecken, was die Nesseln davon abhalten soll, sich zu öffnen. Dann können Sand oder Schaum zusammen mit den Nesselkapseln vorsichtig mit einer Plastikkarte abgestreift werden. An überwachten Stränden kann die Badeaufsicht nach Quallenverletzungen erste Hilfe leisten.

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