Studie aus den Niederlanden

Geschlechtsanpassung im Jugendalter: Nur sehr wenige brechen Hormontherapie später ab

Wer eine Hormontherapie zur Geschlechtsanpassung beginnt, führt diese laut einer Studie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch fort.

Wer eine Hormontherapie zur Geschlechtsanpassung beginnt, führt diese laut einer Studie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch fort.

Nur die wenigsten Menschen mit Genderdysphorie brechen offenbar die Behandlung mit geschlechtsangleichenden Hormonen ab. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die am Freitag im renommierten Fachjournal The Lancet Child & Adolescent Health“ veröffentlicht worden ist. Demnach haben von 720 Betroffenen, die in einer Genderklinik in Amsterdam als Jugendliche zunächst mit Pubertätsblockern und dann mit entsprechenden Hormonen behandelt wurden, 98 Prozent (704 Menschen) die Behandlung bis zum Ende des Untersuchungszeitraums fortgesetzt.

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Genderdysphorie: Behandlung mit Pubertätsblockern und Hormontherapie

Menschen mit Genderdysphorie haben ein Gefühl des Unwohlseins in Bezug auf ihr biologisches Geschlecht, weil sie sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. Vor der Pubertät können Betroffene nach umfangreichen ärztlichen Untersuchungen sogenannte Pubertätsblocker verabreicht bekommen, die verhindern, dass die Betroffenen eine Pubertät in einem Geschlecht durchmachen, mit dem sie sich nicht identifizieren. Ab einem bestimmten Alter, meist zwischen 15 oder 16 Jahren, können sie dann bei entsprechender ärztlicher Indikation für die Geschlechtsanpassung Hormone – entweder Testosteron oder Östrogen – einnehmen.

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Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Studie legten als Auswahlkriterium fest, dass alle Probandinnen und Probanden mindestens drei Monate vor der Hormontherapie mit Pubertätsblockern behandelt wurden und dabei unter 18 Jahre alt waren. Die Daten stammen aus einer Genderklinik in Amsterdam und wurden anschließend mit dem nationalen Register für verschreibungspflichtige Medikamente verknüpft, um festzustellen, ob die Betroffenen bis zum Ende der Datenerhebung im Dezember 2018 weiter mit Hormonen behandelt wurden.

Für die Studie haben die Forschenden 220 Menschen untersucht, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde. Sie waren im Schnitt 14 Jahre alt, als sie die Behandlung mit Pubertätsblockern begannen, und zum Ende des Untersuchungszeitraums 20 Jahre alt. Zudem werteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Daten von 550 Menschen aus, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Bei der erstmaligen Einnahme von Pubertätsblockern waren sie durchschnittlich 16 Jahre alt und zum Ende der Datenerhebung 19 Jahre alt.

Forscherin: Studie ist „beruhigend im Kontext der jüngst gestiegenen öffentlichen Sorge“

Warum 2 Prozent, also 16 der 720 untersuchten Menschen die Hormonbehandlung abbrachen, ist unklar. Den Forschenden zufolge sei es möglich, dass manche sich als non-binär definierten und die Hormontherapie daher nur für einen begrenzten Zeitraum in Anspruch nehmen wollten. Denkbar sei aber auch, dass sie die Transition bereuten.

Dass letzteres viele Menschen nach einer Geschlechtsanpassung betreffe, ist vielerorts eine große Sorge. In Ländern wie dem Vereinigten Königreich und den USA wurde die Behandlung mit Pubertätsblocker und geschlechtsangleichenden Hormonen bereits limitiert. Die Studienmitautorin Marianne van der Loos von der Vrije Universiteit Medical Center Amsterdam betonte jedoch, dass die Studienergebnisse „beruhigend im Kontext der jüngst gestiegenen öffentlichen Sorge, dass die Transition bereut wird“, seien.

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Die Forschenden räumen jedoch ein, dass die Daten der Menschen in der Studie mit Vorsicht interpretiert werden sollten, da deren Behandlung bis zum Ende des Untersuchungszeitraums von geringer Dauer war. Zudem sei nicht geklärt, ob die verschriebenen Hormone auch tatsächlich von allen genommen wurden, was zu einer Überschätzung der Zahl geführt haben könnte. Jedoch sei es auch möglich, dass die tatsächliche Zahl sogar höher als die der Studie ist. Denn für die Studie wurden nur offizielle Daten verwendet – wie viele Menschen diese Hormone ohne offizielle Verschreibung zu sich nehmen, ist unklar.

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