Australische Elstern helfen sich gegenseitig

Wie Vögel ein australisches Forscherteam überlisteten

Eine der australischen Elstern sitzt auf einem Plakat, das auf die Forschung der University of the Sunshine Coast zu den Vögeln hinweist.

In Australien wollten Forscher und Forscherinnen noch mehr über die schwarz-weißen Magpies erfahren. Die Vögel sind dort weit verbreitet und bekannt für ihre kamikaze­artigen Sturzflug­attacken während der Brutzeit.

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Für eine Pilotstudie befestigten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen deswegen winzige Ortungsgeräte an fünf Elstern. „Unser Ziel war es, mehr über die Bewegung und soziale Dynamik dieser hochintelligenten Vögel zu erfahren“, schrieb eine der Forscherinnen, Dominique Potvin, im akademischen Magazin „The Conversation“. Doch stattdessen hätten die Vögel sie überlistet: Denn die Elstern, die offiziell eigentlich Flötenkrähenstare heißen, zeigten ein kooperatives „Rettungs“-Verhalten und halfen sich gegenseitig, die Tracker zu entfernen.

Obwohl sie bereits gewusst hätten, dass die Tiere intelligente und soziale Wesen sind, sei dies der erste Fall gewesen, wo die Art ein scheinbar altruistisches Verhalten gezeigt habe, erklärte die Wissenschaftlerin. So hätten die Vögel einem anderen Mitglied der Gruppe geholfen, ohne eine sofortige, greifbare Belohnung zu erhalten.

Die Tracker war durch Geschirre an den Vögeln befestigt. Eigentlich sollten diese durch einen Magneten wieder von den Vögeln gelöst werden.

Die Tracker war durch Geschirre an den Vögeln befestigt. Eigentlich sollten diese durch einen Magneten wieder von den Vögeln gelöst werden.

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Tierforschung ist unberechenbar

„Als Wissenschaftler sind wir es gewohnt, dass Experimente auf die eine oder andere Weise schiefgehen“, schrieb Potvin. Abgelaufene Substanzen, fehlerhafte Geräte, kontaminierte Proben, ein ungeplanter Stromausfall – all dies könne Forschungs­arbeiten Monate oder sogar Jahre zurückwerfen. Vor allem Tierforscher und -forscherinnen seien Unberechenbarkeit gewohnt.

Auch das Anbringen von Ortungsgeräten muss abgewägt werden: „Einige Tiere fühlen sich von den Trackern wirklich ungestört, andere scheinen sie zu hassen“, schrieb die Ökologin, die an der University of the Sunshine Coast arbeitet, in einer E-Mail. „Man kann nie wirklich vorhersagen, wie eine neue Art reagieren wird.“ Bisher nehme man an, dass kleine und mittelgroße Vögel die Tracker nicht bequem tragen können. Sie mit so einem Gerät zu bestücken, sei nicht nur „unethisch“, wie Potvin schrieb, sondern auch „schlechte Wissenschaft“. Denn man würde dann ja ein Tier, dessen Verhalten sich durch das Gewicht des Trackers verändert, als repräsentativ betrachten.

Wahrer Altruismus

Im aktuellen Fall begannen die Elstern sofort nach ihrer Freilassung an den winzigen, weniger als ein Gramm schweren Trackern zu picken, um sie loszuwerden. Für jeden Vogel allein war dies eine schwierige Aufgabe, aber Potvins Team sah dann, wie Elstern anderen zu Hilfe kamen und am Geschirr pickten, bis sie die Schwachstelle fanden und ihre Freunde befreiten. „Innerhalb von drei Tagen wurden alle fünf Elstern, die wir getrackt hatten, befreit, obwohl dies in den meisten Fällen hoch in der Luft geschah, so dass das Team den Vorgang nicht miterleben konnte.“ Dabei halfen sich nicht die trackertragenden Elstern gegenseitig – so nach dem Motto – „Du nimmst meinen Rucksack ab, ich nehme deinen ab“ –, sondern andere Vögel griffen ein. „Diese Handlung des Helfens ohne Belohnung ist wahrer Altruismus“, schrieb die Forscherin.

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Viele Tiere, die gemeinschaftlich leben, kooperieren miteinander, um die Gesundheit, die Sicherheit und das Überleben ihrer Gruppe zu gewährleisten. Tiere, die in größeren Gruppen leben, wie Hyänen oder Haussperlinge, haben tendenziell mehr Talent, Probleme zu lösen. Bei den australischen Elstern, die auf Deutsch auch Flötenvögel heißen, verhält sich dies ähnlich: Die Vogelart ist gut dabei, Probleme zu lösen, und hat sich ebenfalls gut an die zahlreichen Veränderungen ihres Lebensraums durch den Menschen angepasst. Australische Elstern leben im Allgemeinen in sozialen Gruppen von zwei bis zwölf Individuen. Sie sind dafür bekannt, ihr Territorium zu verteidigen – nicht nur mit ihrem Gesang, sondern durchaus mit recht aggressivem Verhalten. Auch bei der Aufzucht der Jungen helfen beispielsweise ältere Geschwister mit.

Als Gruppe Probleme lösen

In diesem Fall zeigte die Pilotstudie erneut, wie schnell sich die Vögel zusammentun, um ein Gruppenproblem zu lösen. Bereits zehn Minuten nach dem Anbringen des letzten Trackers beobachteten die Forscher und Forscherinnen, wie ein erwachsenes Weibchen ohne Tracker mit seinem Schnabel hackte, um das Gerät eines jüngeren Vogels zu entfernen. Innerhalb weniger Stunden waren auch die meisten anderen Tracker entfernt worden. Am dritten Tag hatte sogar das dominante Männchen der Gruppe seinen Tracker erfolgreich demontiert. „Die Vögel mussten dabei Probleme lösen und möglicherweise das Ziehen und Picken an verschiedenen Abschnitten des Geschirrs mit ihrem Schnabel testen“, wie Potvin erklärte. „Sie mussten auch bereitwillig anderen Tieren helfen oder Hilfe annehmen.“

Das einzige andere ähnliche Beispiel für diese Art von Verhalten, das die Forscher und Forscherinnen finden konnten, war das von Seychellen­grasmücken. Diese Vögel wurden ebenfalls schon dabei beobachtet, andere Tiere aus ihrer sozialen Gruppe von klebrigen Pisonia-Samenbüscheln zu befreien.

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