Pflegeratspräsident zur Coronakrise: “Pflegeeinrichtungen wollen ehemalige Mitarbeiter zurückholen”
Hannover. Tausende Menschen sind in Deutschland mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Das trifft auch die Pflegebranche Deutschlands. Theoretisch sei man gut aufgestellt, doch auf das Ausmaß der Coronapandemie ist keine Einrichtung vorbereitet. Für Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats, ist es nun wichtig, die Pflegekräfte, die derzeit tätig sind, vor dem Virus zu schützen. Menschen, die eine pflegerische Grundausbildung haben, aber zum Teil nicht mehr in der Pflege arbeiten, möchte Wagner außerdem um Hilfe bitte, wie er im Interview mit dem RND erklärt.
Herr Wagner, Bayern untersagt den Besuch in Alten- und Pflegeheimen. Halten Sie das für sinnvoll?
Im Grundsatz ist das richtig. Es geht im Moment einfach darum, dass das Virus sich möglichst langsam ausbreitet. Und wir wissen, dass alte Menschen ein höheres Infektionsrisiko haben. Auch wenn man im Einzelfall schauen muss, ob man Ausnahmen machen muss.
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Zur vollständigen AnsichtHat sich die Pflegebranche in Deutschland auf die Coronakrise vorbereiten können?
Wir sind theoretisch – mit all unseren Pandemieplänen – relativ gut vorbereitet. Aber was wir im Moment erleben, ist eine ganz neue Situation. Wir haben, wenn auch mit Grenzen, ein leistungsfähiges System – aber auf dieses Ausmaß konnte sich keine Einrichtung wirklich vorbereiten.
Wie können die Einrichtungen ihre Pflegekräfte schützen?
Es gelten auch dort erst einmal die ganz normalen Hygienevorschriften, die jetzt besonders sorgfältig zu beachten sind. Im Vergleich zu Menschen, die zurzeit im Homeoffice arbeiten, haben Pflegefachpersonen ein höheres Ansteckungsrisiko. Aber wir haben auch ausgebildete Leute, die wissen, worauf sie achten müssen – solange ausreichend Schutzmaterial vorhanden ist. Noch einmal: Pflegefachpersonen haben sicher ein erhöhtes Risiko, aber sie sind auch diejenigen, die am besten wissen, wie man Ansteckung vermeidet.
Dennoch müssen wahrscheinlich auch Pflegekräfte krankheitsbedingt zuhause bleiben. Was bedeutet das für die Pflegesituation in Einrichtungen?
Das wird gravierende Auswirkungen haben. Viel schneller werden wir aber die Schulschließungen spüren: Dann müssten wahrscheinlich viele Pflegende, die schulpflichtige Kinder haben, zuhause bleiben. Wir müssen überlegen, wie wir jetzt die Betreuung der Kinder organisieren, damit die Pflegenden arbeiten können. Wir können es uns nicht leisten, dass Pflegefachpersonen zuhause bleiben, wenn sie nicht selber krank sind.
Kann man Pfleger und Pflegerinnen, die bereits in Rente sind, zurückholen?
Das finde ich schwierig, weil diese Menschen ja altersbedingt zur Risikogruppe gehören. Aber wir haben Zehntausende von Menschen, die eine pflegerische Grundausbildung haben, aber zum Teil nicht mehr in der Pflege arbeiten, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht sind. Ich weiß, dass viele Einrichtungen gerade dabei sind, Kontakt zu den ehemaligen Mitarbeitern aufzunehmen und sie fragen: Könnt ihr aushelfen? Die könnte man in den Bereichen einsetzen, in denen noch “Normalbetrieb” herrscht.
Und was ist mit Ehrenamtlichen?
Mir machen im Moment vor allem auch die Menschen Sorgen, die zuhause von der Familie versorgt werden. Was passiert, wenn da die Hauptpflegeperson unter Quarantäne gestellt oder gar krank wird? Dann ist ehrenamtliche Familien- oder Nachbarschaftshilfe gefragt. Wichtig ist dabei aber, dass die Ehrenamtlichen klare Informationen bekommen, wie auch sie eine Ansteckung möglichst verhindern.
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