KI für Kinder: Dieses Londoner Museum ist für die Generation Alpha gemacht
London. Es ist viel los an diesem sonnigen Augusttag. Eltern und Kinder schieben sich langsam in der Schlange in Richtung des historischen Backsteingebäudes voran, in dem sich das Londoner Young V&A befindet. Ein Schild appelliert an die Geduld der Besucherinnen und Besucher. „Unser Museum ist heute sehr beliebt. Stellen Sie sich auf eine Wartezeit von etwa 30 Minuten ein.“
Wer wartet, wird für die Geduld belohnt. Denn wirkte das Museum of Childhood (auf Deutsch: „Museum der Kindheit“) in dem viktorianischen Gebäude vor seiner Neueröffnung im Juli auf manche Beobachter eher wie ein Mausoleum für historisches Spielzeug, wurden die Spinnweben im Zuge der mehrjährigen Umbaumaßnahmen weggeblasen.
Das Museum in seiner neuen Form ist jetzt zugleich ernst und verspielt, anspruchsvoll und direkt. Der Raum wirkt durch den geschickten Einsatz von Materialien, Licht und Form frisch und hell. Viele der jungen Besucher werden zwar nicht wissen, was das Wort „Architektur“ bedeutet, aber sie reagieren auf die vielen verschiedenen Oberflächen, auf das Glitzern und die Farben, auf die Dinge, die erklettert und erkundet werden können.
„Es ist ein Ort, an dem Kinder Spaß haben“
Dieser erste Eindruck fasst den Geist des Young V&A zusammen, das einer 13 Millionen Pfund (umgerechnet rund 15 Millionen Euro) teuren Renovierung unterzogen wurde. Das Museum im Viertel Bethnal Green im Osten Londons will Kinder einbeziehen und soll als Ableger des Victoria & Albert Museum (V&A), das im noblen Londoner Stadtteil South Kensington liegt, überdies hohen Ansprüchen gerecht werden.
Das Young V&A zählt dabei zu einer ganzen Reihe von Museen in der Metropole, für die Kinder eine feste Zielgruppe sind. Angefangen vom Natural History Museum, das vor allem wegen seiner Dinosaurierskelette beliebt ist, bis zum London Transport Museum, in dem historische Doppeldeckerbusse bewundert und betreten werden können. Das Young V&A unterscheidet sich jedoch, weil es sich ausschließlich an Kinder richtet.
Es wurde „mit und für unser jüngstes Publikum entwickelt – inspiriert von der Art und Weise, wie sie lernen, spielen und die Welt erleben“, sagte Tristram Hunt, Direktor des V&A, anlässlich der Eröffnung des Museums im Juli. „Es ist ein Ort, an dem sie Spaß haben, fantasievoll sein und sich von den Kollektionen des V&A inspirieren lassen können.“
Alles aus der Kinderperspektive
Das Angebot in dem zentralen Café richtet sich definitiv an ein junges Publikum. An diesem Tag im August werden dort Muffins, Burger und Kuchen angeboten. Durch den offenen Grundriss strahlt die helle Mittagssonne in den großzügigen Innenraum. In den Galerien stehen meterhohe gelbe und rote Buchstaben. Die Worte „Design“ und „Play“ geben wieder, für was das Museum steht. Denn wie das V&A widmet es sich Kunst, Kultur und Design, allerdings aus Kinderperspektive.
Über imposante Treppen gelangen Besucherinnen und Besucher in die Galerien. Dort werden unter anderem historische Puppenhäuser ausgestellt. Ein Highlight ist der „Living Room“. Betreten Kinder dort einen schwarz-weiß gekachelten Raum, wirken sie durch eine optische Täuschung von der Türe aus plötzlich viel größer und reichen bis zur Decke. Es ist ein Überraschungseffekt, der an diesem Tag nicht nur die Kinder beeindruckt.
Während junge Besucherinnen und Besucher in einigen Bereichen die Möglichkeit haben, berühmte Videospiele wie etwa „Minecraft“ auszuprobieren, werden sie in anderen dazu animiert, praktisch tätig zu werden. Etwa wenn es darum geht, aus großen blauen Blöcken etwas zu bauen. Dabei macht das Museum keine Vorgabe: „Built it“, „Baue etwas“ und „wenn es zusammenbricht, gib nicht auf“, ist auf einem Schild zu lesen.
„Wir fördern aktiv das Spielen“, betont Hunt, „nicht nur wegen der Freude, die es mit sich bringt, sondern weil gezieltes Spielen die Grundlage für grob- und feinmotorische Fähigkeiten sowie Zuhören und Sprachvermögen ist.“ Spiel, Fantasie und Design seien insbesondere im Zeitalter von künstlicher Intelligenz wichtige Bausteine für die Generation Alpha, Kinder und Jugendliche also, die etwa zwischen 2010 und 2025 geboren wurden.
Sonderausstellung „Japan: Myths to Manga“
Im August offenbarte das Young V&A außerdem Einblicke in seine erste Sonderausstellung „Japan: Myths to Manga“, die Mitte Oktober eröffnen wird. Darin soll es etwa um den Einfluss japanischer Volksmärchen auf Kunst, Design und Technologie gehen. Ein Beispiel: das Fantasiewesen Pokémon. Kinder könnten dann selbst aktiv werden, etwa indem sie nach Dämonen Ausschau halten, die in einer Stadt ihr Unwesen treiben, hieß es.
Die jungen Gäste interessieren sich an diesem Tag im August jedoch herzlich wenig für zukünftige Ausstellungen und erst recht nicht für pädagogische Konzepte, die sie auf das KI-Zeitalter vorbereiten sollen. Sie haben einfach Spaß.
Das Museum Young V&A in Bethnal Green im Osten Londons ist täglich von 10 Uhr bis 17.45 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.