Abzocke? Warum die Spritpreise in MV so stark schwanken
Rostock. „Konzernabzocke“, schimpft OZ-Leser Paul Ollrog über die aktuellen Benzinpreise. Auch viele andere Leser kritisieren große Preisunterschiede zwischen den Tankstellen in Mecklenburg-Vorpommern. Maja Bieling berichtet, dass ein Liter Diesel am vergangenen Montag in Wismar 1,39 Euro kostete, während es in Rostock am Ostseepark nur 1,24 Euro waren. „Eine Frechheit, was zur Zeit mit uns veranstaltet wird“, findet Ariane von Spiczak-Brezezinski. Sie beobachtete einen Dieselpreis von 1,439 in Neukloster sowie von 1,239 zur selben Zeit im nahen Sternberg. Peter Heuser beklagt sich: „Leute, die nicht die Möglichkeit haben oder es sich finanziell nicht leisten können, weiter zu fahren, werden bestraft.“
Das Wort Abzocke nimmt Jürgen Ziegner nicht in den Mund. Der Geschäftsführer des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes sagt, die Preisfestlegung sei nicht so willkürlich, wie Verbraucher vermuten. In erster Linie richte sich der Preis nach den Produkt- und Transportkosten. Diese würden derzeit hoch sein. Insbesondere in West- und Süddeutschland bestünden durch die sommerliche Trockenheit Probleme im Öltransport. Flüsse, wie zum Beispiel der Rhein, führten zu wenig Wasser, damit voll beladende Ölschiffe auf ihnen fahren könnten. Stattdessen kämen viele Tankwagen zum Einsatz, was den Transport deutlich aufwendiger und teurer mache. „Die Ladung eines Schiffes kann von 60 bis 80 Lkw aufgenommen werden“, erklärt Ziegner.
Keine Versorgungsnot in MV
Aber: Die niedrigen Wasserstände haben laut Ziegner nur indirekte Auswirkungen auf unser Land. Die Tankstellen in MV würden von den Raffinerien aus Hamburg und Ostdeutschland beliefert, nicht aus dem Süden oder Westen. Leichte Preiserhöhungen entstünden lediglich dadurch, dass die nahen Raffinerien nun auch in den Westen und Süden liefern müssten, um den dortigen Bestand auszugleichen. Versorgungsnot in MV gäbe es jedoch nicht. „In MV werden die Tankstellen noch richtig voll gemacht. Es ist zwar etwas teurer, aber kein Vergleich zu den südlichen und westlichen Gebieten Deutschlands“, so Ziegner.
Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes in Berlin, erklärt, wie es trotzdem zu Preisschwankungen kommt: „Auf dem deutschen Tankstellenmarkt herrscht ein freier Wettbewerb. Durch die Konkurrenz um jeden Autofahrer sinken die Preise im Tagesverlauf immer weiter. Ab einem bestimmten Punkt müssen sie aber auch wieder steigen, damit die Tankstellen nicht in die Verlustzone geraten.“ Dies sei der Grund für ein tägliches Auf und Ab (siehe Infografik). In einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern seien die Schwankungen zudem deutlich größer als in Gebieten, in denen die Wege zur nächsten Tankstelle kurz sind. Unterschiede von mehr als 10 Cent pro Liter, wie viele Leser berichten, seien allerdings verwunderlich. Von Gersdorff glaubt, dass die Preise nicht exakt zum selben Zeitpunkt abgelesen wurden.
Tipps für günstiges Tanken
Wer Wert darauf legt, stets den besten Preis zu zahlen, kann sich an ein paar einfachen Tipps orientieren. Hans Pieper vom ADAC Hansa und von Gersdorff raten zum Preisvergleich. Zahlreiche Apps bieten die Möglichkeit, die Benzinpreise in der direkten Umgebung zu vergleichen. Beispiele sind „clever-tanken“ oder auch die „ADAC Spritpreise“-App. Außerdem sollten Verbraucher die Tageszeit beachten. Am günstigsten sei der Preis meist von 15 bis 17 sowie 19 bis 22 Uhr. Kraftfahrern, die viel auf der Autobahn unterwegs sind, empfiehlt Pieper, anstatt der Raststätte einen Autohof etwas abseits anzufahren. Und wer eine Fahrt in eine größere Stadt plant, sollte nach Möglichkeit erst bei Ankunft tanken. Durch die erhöhte Nachfrage in Großstädten sei der Preis dort oftmals wesentlich günstiger als in ländlicheren Gebieten.
Oder aber man macht es wie OZ-Leser Henry Baumann. Er schreibt auf Facebook: „Es kommt immer darauf an, wo man tankt. Hier auf Usedom zahlt man Inselzuschlag, gut dass wir nur in Polen tanken.“
Rabea Osol
OZ