Pflege & Gastronomie

„Die Vietnamesen waren schon zu DDR-Zeiten fleißig“

Zwischen Vietnam und MV sollen alte Bande wieder genutzt werden. Staatssekretär Stefan Rudolph (re.) empfing die Delegation.

Schwerin. Der Wunsch der Landesregierung, künftig dringend benötigte Fachkräfte in Gastronomie und Pflege aus Vietnam nach MV zu lotsen, stößt bei OZ-Lesern nicht in Gänze auf ungeteilte Zustimmung. Im Herbst eröffnet ein Kontaktbüro für Investoren in Hanoi, hinzukommen soll eine „Akademie für Sprach- und Berufsausbildung“ in Ha Tinh an der Küste des Südchinesischen Meeres (die OZ berichtete). Pro Jahr sollen nach Plänen des hiesigen Wirtschaftsministeriums 120 Vietnamesen in den Nordosten kommen.

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Alex Helmchen indes meint: "Das kann halt nicht die Lösung sein. Dann wird einer für weniger Geld eingestellt, der aber auch bitte die Arbeit von drei Mitarbeitern machen soll." Sein Vorschlag: Stattdessen sollten Unternehmen genug Leute einstellen, "sodass niemand dauerhaft überlastet wird. Sie sollten vernünftig entlohnen. Und die Unternehmer sollten nicht immer nur Druck, Druck, Druck auf die Arbeitnehmer ausüben."

Dagmar Offermann fragt: Wie wäre es, wenn sich das Land bemühe, "unsere gut ausgebildeten Leute aus Österreich und der Schweiz zurückzuholen und vernünftig zu entlohnen?" Gregor Alsleben fühlt sich an "alte DDR-Zeiten" zurückerinnert. "Früher hatten wir viele Menschen und Arbeiter aus Vietnam in der DDR."

Torsten Preuß findet den "Grundgedanken gar nicht so verkehrt." Nur, so schränkt der Leser ein, vergesse man "bei aller Euphorie, dass viele dieser Auszubildenden gar nicht in Deutschland bleiben wollen, sondern nach Abschluss ihres Examens wieder in ihre Heimat zurückkehren möchten. Das wiederum würde dann nicht zum erwarteten Effekt der Entlastung in der Pflege führen, sondern noch mehr Kosten verursachen. Das Einzige, was die Pflege aus der momentanen Misere führen kann, ist eine angemessene Bezahlung, kombiniert mit sozialverträglichen Arbeitsbedingungen."

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Daniel Braun erwidert: "Das Problem fängt doch schon beim Kunden an, Geiz ist geil. Kaum einer will für Leistungen entsprechend zahlen, da sich die meisten Menschen nicht mit dem eigentlichen Wert einer Ware oder Leistung beschäftigen – Hauptsache billig. Dementsprechend haben Unternehmer es auch oft schwer, entsprechende Gehälter zahlen zu können."

Axel Hannemann betont noch mal: "Wenn richtige Löhne gezahlt werden würden, hätte man genug Arbeitskräfte. So zahlt der Arbeitgeber weiterhin niedrige Löhne, und der Rest kommt vom Land oder Staat. Glückwunsch. Trotzdem nichts gegen vietnamesische Arbeitnehmer. Die waren schon zu DDR-Zeiten sehr fleißig." Michael Windhorn hat die Erfahrung gemacht, "auf dem Bau häufig Handwerker anzutreffen, die überhaupt keine Auszubildenden mehr finden. Eine mittelgroße Elektrofirma hat jetzt einen Kroaten ausgebildet. Dummerweise wechselt dieser nach seinem Abschluss in den leichteren Job des Betriebshausmeisters." Ihm folge ein Auszubildender aus Griechenland, so Windhorn. Diese Leute seien lernfähig, motiviert, und integrieren sich meist gut. Zudem seien "religiöse Fanatiker, Polygamisten mit voraussehbarer Karriere im Sozialsystem und Integrationsverweigerer aus der Ecke Vietnam weniger zu erwarten". Und da einheimische junge Menschen kaum noch den Weg ins Handwerk fänden, sehe der Leser "die Menschen aus Vietnam als kein Problem an."

Juliane Lange

OZ

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