84-Jähriger vor Gericht

USA: Mann plädiert nach Schüssen auf schwarzen Teenager auf nicht schuldig

Menschen versammeln sich bei einer Kundgebung in Kansas City zur Unterstützung eines schwarzen Teenagers, der von einem weißen Hausbesitzer angeschossen wurde, als er irrtümlich zur falschen Adresse ging.

Washington/Kansas City. Der Hausbesitzer, dem vorgeworfen wird, dem schwarzen Jugendlichen Ralph Yarl im US-Bundesstaat Missouri in den Kopf geschossen zu haben, hat vor Gericht auf nicht schuldig plädiert. Der 84-jährige weiße Mann erschien am Mittwoch zum ersten Mal im Gerichtssaal in der Stadt Liberty, wie US-Medien berichteten. Ihm wird unter anderem schwere Körperverletzung vorgeworfen, was in Missouri mit lebenslanger Haft bestraft werden kann. Der Staatsanwalt hatte vor dem Gerichtstermin gesagt, es gebe eine „rassistische Komponente“ bei dem Vorfall. Gleichzeitig betonte er, dass in den Anklagedokumenten aber nicht stehe, dass die Schüsse rassistisch motiviert gewesen seien.

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Yarls Mutter hatte ihm aufgetragen, am vergangenen Donnerstag spät abends seine jüngeren Zwillingsbrüder von einem Haus im Norden von Kansas City abzuholen. Aus Versehen ging der 16-Jähriger aber in den falschen Häuserblock, wie aus Gerichtsakten hervorging. Als Yarl an der Tür klingelte, kam der 84-Jährige und schoss dem Teenager mit einem Revolver erst in den Kopf und dann in den Arm. Yarl überlebte und schaffte es den Angaben zufolge, zu mehreren Häusern zu rennen und um Hilfe zu bitten. Schließlich habe sich jemand gefunden, der die Polizei alarmiert habe.

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Die Yarls Angehörige und einige Bürgerrechtler riefen das Justizministerium auf, den 84-Jährigen wegen eines Hassverbrechens anzuklagen. Der Jugendliche sei „mit nichts anderem als seiner schwarzen Haut bewaffnet“ gewesen, erklärte der Anwalt der Familie, Lee Merritt.

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Doch der Staatsanwalt entgegnete, der gegen den 84-Jährigen erhobene Vorwurf der schweren Körperverletzung wiege schwerer, da darauf lebenslange Haft stehen könne. Merritt erklärte jedoch, seine Mandanten seien auch frustriert darüber, dass der Beschuldigte gegen Kaution freigelassen worden und sein nächster Gerichtstermin erst am 1. Juni sei.

Teenager konnte aus Krankenhaus entlassen werden

Der 16-Jährige wurde operiert, konnte aber inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die Ärzte rechneten mit einer vollständigen Genesung, sagte der Vater der „New York Times“. Der Anwalt der Familie postete am Mittwoch ein Bild zusammen mit dem Jugendlichen. Dass die Kugel in dessen Kopf nicht noch größeren Schaden angerichtet habe, sei ein wahres Wunder, schrieb er auf der Social-Media-Plattform.

US-Präsident Joe Biden hatte den Jungen am Dienstagabend (Ortszeit) zu einem Besuch ins Weiße Haus eingeladen. „Wir sehen dich im Oval (Office), sobald es dir besser geht“, schrieb Biden er auf Twitter. Der Kampf gegen die Waffengewalt in den USA müsse fortgesetzt werden, fügte er hinzu. Biden setzt sich seit langem für schärfere Waffengesetze ein, was die Republikaner im Kongress jedoch verhindern.

Über die Spenden-Webseite GoFundMe kamen für Yarls Behandlungskosten bis Mittwochabend (Ortszeit) mehr als 3,3 Millionen Dollar zusammen. Yarl fühle sich „komplett geehrt“ von der Welle der Unterstützung. „Er sagt: „Ich weiß nicht, warum alle dieses Aufhebens um mich machen. Ihr wisst schon, ich bin‘s ja nur, oder? Es ist nicht so, als wäre der Präsident angeschossen worden.“

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Für Aufsehen haben in jüngster Zeit in den USA gleich mehrere Fälle um junge Leute gesorgt, die nur am falschen Ort auftauchten und dann mit Waffengewalt konfrontiert wurden. Im Staat New York wurde in der vergangenen Woche eine 20-Jährige erschossen, als das Auto, in dem sie mit Freunden saß, versehentlich in die Auffahrt des falschen Hauses einbog. In Texas wurden zwei Cheerleaderinnen angeschossen, als eine von ihnen in einen Wagen stieg, den sie für ihren hielt.

RND/dpa/AP

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