Bundeswehr beginnt im Sudan mit Rettungseinsatz für deutsche Staatsbürger
Berlin. Die ersten zwei Airbus-Militärtransporter landeten am Sonntag nahe der Hauptstadt Khartum, wie das Verteidigungsministerium in Berlin am Sonntag bestätigte. Bundeswehr und Auswärtiges Amt haben damit die Voraussetzungen geschaffen, um mehr als 300 auf einer Krisenliste registrierte Deutsche auszufliegen und auch Bürger von Partnerstaaten zu berücksichtigen.
Der Einsatz, an dem insgesamt mehr als 1000 Männer und Frauen der Bundeswehr beteiligt sind, wurde seit Tagen vorbereitet.
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Zur vollständigen Ansicht„Unser Ziel ist, in dieser gefährlichen Lage in Sudan so viele Staatsangehörige wie möglich aus Khartum auszufliegen“, schrieb das Verteidigungsministerium auf Twitter. Im Rahmen der Möglichkeiten sollen auch EU-Bürger und weitere Staatsangehörige mitgenommen werden. Dazu richtet die Bundeswehr in Abstimmung mit dem sudanesischen Militär auf einem Landeplatz bei Khartum einen Operationspunkt ein. An dem Einsatz sind Fallschirmjäger der Luftlandesbrigade 1 beteiligt und auch das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr.
Für die Vorbereitungen waren seit Tagen A400M-Militärtransporter zwischen dem Fliegerhorst Wunstorf (Niedersachsen) und dem von der Bundeswehr genutzt Militärflughafen Al-Asrak in Jordanien unterwegs. Über diesen erfolgt auch der Rückweg. Der Rettungseinsatz wird vom Befehlshaber der Division Schnelle Kräfte (DSK), Generalmajor Dirk Faust, geführt.
Viele Bundesbürger 800 Kilometer von der Hauptstadt entfernt
Wie sicher der Flughafen der Hauptstadt Khartum ist, wo die Bundeswehr mit ihren A400M-Militärtransporter-Flugzeugen landen kann, war unklar. Mindestens eine Landebahn gilt als zerstört. Die Beobachtergruppe NetBlocks.org teilte mit, dass die Internetverbindung im Sudan am Sonntag nahezu komplett eingebrochen sei.
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Die Hafenstadt Port Sudan, von wo am Wochenende Saudi-Arabien eine Delegation aus dem Land gebracht hatte – 800 Kilometer von Khartum entfernt, wo sich die meisten Bundesbürger aufhielten, 800 unsichere Kilometer obendrein. Denkbar also, dass die Evakuierung mit bewaffneten Soldaten abgesichert werden muss. Die Bundeswehr verlegte dafür mehrere Hundert Fallschirmjäger mit Waffen und Material aus Deutschland nach Jordanien.
Unser Ziel ist, in dieser gefährlichen Lage im Sudan so viele Staatsangehörige wie möglich aus Khartum auszufliegen.
Bundesverteidigungsministerium via Twitter
Bundeswehr und Auswärtiges Amt koordinierten am Sonntag gemeinsam eine laufende Evakuierungsoperation „für die Deutschen vor Ort in Abstimmung mit unseren Partnern“, schrieb das Verteidigungsministerium auf Twitter. „Unser Ziel ist, in dieser gefährlichen Lage im Sudan so viele Staatsangehörige wie möglich aus Khartum auszufliegen.“
Die USA gingen dann als Erstes in Aktion. „Das US-Militär hat eine Operation durchgeführt, um US-Regierungspersonal aus Khartum herauszubringen“, twitterte US-Präsident Joe Biden in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Nach US-Angaben holten Spezialkräfte rund 70 Botschaftsangehörige per Hubschrauber aus dem Land. Allerdings befinden sich offenbar weiter Tausende US-Amerikaner im Land.
Auch andere Länder, darunter Frankreich, Belgien, Italien, Griechenland, die Niederlande, Schweden und Spanien planten Rettungsmissionen, von denen die ersten am Sonntagabend den erfolgreichen Abschluss meldeten.
Schon allein der Transfer zur Versammlungsstelle, von dem aus die Evakuierung erfolgen solle, sei im Sudan nicht ungefährlich, teilte die niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren mit.
Und neben der Evakuierung gilt die Sorge auch der Bedeutung der Kämpfe für die Stabilität der Region. „Die Kämpfe im Sudan gefährden nicht nur den Transformationsprozess zu einer zivilen Regierung im Sudan“, sagte der außenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Jürgen Trittin, dem RND. „Sie drohen durch die Verwicklungen Ägyptens, der Vereinigten Arabischen Emirate sowie libyscher Bürgerkriegsparteien die gesamte Region weiter zu destabilisieren.“
Auch deshalb müsse alles dafür getan werden, die Kämpfe zu beenden und erneut zu versuchen, die bisherige Militärregierung durch eine zivile Regierung zu ersetzen. „Wenn nun viele Botschaften evakuiert werden müssen, ist das auch dafür ein Rückschlag“, sagte Trittin.
mit dpa