„Sie löschen jetzt mein Foto“

Deutsche-Welle-Team filmt zufällig Angriff auf Grünen-Politikerin in Dresden

Yvonne Mosler, Grünen-Spitzenkandidatin für den Stadtrat im Wahlkreis elf (Gorbitz/Cossebaude), wurde beim Aufhängen von Wahlplakaten im Dresdner Stadtteil Gorbitz bedroht und bespuckt.

Dresden. Der Sender Deutsche Welle (DW) hat zufällig einen Angriff auf die Grünen-Politikerin Yvonne Mosler am Dienstagabend in Dresden gefilmt. Die Grünen-Spitzenkandidatin für den Stadtrat im Wahlkreis elf sei am Dienstagabend gemeinsam mit dem Co-Spitzenkandidaten Cornelius Sternkopf und zwei Medienteams von Deutscher Welle und „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ unterwegs gewesen, teilten die Dresdner Grünen am Mittwoch mit. Das kurze Video veröffentliche DW auf der Plattform X.

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In dem Video ist zu sehen, wie ein Mann und eine Frau Mosler entgegenlaufen. „Sie löschen jetzt das Foto“, schreit ihr die Frau entgegen, die eine Kapuze und eine Kappe tief in das Gesicht gezogen hat. Kurz danach beschimpft die Frau Mosler und der Mann schubst einen der Wahlhelfer aus der Gruppe.

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Vor dem Vorfall kam es zu einer Auseinandersetzung mit einer Gruppe

Vor dem Video war es zu einem Vorfall mit einer größeren Gruppe gekommen. Mit Wahlkampfhelfenden hatte Mosler laut den Grünen einen Infostand am Merianplatz im Stadtteil Gorbitz betrieben und sich danach auf den Weg zum Amalie-Dietrich-Platz gemacht, um dort Plakate aufzuhängen. Schon von Weitem habe ihnen eine Gruppe rechtsextreme Parolen entgegengerufen. Ein Mann aus dieser Gruppe habe die beiden Kandidaten beiseitegedrängt, als sie gerade ein Plakat aufgehängt hatten, und das Plakat abgerissen.

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Das Team der Deutschen Welle filmte ihn dabei, Mosler und weitere anwesende Journalisten fotografierten. Wenig später kam er den Angaben zufolge in Begleitung einer Frau aus der Gruppe zurück, bedrohte Mosler und forderte sie auf, das Foto von ihm von ihrem Mobiltelefon zu löschen. Ein junger Wahlkampfhelfer habe sich daraufhin schützend vor die Kandidatin gestellt. Die Frau aus der Gruppe habe Mosler ins Gesicht gespuckt. Dieser Vorfall ist auf dem veröffentlichten Video zu sehen.

Polizei stellt kurz nach dem Vorfall zwei Tatverdächtige

Beamte der Polizei stellten kurz nach dem Vorfall eine 24-Jährige und einen 34-Jährigen in unmittelbarer Nähe, wie die Polizei bereits am Dienstagabend mitgeteilt hatte. Der männliche Angreifer habe die Politikerin gegen 18.50 Uhr beiseitegestoßen, sie beleidigt und bedroht, hieß es. Außerdem soll er zwei Wahlplakate heruntergerissen haben. Die 24-jährige Frau kam den Angaben zufolge hinzu und bespuckte die Politikerin unvermittelt. Die Polizei stellte die beiden in unmittelbarer Nähe. Gegen den 34-Jährigen werde wegen Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Sachbeschädigung ermittelt, gegen die 24-Jährige wegen Körperverletzung.

Da aus ihrer Gruppe heraus der Hitlergruß gezeigt worden sein soll, werde zudem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen sie ermittelt. Beide Verdächtige blieben auf freiem Fuß, sagte ein Polizeisprecher.

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Grünen verurteilen die Tat

„Die Täter wollten in aller Öffentlichkeit das eigene Viertel zu einer No-go-Area für Grüne erklären“, sagte der Sprecher der Grünen in Dresden, Klemens Schneider, laut einer Mitteilung. „Ihr geifernder Hass und ihre Skrupellosigkeit vor laufender Kamera sind abstoßend und schockierend.“ Nach dem Löschen des Handyfotos und dem Eintreffen der Polizei beruhigte sich demnach die Situation. Laut Parteiangaben war das Team zu siebt bei Tageslicht und in offensichtlicher Begleitung von fünf Journalisten unterwegs.

Der Angriff reiht sich in eine Serie von Attacken auf Politiker ein

Ebenfalls am Dienstag wurde in Berlin die ehemalige Regierende Bürgermeisterin und jetzige Wirtschaftssenatorin der Hauptstadt, Franziska Giffey (SPD), bei einem tätlichen Angriff leicht verletzt. In einer Bibliothek habe sie ein Mann mit einem Beutel mit hartem Inhalt attackiert und an Kopf und Nacken getroffen.

Vier Tage zuvor war in Dresden bereits ein Wahlkampfhelfer der Grünen beim Plakatieren attackiert worden, kurz vor dem Angriff auf den SPD-Europaabgeordneten Matthias Ecke, der bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. In Chemnitz und Zwickau waren zum Auftakt der Wahlkampfzeit Ende April ebenfalls Wahlkampfhelfer der Grünen angegriffen worden.

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Berliner Wirtschaftssenatorin Giffey bei tätlichem Angriff verletzt
Nach mehreren Angriffen in Dresden wird nun die frühere Regierende Bürgermeisterin von Berlin zum Opfer.

In Essen waren zudem in der vergangenen Woche der Bundestagsabgeordnete Kai Gehring und der dritte Bürgermeister der Stadt Essen, Rolf Fliß (beide Grüne), nach eigenen Angaben nach einer Parteiveranstaltung attackiert und Fliß mit Schlägen leicht verletzt worden.

RND/sis/dpa

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