Das Oktoberfest, Cannabis und die Scheinheiligkeit der CSU
Nun hat es wieder begonnen, das weltweit größte kollektive Besäufnis. Millionen Besucher werden in den kommenden Tagen auf dem Oktoberfest in München Millionen Liter Bier in sich hineinschütten. Die erste Maß bekam traditionell Regierungschef Markus Söder, dem es sichtlich schmeckte.
Die Wiesn kann man mögen, muss man aber nicht. Es ist jedoch eine Tradition, bei der Spielverderber nichts zu suchen haben. Dennoch ist in diesem Jahr etwas anders: Denn während die trinkfreudige Staatsregierung in die Kameras prostet, unternimmt sie gleichzeitig alles, um die von der Ampelkoalition in Berlin durchgesetzte Legalisierung von Cannabis zu hintertreiben.
Das „Cannabisfolgenbegrenzungsgesetz“
So gelten im Freistaat durch ein im Sommer in Kraft getretenes Gesetz mit dem unnachahmlich amtsdeutschen Titel „Cannabisfolgenbegrenzungsgesetz“ fürs Kiffen strengere Regeln als in anderen Bundesländern. Sie gehen sogar über das gesetzliche Rauchverbot hinaus, das ohnehin in öffentlichen Gebäuden, Gaststätten und Kultur- und Freizeiteinrichtungen gilt. In Bayern ist auch der Cannabiskonsum in ausgewiesenen Raucherräumen verboten – selbst in Außenbereichen von Gaststätten und Cafés sowie in Biergärten – und auf Volksfesten wie dem Oktoberfest.
Damit nicht genug: Die bayerische Landesregierung tut alles, um den seit Juli erlauben Cannabisclubs das Leben so schwer wie möglich zu machen. Von den 24 Anträgen von Anbauvereinigungen wurde in Bayern noch kein einziger genehmigt. Man werde einen maximal restriktiven Kurs fahren, hatte die Regierung schon früh angekündigt.
Zur Erinnerung: Durch die legalen Drogen Alkohol und Tabak sterben in Deutschland jährlich fast 200.000 Menschen. Cannabis kann zwar psychisch abhängig machen und Psychosen auslösen, doch so lebensgefährlich wie Alkohol im Übermaß und Tabak ist die Droge nicht. Die Bigotterie der CSU ist schwer zu toppen.