Was bedeutet der Putsch in Mali für die umliegenden Länder?

Bamako in Mali: Oberst Assimi Goita (2.v.r), malischer Militäroffizier und Mitglied des Übergangskomitees, sitzt im Verteidigungsministerium bei einem Treffen mit den Vorsitzenden der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS). Nach dem erzwungenen Rücktritt des malischen Präsidenten Keita soll der westafrikanische Staat nach dem Willen der Putschisten von einem Übergangskomitee regiert werden. Trotz internationaler Verurteilung verkündeten die aufständischen Militärs ein Übergangskomitee, das demnächst Wahlen abhalten wolle.

Dakar. Der Umsturz wurde international verurteilt – vom Westen ebenso wie von anderen Staaten Afrikas. Die bisherige Regierung in Mali war nicht nur demokratisch gewählt. Sie zählte auch zu den wichtigsten Akteuren im Kampf gegen regionale Terrorgruppen. Die Sorge ist nun groß, dass Extremisten das Machtvakuum nutzen werden, um sich noch weiter auszubreiten. Zugleich wird befürchtet, dass auch in Nachbarländern Teile der Streitkräfte aufbegehren könnten.

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Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas schickte am Samstag eine ranghohe Vermittlerdelegation nach Bamako, nachdem malische Soldaten dort am Dienstag ihren Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta aus dem Amt gejagt und in Gewahrsam genommen hatten. Militärputsche waren in der Region zuletzt seltener geworden. Aus Sicht von Experten geht von der Entwicklung in Mali daher eine gefährliche Signalwirkung aus – zumal noch in diesem Jahr mehrere Wahlen anstehen, unter anderem in Burkina Faso, Niger und der Elfenbeinküste.

Sahelzone immer instabiler

Praktisch die gesamte Sahelzone ist in den vergangenen paar Jahren deutlich instabiler geworden. Tausende Menschen sind von Dschihadisten getötet worden. Als die islamischen Extremisten 2012 große Gebiete im Norden von Mali eroberten, blieb dies auch in den Nachbarländern nicht ohne Folgen. Mauretanien etwa, das eine lange und nur schwer zu kontrollierende Grenze mit Mali teilt, nahm Zehntausende Flüchtlinge auf.

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Die beiden Staaten sind – gemeinsam mit Burkina Faso, Niger und Tschad – Mitglieder der Regionalorganisation G5 Sahel, die auch über eine militärische Eingreiftruppe gegen Terroristen verfügt. In ersten Äußerungen haben die Anführer des Putsches in Mali zwar versprochen, sich an internationale Verpflichtungen zu halten, was sich auch auf Vereinbarungen im Rahmen von G5 Sahel bezogen haben dürfte. Gerade Keïta galt bislang aber als eine treibende Kraft hinter dem Bündnis, dessen Truppe seit ihrer Gründung unter mangelnder Finanzierung leidet.

In Burkina Faso, das südlich an Mali angrenzt, sind etwa eine Million Menschen vor zunehmender Gewalt auf der Flucht. Fast die Hälfte von ihnen sei erst in diesem Jahr vertrieben worden, heißt es in einem aktuellen Bericht der Norwegischen Flüchtlingshilfe. Beobachter warnen, dass die Zahl weiter in die Höhe schnellen könnte, wenn sich die Sicherheitslage in dem nördlichen Nachbarland deutlich verschlechtern sollte.

Berichte über außergerichtliche Hinrichtungen

Burkina Faso war lange Zeit vergleichsweise stabil – und von extremistischen Anschlägen weitgehend verschont geblieben. Doch seit einigen Jahren erlebt das Land einen regelrechten Verfall. Die Entwicklung begann 2014, als Präsident Blaise Compaoré, der zuvor fast drei Jahrzehnte an der Macht gewesen war, nach Massenprotesten zurücktrat. Die ehemalige Präsidentengarde wurde im folgenden Jahr nach einem Putschversuch gegen die damalige Übergangsregierung aufgelöst.

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Im Januar 2016 verübten Extremisten mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida, die vermutlich nicht aus dem Land selbst stammten, in der Hauptstadt Ouagadougou einen Anschlag auf ein Restaurant. Mindestens 30 Menschen kamen dabei ums Leben. Seitdem hat es etliche weitere blutige Anschläge gegeben. Und die Gewalt breitet sich dabei immer weiter in Richtung Süden und Osten aus. Sicherheitsexperten befürchten, dass die Extremisten auch die Grenzen des Landes zu Benin, Togo und der Elfenbeinküste ins Visier nehmen könnten.

Die Streitkräfte von Burkina Faso sind schlecht ausgerüstet und gelten zudem als schlecht ausgebildet. Die Soldaten gehen inzwischen verstärkt auch gegen mutmaßliche Unterstützer der Terroristen in der Zivilbevölkerung vor. Berichten zufolge hat es dabei schon außergerichtliche Hinrichtungen, Folter und rechtswidrige Inhaftierungen gegeben. Laut Coupcast, einem Projekt der Organisation One Earth Future, bei dem auf Basis von historischen Daten die Wahrscheinlichkeiten von Putschversuchen berechnet werden, ist Burkina Faso derzeit besonders anfällig.

Elfenbeinküste vor schwierigen Wahlen

Neben Burkina Faso belegte im letzten Jahresbericht von Coupcast auch Niger einen Platz in den afrikanischen Top Ten. Auch Niger hat eine lange, durchlässige Grenze zu Mali. In ebendieser Grenzregion kam es bereits zu mehreren schweren Anschlägen. Verübt wurden sie zum Teil von einem regionalen Ableger der Terrormiliz IS.

In der Elfenbeinküste hat es seit März 2016, als Extremisten an einem Badestrand 19 Menschen töteten, keine größeren islamistisch motivierten Terroranschläge mehr gegeben. Dafür kam es aber entlang der nördlichen Grenze zu Burkina Faso zu einer Reihe von Angriffen auf Stellungen der Sicherheitskräfte – bei dem verheerendsten, im Juni 2016, kamen 14 Soldaten ums Leben.

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Aktuell ist in der Elfenbeinküste auch die politische Situation angespannt. Präsident Alassane Ouattara, der seit fast zehn Jahren regiert, will bei der Wahl in wenigen Wochen erneut antreten, obwohl laut Verfassung nur zwei Amtszeiten erlaubt sind. Er argumentiert, seine beiden bisherigen Amtszeiten könnten wegen Änderungen an der Verfassung im Jahr 2016 nicht gezählt werden. Die Opposition hat ihn aufgefordert, seine Kandidatur zurückzuziehen. Sollte er dies nicht tun, droht womöglich auch in diesem Land eine weitere Eskalation.

RND/AP

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