Warum Deutschland großen Einfluss auf das Aussehen von Ålesund in Norwegen hatte
An der rauen Westküste Norwegens, gut 100 Kilometer nordwestlich des berühmten Geiranger Fjords, liegt die Stadt Ålesund mit knapp 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Sie ist ein ganz besonderer Reisetipp in Norwegen, denn beim Stadtbummel wirst du dich eher an manche Viertel in Berlin, Paris oder Prag erinnert fühlen als an eine skandinavische Küstenstadt. Ålesund wartet nämlich mit einer überraschenden Vielzahl an Rundtürmen, dekorativen Giebeln und geschwungenen Fassaden auf – sprich an Jugendstil- beziehungsweise Art-Nouveau-Gebäuden.
Wie kam diese für mitteleuropäische Städte typische Architektur an die norwegische Küste? Der Grund dafür liegt in einer Katastrophe, ist aber auch jungen Architekten zu verdanken. Und dem deutschen Kaiser Wilhelm II., der eine Schwäche für Norwegen hatte.
Der reisereporter auf Whatsapp: Die Vorteile für dich
In unserem Whatsapp-Kanal findest du exklusive Reisetipps, ungewöhnliche Orte und günstige Reise-Deals. Du willst wichtige News sofort mitbekommen? Aktiviere die Glocke im Kanal und werde bei neuen Posts benachrichtigt.
Das passierte im Jahr 1904 in Ålesund
Ohne eine Katastrophe im Jahr 1904 würde Ålesund heute ganz anders aussehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts boomte die Stadt und war ein wichtiges Handelszentrum voller Fischfabriken und Werkstätten. Um die damals knapp 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner unterzubringen, wurden in kurzer Zeit einfache Holzhäuser gebaut, möglichst dicht beieinander.
Aktuelle Deals
Dann passierte es: In der Nacht des 23. Januar 1904 brach in einer Fabrik ein Feuer aus, das sich durch starken Wind schnell ausbreitete. Die Feuerwehr hatte keine Chance, und nach wenigen Stunden war ein Großteil der Innenstadt zerstört. Rund 850 Häuser brannten nieder, nur etwa 230 Gebäude blieben stehen – glücklicherweise verlor nur eine Person ihr Leben.
Als die Nachricht von dem Brand Europa erreichte, war einer besonders entsetzt: Kaiser Wilhelm II., ein großer Norwegen-Fan, der die Region regelmäßig besuchte. Er kannte die Orte rund um Ålesund wie kaum ein anderer ausländischer Staatsmann und war Stammgast im Hotel Union am Hjørundfjord unweit von Ålesund. Der Monarch schickte laut historischen Quellen und der Norwegen-Plattform „Life in Norway“ sofort Schiffe mit Baumaterialien, Werkzeug und sogar Fachkräften nach Norwegen.
Ålesunds Wiedergeburt als Jugendstil-Stadt
Der Brand war ein Wendepunkt für Ålesund. Statt schnell eine neue Holzstadt zu bauen, entschied man sich für Feuerfestigkeit – und für Modernität. In vielen Ländern Europas, so auch in Deutschland, war zur damaligen Zeit der Jugendstil vorherrschend mit seinen verspielten Ornamenten, floralen Mustern, Naturformen, Türmchen und Erkern.
Manche Quellen sprechen davon, dass deutsche Fachkräfte an der Planung der neuen Stadt beteiligt waren, andere von frisch ausgebildeten norwegischen Architekten, von denen viele in Deutschland studiert hatten – oder die sich von deutschen und mitteleuropäischen Stilrichtungen inspirieren ließen. Die Verbindung war also doppelt da: durch die Hilfe aus Deutschland durch Kaiser Wilhelm II. und durch eine Generation von Designern, die den kontinentaleuropäischen Baustil bereits verinnerlicht hatte.
In nur wenigen Jahren wuchs eine komplett neue Stadt empor, aus Stein, mit großzügigen Straßen und in einem einheitlichen Stil. Ålesund wurde so zu einem geschlossenen Jugendstil-Ensemble, das Besucherinnen und Besucher bis heute nahezu unverändert vorfinden.
Die Highlights von Ålesund für Reisende
Am besten verschaffst du dir in Ålesund erst einmal einen Überblick über diese außergewöhnliche Stadt: vom Aussichtspunkt Aksla. Vom Stadtpark führen 418 Steinstufen hinauf und an mehreren kleinen Aussichtspunkten vorbei. Am Ende erwartet dich die Terrasse der „Fjellstua“ mit schönstem Panoramablick über die Stadt, die vorgelagerten Inseln und das Meer. Alternativ kann man auch hinauffahren, aber der Weg zu Fuß lohnt sich schon für die Aussicht entlang der Strecke.
Für alle, die mehr über den Jugendstil erfahren möchten, ist das „Jugendstilsenteret“ ein Muss. Das Museum liegt in der ehemaligen Swan-Apotheke von 1907 und erzählt die Geschichte des Stadtbrands und des Wiederaufbaus in einem Multimediaraum. Dazu kommen originale Jugendstil-Interieurs, Möbel und Ausstellungen. Das Ticket gilt auch für das benachbarte Kunstmuseum KUBE, das in einem weiteren historischen Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert untergebracht ist.
Am Brosundet-Kanal und im Zentrum findest du einige der dichtesten Jugendstil-Ensembles Europas: pastellfarbene Fassaden, Türmchen, Erker, dekorierte Giebel und schimmernde Kupferdetails. Ein Spaziergang entlang des Wassers zeigt Ålesund von seiner malerischsten Seite, insbesondere im Abendlicht. Kleine Cafés am Hafen laden zum Verweilen ein. Daneben lockt Ålesund mit Boutiquen in alten Handelshäusern und einfachen Wanderwegen direkt vor der Stadt. Auch die Inseln Giske und Godøy sind beliebte Ausflugsziele.
Mehr Inspiration gesucht? Tipps für alle Top-Reiseziele findest du beim reisereporter.