Warum sich in dieser spanischen Stadt alle mit Rotwein bespritzen
Weiße Kleidung und vielleicht eine Taucherbrille – mehr braucht es nicht, um an einer der ungewöhnlichsten Traditionen Spaniens teilzunehmen. Denn jedes Jahr am 29. Juni verwandelt sich das Städtchen Haro im Herzen der berühmten Weinregion La Rioja in ein riesiges Schlachtfeld.
Doch bei der „Batalla del Vino“ fliegen keine scharfen Geschosse, sondern Tausende Liter Rotwein.
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Mit Wasserpistolen und Eimern in die Schlacht
Der Festtag beginnt bereits gegen 7.30 Uhr. Gemeinsam ziehen Einheimische wie Besucherinnen und Besucher zu den Riscos de Bilibio, einem Felsplateau oberhalb von Haro, auf dem die Einsiedelei San Felices steht. Nach einer Messe zu Ehren des Schutzpatrons gibt ein Raketenschuss das Signal für den Beginn der Weinschlacht.
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Von diesem Moment an gilt nur noch ein Ziel: Niemand soll trocken bleiben. Erlaubt ist alles, womit sich Wein verspritzen und gießen lässt – von traditionellen Weinschläuchen über Eimer, Plastikflaschen und Gummistiefel bis hin zu Wasserpistolen oder Sprühgeräten.
Gelacht, gesungen und gefeiert wird, solange Wein vorhanden ist. Die Stadt stellt dafür riesige Tanks bereit, an denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre „Waffen“ immer wieder auffüllen können.
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Zur vollständigen Ansicht70.000 Liter Wein für die „Batalla del Vino“
Insgesamt werden bei der Weinschlacht Jahr für Jahr bis zu 70.000 Liter Rotwein verspritzt. Wer das für einen Frevel hält, kann beruhigt sein: Dabei handelt es sich nicht um edle Rioja-Jahrgänge, sondern um Restbestände oder Abfälle der Weinproduktion, die nicht zur Abfüllung vorgesehen sind.
Nach rund zwei Stunden ist von der ursprünglich weißen Kleidung nichts mehr zu erkennen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind von Kopf bis Fuß rosarot gefärbt, der Boden ist von Pfützen übersät.
Gemeinsam kehren die Feiernden nach Haro zurück, wo sich das Fest auf der Plaza de la Paz fortsetzt. Begleitet von Blaskapellen ziehen alle durch die Straßen, bevor regionale Spezialitäten wie Schnecken in Paprika-Eintopf oder über Rebholz gegrillte Lammkoteletts aufgetischt werden.
Ursprünge der Weinschlacht reichen weit zurück
Dazu, wie die Weinschlacht entstanden ist, gibt es verschiedene Überlieferungen. Eine führt bis ins sechste Jahrhundert zurück. Damals pilgerten Gläubige zum Grab des heiligen Felices, der in Höhlen bei den Bilibio-Felsen bestattet worden sein soll. Aus den Wallfahrten entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte immer ausgelassenere Gelage, bei denen Wein als Symbol der Freude und Gemeinschaft ausgeschenkt wurde.
Eine andere Erklärung verweist auf einen 800 Jahre alten Grenzstreit zwischen Haro und der benachbarten Stadt Miranda de Ebro um das Gebiet der Riscos de Bilibio. Als die Grenze nach Jahrhunderten des Friedens im 16. Jahrhundert missachtet wurde, sollen sich die Bewohnerinnen und Bewohner beider Orte eine Schlacht geliefert haben, bei der Wein als Munition eingesetzt wurde.
Historisch am besten belegt ist, dass die heutige Form des Festes Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen einer Wallfahrt entstand. Aus der religiösen Prozession wurde ein fröhliches Fest, dessen Höhepunkt das gegenseitige Bespritzen mit Rotwein bildete.
Haro: Das Herz der Rioja-Weinregion
Doch auch abseits der Weinschlacht lohnt sich Haro für Genießerinnen und Genießer. Die Stadt im Norden Spaniens gilt als Herz des Weinanbaugebiets Rioja Alta, wodurch sie ab dem 16. Jahrhundert einen bis heute sichtbaren Reichtum erlangt hat. Herrschaftshäuser, Stadtpaläste reicher Adelsfamilien und prunkvolle Kirchen prägen den Stadtkern.
Im „Barrio de la Estación“ von Haro liegen mehrere traditionsreiche Bodegas nur wenige Schritte voneinander entfernt. Besucherinnen und Besucher können bei Weinproben und Kellerführungen Einblicke in die Herstellung der berühmten Rioja-Weine bekommen oder in den Bodegas der Altstadt Tapas und regionale Spezialitäten probieren.
Anreise nach Haro
Haro ist von Deutschland aus am bequemsten über den Flughafen Bilbao zu erreichen. Von dort dauert die Fahrt mit dem Mietwagen knapp anderthalb Stunden. Wer das Weinfest besuchen will, sollte schon am Vortag anreisen, da die Prozession früh beginnt. Da rund um den Festtag viele Unterkünfte in der Stadt ausgebucht sind, sollten Reisende zudem rechtzeitig planen.
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