„Der erste ernsthafte Rivale“

Wie Spaniens Fußball sich selbst und das DFB-Team sieht

Der deutsche EM-Viertelfinagegner Spanien präsentierte sich im bisherigen Turnierverlauf in starker Verfassung.

Das bislang letzte Mal trafen Spanien und Deutschland bei der Winter-WM in Katar aufeinander. Das war in der Gruppenphase, als noch alles möglich war. Das Spiel endete 1:1. Doch was danach kam, daran erinnern sich weder die Deutschen noch die Spanier besonders gerne. Die DFB-Auswahl schied nach der Vorrunde aus, und die spanische verlor im Achtelfinale gegen Marokko (0:3). In den gut anderthalb Jahren seit damals haben sich ein paar Dinge getan. Bei der EM in diesem Sommer sind die Verlierer von Katar die Favoriten. Die einen ein bisschen mehr als die anderen.

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El Mundo, eine der großen spanischen Tageszeitungen, hat die beiden zurückliegenden spanischen Achtelfinalspiele von Katar (gegen Marokko) und Köln (4:1 gegen Georgien) analysiert. Damals schossen die Iberer während des Spiels 13-mal in Richtung Tor, diesmal 35-mal. Gut, sie sind besser geworden. Bemerkenswerter: Die Zahl der spanischen Pässe ging von 1041 auf 823 zurück und der Ballbesitz sank von 76,8 auf 72 Prozent. Die Spanier haben es immer noch gerne, das Spiel unter Kontrolle zu behalten, aber mit etwas weniger Besessenheit. Zum Tikitaka ist Schnelligkeit gekommen.

Nationaltrainer Luis de la Fuente findet, dass seine Mannschaft den besten Fußball der Welt spielt. Als sein Team vor zwei Wochen in der Vorrunde den amtierenden Europameister Italien mit 1:0 besiegte, sagte er gleich danach zu einem Fernsehreporter: „Es gibt niemand Besseren als uns.“ Danach kam die Pressekonferenz, und da sagte er es noch einmal: „Es gibt niemand Besseren als Spanien.“ Und noch einmal: „Ich denke immer noch, wenn wir weiter gut arbeiten, gibt es kein besseres Team.“ Und noch einmal: „Meiner Meinung nach spielt Spanien den besten Fußball der Welt.“

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Natürlich weiß de la Fuente, dass es wohl kaum etwas Überheblicheres gibt, als wie ein Gockel auf den Platz zu gehen und sich schon vor dem Anpfiff als Sieger zu fühlen. Alle wissen das. Deswegen sagte der Trainer nach dem Italien-Spiel auch: „Es gibt niemand Besseren als Spanien, aber man muss vorsichtig sein. Die Gegner fangen an, uns kennenzulernen.“ Und weiter: „Ich bin sehr glücklich, aber objektiv gesehen, ist noch nichts erreicht worden. Es eröffnen sich wunderbare Perspektiven, aber der Fußball versetzt dir morgen Schläge und wirft dich zurück. Wir werden nicht den Kopf verlieren wegen Schmeicheleien und auch nicht, wenn Leute Dinge sagen, die nicht so gut sind.“

Im Laufe dieser EM sind die Schläge gegen Spanien bisher ausgeblieben, aber jetzt - im Viertelfinale am Freitag (18 Uhr/ARD und MagentaTV) - kommen die Deutschen. „Einer der härtesten Knochen dieses Wettbewerbs“, schreibt El Confidencial, „ein ernsthafter Titelanwärter, in großartiger Form.“ „Ein solides Team“, findet El Mundo. „Am Freitag kommt die Stunde der Wahrheit“, meint Cadena Ser, Spaniens meistgehörter Radiosender. Deutschland sei „der erste ernsthafte Rivale“.

Hinter aller Vorsicht lauert die Euphorie der Spanier. Keiner sagt es, aber alle denken es: Wir schaffen das. Der letzte deutsche Sieg bei einem großen Turnier gegen die Furia Roja liegt schon ein paar Jahre zurück. Das war 1988, auch in Deutschland und auch während einer Europameisterschaft: 2:0 im dritten Vorrundenspiel. Seitdem haben die Spanier „die Bestie gezähmt“, schreibt Spaniens große Sportzeitung Marca. Und gerade jetzt spielen sie besonders gut. Und besonders schön: Es macht Spaß, den Männern bei der Arbeit zuzuschauen. Oder den Jungs. Die beiden neuen Superstars, Nico Williams und Lamine Yamal, die „Dolche auf den Außenflügeln“ (El Mundo), könnten sich mit einem Finalsieg am 14. Juli verspätete Geburtstagsgeschenke machen: Williams wird zwei Tage vorher 22, Yamal einen Tag vorher 17. Er ist der jüngste Fußballer, der je ein EM-Spiel bestritten hat, und schon Stammspieler. Die Spanier sind eine ziemliche Wundertruppe.

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