Alle Augen auf Aaron Danks: Das ist Vincent Kompanys Vertreter
München. Plötzlich steht er an der Seitenlinie vorne, hat die Pole-Position in der Coaching Zone. Aaron Danks, die Vertretung des erkrankten Cheftrainers Vincent Kompany, ist unerwartet in die Verantwortung, in den Fokus der Öffentlichkeit und der Medien gerückt. Kein einfacher Sprung, schon gar nicht bei seinem Arbeitgeber, dem deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern München.
Beim deutschen Klassiker an diesem Samstag, dem Spitzenspiel zwischen dem Tabellenersten und -zweiten in der Allianz Arena gegen Borussia Dortmund (18.30 Uhr, Sky), heißt es also: Alle Augen auf Aaron, in seinem vierten Spiel als Cheftrainer. Auf der anderen Seite: Niko Kovac, der eineinhalb Jahre Trainer bei den Bayern war (2018-2019), zuvor Nationaltrainer Kroatiens und Chefcoach bei Eintracht Frankfurt, danach bei der AS Monaco und dem VfL Wolfsburg. 55 Jahre ist er alt und mit einer eine Menge Erfahrung ausgestattet.
Birmingham, Bälle, Leibchen: Die Anfänge eines Trainers
Es prallen Welten aufeinander beim prestigeträchtigsten Duell der Bundesliga, das weltweit übertragen wird. In einem ruhigen Moment vor dem Anpfiff seiner nun größten Aufgabe in der Interimsrolle wird der 43 Jahre alte Danks womöglich kurz innehalten und zurückdenken. Denn schon der 15-jährige Aaron hatte einen Traum. Als Teenager leitete er erste Trainingseinheiten in seiner Heimatstadt Birmingham. Mit dem Bus fuhr Danks, mit Bällen und Leibchen in einer großen Sporttasche, auf eigene Faust zu Schulen und Feriencamps, um Fußballtraining für Kinder anzubieten. Der Coach Danks steckte früh im kleinen Aaron, mit 16 durfte er sich „City Community Football Development Officer“ nennen.
Nach Abschluss der Schule und dem Erwerb der höchsten Trainerlizenz in England 2004 erhielt Danks die Chance, sich in der Nachwuchsakademie von Birmingham City zu beweisen, wechselte kurz darauf zu West Bromwich Albion. Elf Jahre blieb er an der Akademie von West Brom, bis er 2016 zum englischen Verband wechselte. Um sich parallel weiterzubilden, hospitierte Danks beim NBA-Klub Golden State Warriors, arbeitete mit Basketball-Superstar Stephen „Steph” Curry. Die Erfahrung, eine andere Sportart kennenzulernen, erweiterte und veränderte seinen Blick auf das Coaching und die Förderung von Fußballern.
2017 gehörte Danks zum Trainerteam, das die Three Lions zum Titel bei der U20-WM führte. Jamal Musiala debütierte unter Danks in den Jugendauswahl-Teams der Briten, bevor er den Verband wechselte und DFB-Nationalspieler wurde. Ab Juli 2024 sah man sich beim FC Bayern wieder.
Basketball-Praktikum bei Steph Curry veränderte seinen Coaching-Stil
Danks, Spezialist für Standardsituationen, folgte dem Wunsch von Vincent Kompany, mit dem er im Sommer 2021 einen Monat beim RSC Anderlecht zusammengearbeitet hatte. Nun vertritt der bei den Spielern auch für seinen britischen Humor beliebte Danks seinen Chef – in dessen Sinne: kompetent, loyal, lösungsorientiert.
Da ist alles abgesprochen. Danks war schon immer eingeweiht, in jede Entscheidung, die Kompany am Ende getroffen hat.
Lothar Matthäus, DFB-Rekordnationalspieler
„Danksy hat Erfahrung. Er war schon an der Seitenlinie in der Premier League, als Co-Trainer herausragend. Ich habe 100 Prozent Vertrauen in den Staff“, sagte Kompany im April, als der Assistent den damals gesperrten Boss im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Paris St. Germain (4:5) erstmals an der Seitenlinie vertrat.
Nun zieht Danks die Linie von Kompany durch, eins zu eins. „Da ist alles abgesprochen. Danks war schon immer eingeweiht, in jede Entscheidung, die Kompany am Ende getroffen hat“, sagte Sky-Experte Lothar Matthäus am Donnerstag in München. Das Urteil des DFB-Rekordnationalspielers: „Zwischen Kompany und sein Trainerteam passt kein Blatt Papier.“
Und es gibt erste Prognosen, wie es mit dem erkrankten Cheftrainer weitergehen könnte. Nach der Diagnose Hirnhautreizung konnte Kompany das Krankenhaus verlassen, er erhält Medikamente, soll sich zu Hause erholen. Möglicherweise kehrt er Mitte November nach der Länderspielpause zurück auf den Trainingsplatz. Als der alte Vinnie. Bayern-Sportvorstand Max Eberl ist sich „sehr sicher, dass er ganz bald wieder mit 100 Prozent am Rand steht“. Bis dahin hat er einen Vertreter, dem er hundertprozentig vertraut.