EZB will die Inflation entschlossener bremsen
Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den maßgeblichen Leitzins in der Eurozone von 2,25 auf 2,5 Prozent angehoben. Es ist der zweite Aufschlag seit dem Beginn des Iran-Krieges Ende Februar.
Experten hatten die Entscheidung am Donnerstag mit Spannung erwartet – und sich auch gefragt, ob Notenbankchefin Christine Lagarde Hinweise auf eine weitere Erhöhung noch in diesem Jahr gibt. Sie betonte: „Die Inflation wird voraussichtlich über einen längeren Zeitraum deutlich über dem Zielwert bleiben.“
Lagarde fügte hinzu: „Mit der heutigen Entscheidung sind wir weiterhin gut aufgestellt, um die durch den Konflikt verursachten Unsicherheiten zu bewältigen.“ Gleichzeitig bekräftigte sie einen Vorbehalt: „Wir legen uns nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.“
Die jüngst wieder verstärkten Kämpfe am Persischen Golf haben einen neuen Energiepreisschock in Europa ausgelöst. In Deutschland bewegen sich die Benzin- und Dieselpreise nah an ihren Rekordwerten. Auch Gas und Heizöl verteuerten sich deutlich, was die Inflationsrate im Euroraum zuletzt auf 3,3 Prozent erhöht hat.
Hierzulande sind die Verbraucherpreise im August um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die EZB hat die Aufgabe, die Teuerung in der Nähe der Marke von 2 Prozent zu halten.
Straffe Geldpolitik hat Risiken
Irans Regierung hat die Straße von Hormus de facto blockiert. Schiffe, die Rohöl, verflüssigtes Erdgas oder vor allem auch Dieselkraftstoff geladen haben, können die Meerenge nicht passieren. Dadurch verknappt sich weltweit die verfügbare Menge der wichtigsten Energierohstoffe. Eine Lösung des Konflikts ist derzeit nicht in Sicht.
Mit der Zinserhöhung positioniert sich die EZB nun einerseits als Zentralbank, die wieder eine straffere Geldpolitik betreiben will. Aber die aktuelle Anhebung und ein möglicher weiterer Schritt sind auch umstritten.
So ist aus Sicht von Silke Tober vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) klar: „Noch handelt es sich um einen klassischen Preisschock ohne Zweitrundeneffekte.“ Eine Gefahr, die Konjunktur durch Zinserhöhungen zu schwächen, gebe es bisher nicht.
Joachim Nagel, Präsident der Bundesbank und Mitglied des EZB-Rats, machte indes darauf aufmerksam, dass die Renditen für Anleihen weltweit zuletzt stark gestiegen seien. Das habe die Situation „verkompliziert“.
Die höheren Renditen wirken bereits ähnlich wie eine Zinserhöhung durch die Notenbank: Sie verteuern neue Kredite sowohl für Unternehmen als auch für Staaten – was die ökonomische Entwicklung in Europa ohnehin schon bremsen könnte.
Dennoch wetten zahlreiche Akteure am Kapitalmarkt nach einer Erhebung des Finanzdienstes Bloomberg nun auf weitere Zinserhöhungen. Es werde mit drei weiteren Schritten mit jeweils 0,25 Prozentpunkten bis Ende 2027 gerechnet.